Schnee ist besser als Sonne

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Massenhaft Schnee: Wer Anfang Januar nach den heftigen Schneefällen den Weg in das Pitztaler Skigebiet Hochzeiger fand, der traf morgens auf leere, traumhaft präparierte Pisten. 

Schneechaos in den Alpen. Orte sind von der Außenwelt abgeschnitten. Mit dem Auto geht nichts mehr – auch im Pitztal. Was macht eine Familie im Ski-Urlaub an so einem Tag? Das ruhige Pitztaler Skigebiet Hochzeiger lockt Familien, aber auch Tiefschneefahrer.

Viel Schnee am Hochzeiger

Hier am Hochzeiger mit dem tollen Panorama, sind wir von der Sonne verwöhnt“, sagt Rudi, der Skilehrer, und rückt seine Skibrille zurecht. „Gem’ma!“ – Sonne? Panorama? Davon ist heute rein gar nichts zu sehen. Dafür gibt es Schnee, massenhaft Schnee. Einen Meter hat es über Nacht geschneit und über den Tag kommt wohl noch ein halber dazu. Die Fahrt hinauf über Jerzens und die Serpentinen wagen nicht viele Autofahrer. Doch der Bustransfer hilft, ist im Pitztal pünktlich und kostenlos.

 „Was nutzt’s Dir die Sonne, wenn Du koa’ Schnee hoast?!“, grinst Rudi und zieht ein paar weite Kurven in den Schnee, bremst hart am Rand der Piste, wo es steil hinab geht, ins Gelände, in den Tiefschnee. „Da könnt ihr runter! Gerade über dem Ski stehen, und ein wenig federn, dann den Schwung einleiten, so geht’s.“ Knappe, klare Ansagen eines Könners. Und es geht – wie auf einer Welle von Pulver. Tom versucht Schwünge, sie gelingen.

Dann lugt die Sonne aus den Wolken – wir fahren hinauf gen Hochzeiger, die Piste ist leer, traumhaft präpariert, weich und doch griffig. Also: Rein in die Benni-Raich-Abfahrt. Nach dem Doppel-Olympiasieger aus Wenns ist die schwarze Piste benannt. Und auf ihren Benni sind die Pitztaler stolz. „Das ist ein Guter!“

Mit tellergroßen Schuhen durch den Tiefschnee

 „Skifahren muss Spaß machen“, sagt Skilehrer Rudi. Elisa hatte noch keinen Spaß. Missmutig wirft sie sich in den Schnee. „Keine Lust mehr.“ Eindeutig zu viel Schnee ist das für sie, die Schönwetterfahrerin. Bis der Rudi kommt. „Komm, Du fährst hinter mir her, immer schön locker.“ Elisa steht auf, fährt – mit viel Spaß – hinterher, die flache Familienabfahrt hinunter. Doch im Gebiet zwischen Hochzeiger und Sechszeiger kann man mehr unternehmen, als Skifahren. Wir schnallen die Ski ab und die federleichten Schneeschuhe an, gehen los und erleben eine Metamorphose – eben fühlten wir uns noch wie Slalom-As Benni Raich, nun kämpfen wir auf einer nicht gewalzten Piste wie Abenteurer Arved Fuchs gegen Wind und metertiefen Schnee.

Die Kinder bauen derweil mit Sepp, dem Chef der Kinderskischule, einen Iglu. Auch sie müssen sich die anschließende Brotzeit in der Tanzalm erarbeiten: Hier gibt es – endlich – einen wunderbaren Kaiserschmarrn. Danach klacken wieder die Bindungen und es geht weiter – bei Sonnenschein – unglaublich! Jetzt sind sie zu sehen, die mächtigen Gipfel am Ende des Tals.

Nichts wie hinauf mit der neuen Zirbenbahn, einem Sechser-Sessel. Auf der Abfahrt zieht es zu, dicke Flocken setzen sich auf die Skibrille. Es wird dunkel. Das war es wohl mit dem Skitag.

Einmal mit der Pistenraupe fahren

Wie kinderfreundlich man hier am Hochzeiger ist, nicht nur in der Kinderskischule samt Kindergarten, das zeigt uns der Pistenchef Friedl Eiter. Er hat die 360-PS-starke Pistenraupe vorgefahren und jagt mit den Kids im Fahrerhaus eine Runde die Piste hinauf. Ein Traum – nicht nur für Kinder. „Einfach fragen, dann machen wir das.“ Lange geht das heute aber nicht, denn die Fahrer müssen planieren – die ganze Nacht durch. Sie versuchen die Schneemassen zu bändigen, die morgen manchem Urlauber die Heimreise unmöglich machen werden. Heute aber endet der Tag spektakulär: Nach einem deftigem Essen in der urigen Stalderhütte rodeln wir zurück ins Tal. Hier am Hochzeiger ist alles möglich – auch bei zu viel Schnee.

Und am Ende des vermeintlichen „Sauwetter-Tages“ ist auch für die vier Schönwetterfahrer klar: Es war der schönste Ski-Tag, den wir je hatten – dem wunderbaren Schnee sei Dank. Wie sagte der Rudi: „Was nutzt’s Dir die Sonne, wenn Du koa’ Schnee hoast!“

Reisetipps Pitztal

Reiseziel: Das Pitztal mit seinen 7400 Einwohnern und vier Ortschaften Arzl, Wenns, Jerzens und St. Leonhard liegt in Tirol auf einer Höhe von 880 bis 1640 Metern. Die Wildspitze (3774 Meter) am Ende des Tals ist der höchste Berg Tirols; davor erstreckt sich der Pitztaler Gletscher.
Anreise: Per Auto: kürzeste Strecke über den Fernpass, Imst, Pitztal. Möglich auch über Arlberg-Tunnel. Per Zug: Kassel -München, weiter mit ICE/EC bis Innsbruck, mit dem RegionalExpress nach Imst/Pitztal, dann mit dem Bus. Alle Fahrten im Pitztaler Busnetz sind für Übernachtungs-Gäste kostenlos. Günstig wird die Fahrt nach Österreich mit dem Europa-Spezial der Bahn – ab 39 Euro in der 2. Klasse, ab 69 Euro in der 1. Klasse, solange der Vorrat reicht.
Unterkunft: Im Pitztal gibt es viele Pensionen/Appartementhäuser und einige Hotels. Darunter auch den Arzlerhof, gleich am Taleingang. www.arzlerhof.at
Das Skigebiet: 129 schneesichere Pistenkilometer gibt es in den vier Pitztaler Skigebieten: Gletscher (höchstes Skigebiet Tirols) , Rifflsee, Imst und Hochzeiger. Letzteres ist ein vom ADAC ausgezeichneter Aufsteiger unter den Familien-Skigebieten und bietet auf 54 Kilometern alle Arten von Pisten – dazu ein hervorragendes Angebot für Kinder.
Skipasspreise: Für alle vier Gebiete in der Hauptsaison 228 Euro/Kinder 137 Euro. Hochzeiger: 184/113 Euro. Kinder unter zehn Jahren in Begleitung eines Erwachsenen (Bambini-Freipass) frei.

Skiverleih/Depot: Sport Schultes und andere Anbieter direkt an der Talstation Hochzeiger.
• Infos: www.pitztal.com

Von Thomas Kopietz

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