Die dänische Nordseeinsel Fanø bietet Raum für alle: Drachenfreaks, Lebenskünstler und Naturfreunde

Platz wie Sand am Meer

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Das Gegenteil von Überlaufen: Der Strand von Fanø ist 16 Kilometer lang und bis zu drei Kilometer breit. Überall ist, wie hier bei Ringby, ganz viel Platz für jeden.

Die dänische Nordseeinsel Fanø bietet Raum für alle: Drachenfreaks, Lebenskünstler und Naturfreunde.  

Fanø: Fotos von der Inselidylle

Ein Inselchen im Wattenmeer, 16 Kilometer lang, fünf Kilometer breit, knapp 3200 Einwohner. Kein Wunder, dass auf Fanø jeder jeden kennt und fast alles mit allem zusammenhängt. Der Naturschützer Marco Brodde zum Beispiel kann nicht nur spannend über Küstendynamik und den Zug der Singvögel erzählen, er engagiert sich auch für das kleine, aber feine Kunstmuseum im Bilderbuchdorf Sønderho.

Die nördlichste Insel im europäischen Wattenmeer liegt 50 Kilometer von Sylt entfernt. Gerade einmal zwölf Minuten braucht die Fähre von der Industriestadt Esbjerg auf dem Festland bis zum beschaulichen Inselort Nordby – und es ist doch eine Reise in die Idylle einer vergangen geglaubten Zeit.

Geborgenheit und Wohlstand

Inselidylle: Wer Ruhe will, muss auf Fanø nicht lang suchen. In den kleinen Dörfern, hier in Nordby, geht es beschaulich zu.

In Nordby und erst recht in Sønderho an der Südspitze, den beiden einzigen Dörfern, die diesen Namen verdienen, zeigen Segelschiffe auf den Reetdächern die Windrichtung an. Die niedrigen Häuser, in denen früher Kapitäne – oder ihre Witwen – wohnten strahlen Geborgenheit und gewachsenen Wohlstand aus.

Die Insel ist kuschelig und winzig. Aber am Strand, 16 Kilometer lang und bis zu drei Kilometer breit, ist reichlich Platz – so viel wie Sand am Meer. Vor fast 90 Jahren stellten hier Rennfahrer Geschwindigkeitsrekorde auf. Und noch immer dürfen Autos bis ans Wasser fahren, allerdings nicht rekordverdächtig, sondern mit maximal 30 Stundenkilometern. Die Insulaner verteidigen diese Tradition mit dem Argument, dass man ansonsten Parkplätze bauen müsste, womöglich im Dünengürtel oder in der Heide.

Der Natur auf der Spur: Marco Brodde beobachtet die Flora und Fauna der Insel ganz genau.

Was manche Erstbesucher verwirrt, stört Marco Brodde, den Ranger und Ornithologen, nicht. Selbst gegen Wanderungen durch die Dünen, die durch Bewuchs gut geschützt sind, hat er nichts einzuwenden. Fast jeden Tag zieht der studierte Biologielehrer mit Spektiv und Skizzenblock durch die Botanik: Wie geht‘s heute den Heulern und den Kegelrobben auf den Sandbänken? Ist die Brutzeit der Austernfischer, Rotschenkel oder Kiebitze vorbei?

Ein ganz anderes Spektakel lockt jedes Jahr im Juni einige tausend Menschen auf die Insel und versetzt sie in den Ausnahmezstand. Dann färbt sich der Himmel tagelang in den wildesten Farben, und diesmal führt nicht die Natur Regie. Die Drachen sind los, heißt das Motto seit Jahrzehnten, wenn Könner und Kinder, Freaks und Familien beim Drachenfestival ihre kreativen Kunstwerke steigen lassen.

Jetzt hat meine Seele frei, geschlossen zwischen zwölf und zwei!“ Schild an der Tür eines Ateliers in Nordby

Wenn die Drachenfans wieder abgereist sind, fällt die Ferieninsel in ihren gewohnten Rhythmus zurück. Wie der funktioniert, lässt sich in Uwe Apels Werkstatt im Herzen von Nordby studieren. Der Bernsteinschleifer aus Kiel hat Fanø schon vor Jahrzehnten für sich entdeckt – und ist gleich für immer geblieben. Gemeinsam mit seiner Frau Rita, die hier geboren ist, kauft und bearbeitet er, was Urlauber und Insulaner ihm von ihren Strandspaziergängen mitbringen. Mittags, wenn der Kunsthandwerker Lust auf eine Pause hat, hängt er einfach ein Schild an die Tür: „Jetzt hat meine Seele frei, geschlossen zwischen zwölf und zwei !“

Reisetipps und Informationen

Anreise: Über die E 45 (A 7) via Hamburg und Flensburg bis Aabenraa, weiter auf der L 24 bis Esbjerg. Von dort alle halbe Stunde Fähre nach Nordby auf Fanø (45 Euro hin und zurück für Auto und Insassen).

Unterkunft: Am beliebtesten sind Ferienhäuser und Campingplätze. Bestes Hotel der Insel ist der Sønderho Kro mit hervorragender Küche, DZ/Frühstück ab ca. 190 Euro, www.sonderhokro.dk

Sehenswert: Die Seemannskirche in Sønderho mit ihren 14 Votivschiffen. Und das Kunstmuseum, nur ein paar Schritte entfernt, das den Alltag der Insulaner damals und heute in eindrucksvollen Bildern zeigt. Außerdem das Schifffahrt- und Trachtenmuseum in Nordby.

Höhepunkte des Sommers: Vom 20 bis 23. Juni werden wieder mehr als 5000 Drachen-Freaks zum großen Kitertreffen erwartet. www.kitefliersmeetingfanoe.de 12. bis 14. Juli: Fanø-Tage, großes Volksfest am Fährhafen von Nordby. 21 Juli: Sønderho-Tag mit Volkstänzen in alten Trachten.

Auskunft: Fanø Turistbureau, T 00 45 / 70 26 42 00, www.visitfanoe.dk

Von Bernd Schiller

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