Im Skigebiet Silvretta Montafon am Vorarlberg

Mit Pfarrer Joe in den Pistenhimmel

In den Sonnenaufgang schwingen: Wenn später auch die Langschläfer langsam auf die Bretter kommen, sind die Early-Bird-Skifahrer reif fürs Frühstück. Fotos:  Gruber

Josef Eggle kennt seine Schäfchen und sie kennen ihn. Der Pfarrer von St. Gal- lenkirch im Montafon, den alle im Tal nur Joe nennen, will nicht so recht ins übliche Bild eines Seelsorgers passen. Und er selbst hadert auch ein wenig mit der Berufsbezeichnung. „Ich fühle mich viel mehr für Seele, Geist und Körper zuständig“, sagt der 71-Jährige, steigt in die Bindung und schwingt wie ein junger Gott die teuflisch schwere Piste unter dem Nova-Sechsersessellift hinunter. „Wer als Pfarrer in einem Skiort an die Menschen rankommen will, muss wohl auch selbst skifahren“, sagt Eggle und schmunzelt tiefsinnig. Er hat es geschafft. Als Skilehrer hilft er immer wieder in der Skischule aus und ist bei den Kollegen akzeptiert. „Einige von ihnen habe ich auch verheiratet“, verrät er.

Wie in manch anderen Regionen der Alpen war auch das Innermontafon – das enge Tal zwischen St. Gallenkirch und der Bieler Höhe – lange Zeit weit ab vom Schuss. „Da hat sich ein eigenes Völkchen entwickelt“, weiß Joe Eggle, „und kleine Reibereien mit denen ‚draußen’ hat es immer gegeben.“ Draußen – das waren die Bewohner im weiten Talkessel von Schruns und Tschagguns, die an vielen Tagen des Jahres zwar mehr Sonne hatten, dafür aber nur das kleine Skigebiet am Hochjoch. Drinnen im Innermontafon dagegen, konnten sie mit dem weiten Pistenareal der Silvretta Nova punkten, wo viele Abfahrten so breit sind wie ein Fußballplatz lang ist. Und selbst daneben ist noch Platz. Auf den sonnenüberfluteten Tiefschneehängen fühlen sich hier die Freerider daheim.

Zwei neue Bahnen

Irgendwie wollten die Montafoner doch zusammenkommen, aber es hat gedauert. Mehr als 30 Jahre. Schon im Jahr 1978 gab es erste Pläne für eine Verbindung. Im Dezember 2011 nahm endlich die neue Grasjochbahn ihren Betrieb auf. Die mit knapp vier Kilometern längste Einseilumlaufbahn Österreichs koppelt jetzt zusammen mit der ebenfalls neuen Hochalpilabahn das Hochjoch mit dem Nova-Gebiet: das neue Areal „Silvretta Montafon“ war geboren. Harmonisch vereint offerieren die Montafoner jetzt 155 Pistenkilometer und rückten damit in den Kreis der „Großen“ unter Österreichs Skigebieten auf.

Aber nur bei spektakulären Bahnen, einer vorbildlichen Ausschilderung der Pisten und einem Panorama der Extraklasse wollte man es nicht belassen. Gleich an drei Tagen in der Woche hat der Brettlfan die seltene Chance, die traumhafte Bergwinterwelt im Montafon bei Sonnenaufgang zu erleben. Jeden Mittwoch und Donnerstag startet von Schruns aus die „Hochjoch Totale“, am Freitag erwartet in Gaschurn die Versettlabahn die Frühaufsteher. Erst ein warmer Tee, dann einige Aufwärmübungen mit den Guides und schon geht es auf frisch präparierte und jetzt noch vollkommen freie Pisten.

Seltenes Kulinarik-Konzept

Die Nova Stoba bietet dafür einen optimalen Rahmen. Das Bergrestaurant auf der Versettla punktet nicht nur mit viel Platz, sondern auch einem besonderen Konzept. Neben dem riesigen SB-Bereich gibt es sechs urgemütliche Stuben, in denen außergewöhnliche Kulinarik serviert wird. „Wir kombinieren internationale Themen – von thailändisch bis mexikanisch – mit bodenständigen Montafoner Spezialitäten wie Krautsuppe und Sauerkäs“, verrät Küchenchef Kurt Woltsche.

Wer jetzt auf Hochprozentiges zur Verdauung setzt, ist im Pfarrhof von St. Gallenkirch bei Hochwürden Joe erneut in besten Händen. Der Pfarrer beherrscht nicht nur den Carving-Schwung, sondern kennt sich auch in den Geheimnissen der Kräuterwelt bestens aus. Legendär ist „Joe’s Geheimnis“: „Elf Kräuter werden da verarbeitet“, sagt der Pfarrer und wieder huscht ein vieldeutiges Lächeln über sein Gesicht. „Mehr wird allerdings nicht verraten“.

Von Stefan Gruber

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