Marrakesch, Marokkos farbenfrohste Stadt, lockt mit orientalischem Zauber in den Soukhs und westlichem Flair in den Hotels

Die „Perle des Südens“ hat viele Facetten

Im Herbst, sagen die Tourismusexperten, ist Marrakesch am schönsten. Das stimmt nicht, sagen die, die schon häufiger da waren: Marrakesch ist immer schön.

Sie haben Recht. Die „Perle des Südens“, deren Altstadt zum Weltkulturerbe zählt, lädt das ganze Jahr zur Entdeckungsreise ein. Und abwechslungsreicher kann ein Städtetrip auch kaum sein. Westliches Flair in den neuen modernen Hotelanlagen – orientalischer Zauber in den engen Gassen und vor allem den Souks, dieses Gewirr von Straßen mit hunderten, wahrscheinlich tausenden Ständen, an denen jede Art Ware angeboten wird.

In Ruhe durch die Soukhs

Häufig stören sich Touristen in südlichen Ländern daran, dass Händler aggressiv auf die potentiellen Käufer zu- gehen. Das ist in Marrakesch erstaunlicherweise komplett anders. Die Regierung, weiß Stadtführer Hassan, hat mit einem speziellen Programm dafür gesorgt, dass auch in den engen Sträßchen der Souks die Flanierer, Käufer, Neugierigen in Ruhe gelassen werden. Dass das so bleibt, dafür sorgen Kontrollen. Wer Touristen anmacht und erwischt wird, muss mit einer Strafe rechnen.

Das ist gut so, denn so macht das Bad in diesem Meer von Farben und Gerüchen richtig Spaß. Störend wirken nur die Mopeds und Mofas, die zum Teil mit Höllentempo durch diese eigentlich nicht befahrbaren Gassen donnern.

Hassan ist – ob aus Überzeugung oder verordnet ist nicht herauszubekommen – stolz auf seine Regierung. Und die hat, trotz der Reformen dieser Tage, einen Namen: König Mohammed VI. Und tatsächlich sind viele Marokkaner stolz auf den Monarchen, der die Rechte der Frauen stärkte und mit seinem Bildungsprogramm dafür sorgt, dass auch die Kinder in den Bergdörfern eine Portion Bildung abbekommen. Marrakesch wird gelegentlich vom König und seinem Anhang besucht. Dann kommen Busse mit Schaulustigen aus der Umgebung, die die Straßen zu zehntausenden Säumen, ganze Teile der Stadt werden gesperrt, das Leben kommt zum Teil zum Erliegen.

Die Millionenstadt ist derzeit noch nicht im unmittelbaren Fokus der Nordafrika-Urlauber, die meistens Ferien am Strand buchen – und das heißt in Marokko: Agadir. Allerdings, weiß TUI-Pressesprecher Mario Köpers, hat Marrakesch dicke Zuwachsraten, was auch daran liegt, dass die Königsstadt nur vier Flugstunden von Mitteleuropa entfernt liegt. Also noch im Zeitrahmen, den man akzeptiert, um auch mal ein verlängertes Wochenende dort zu verbringen.

Cobras und Gaukelei

Und diese vier Tage sind mit Programm blitzschnell gefüllt. Die Medina, die Altstadt, bietet an jeder Straßenecke neue Sehenswürdigkeiten,

auch ein Ausflug ins nahe Atlas-Gebirge ist ein Muss. Genauso wie ein Abend in einem der Cafés am Rand des Djema el Fna, des Gauklerplatzes. Das ist allerdings nichts für Menschen mit Schlangen-Phobie, denn die Gaukler halten dem zahlungsunwilligen Touristen, der gern Fotos machen möchte, schon mal ein solches Reptil unter die Nase. Ansonsten Musik und Akrobatik allenthalben – und mittendrin immer wieder die Schlangenbeschwörer – die zum Teil zu dritt, viert oder fünft mit ihren Stöcken aktiv sind, um das Dutzend Kobras im Zaum zu halten. Diese haben zwar keine Giftzähne mehr – wissen das aber nicht und bleiben gefährlich.

Wenn dann die Dämmerung heraufzieht und die Stadt in dieses einzigartige, warme Licht taucht, dann sitzt man am besten auf einer Terrasse am Rande des Geschehens und trinkt einen Kaffee oder einen Sundowner – den allerdings zu europäischen Preisen.

Von Horst Seidenfaden

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