Mit Noblesse wirbt die „Queen Elizabeth“ nun auch um deutsche Gäste

Very british

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Königlich reisen: Auf der Queen Elizabeth wird die britische Lebensart zelebriert.

Mit Nonchalance und Noblesse wirbt die „Queen Elizabeth“ nun auch um deutsche Gäste. Notizen einer Mittelmeer-Kreuzfahrt.

Was für ein Morgen, was für eine Atmosphäre: Ich sitze auf dem Balkon vor meiner Kabine und schaue den Möwen und den Wolken nach, die von den ersten Sonnenstrahlen rötlich ausgeleuchtet werden. Das Schiff pflügt mit gut 1800 Menschen an Bord fast geräuschlos durchs Mittelmeer, und ich genieße das Gefühl allein zu sein. Land kommt in Sicht, auf beiden Seiten der Straße von Messina, rechts Sizilien, der italienische Stiefel an Backbord.

Kaum eine Stunde später stehen an der Pier der großen Hafenstadt ein Dutzend Busse und noch viel mehr Taxen bereit für die Landausflügler. Man konnte sich entscheiden: Taormina halbtags oder Sizilianisches Panorama ganztägig, noch zwei, drei Möglichkeiten mehr.

Oder man wählt die Variante von Kennern und Genießern wie Mister Plimpson wählen. Der alte Herr, Typ pensionierter Kolonialoffizier, ist etwa die Hälfte des Jahres auf den Weltmeeren unterwegs, an Land aber geht er nur selten. Er schaut gern der Abfahrt der Busse von der Reling aus zu. Dann, wenn die Ausflügler nach britischer Sitte geduldig und geordnet von Bord gegangen sind, dreht er seine Runden in einem der beiden Pools – allein.

Später Vormittag, auf dem Wege nach Santorin. Im Britannia-Saal treffen sich die Amateurkünstler zum Malunterricht. Einige von ihnen, fast ausschließlich Engländer, waren vorher schon beim Bridgeturnier. Ganz oben, auf dem Sportdeck, wird Rasen-Bowling gespielt – very british.

Menschen und Momente auf der Queen Elizabeth

Queen Elizabeth: Fotogalerie

Demnächst soll die Stimmung jedoch etwas internationaler werden. Wenn die Pläne der Hamburger Cunard-Niederlassung aufgehen, sollen auch auf der „Queen Elizabeth“ vor allem mehr deutsche Passagiere einchecken. Aber es wird trotzdem, so darf man hoffen, ein durch und durch britisches Schiff bleiben.

Gentlemen für die Damen

Ein Dampfer, der zum Beispiel Damen – ob alleinreisend oder in Begleitung ihrer tanzunlustigen Gatten – abends nicht einfach sitzen lässt. Dass sie stilvoll in Bewegung kommen, dafür sorgen sogenannte Gentleman Hosts, eine Institution, die mit dem Begriff Eintänzer nicht korrekt übersetzt wäre. Die Herren, allesamt gesetzten Alters, verfügen über erstklassige Manieren, können angeregt plaudern und – das vor allem – sehr gut tanzen.

Britische Tradition

Taufpatin: Die Queen ist immer an Bord.

Tradition prägt auf der „Queen Elizabeth“ das Ambiente. Überall in den Salons, in der Lobby und den Clubs wird an die Zeiten erinnert, als Britannien die Weltmeere beherrschte. Mit Art-deco-Lampen, mit Gemälden aus der Geschichte der großen Cunardliner und mit Fotos ihrer prominenten Gäste von einst. Sogar auf der Brücke, wo ansonsten Computer-Technik herrscht, wärmt ein Bild der alten „Mauretania“ die Herzen der Traditionalisten.

Nur tief im Bauch des Schiffes, wo tonnenweise Gemüse, Fisch und Fleisch lagern und Käse und Champagner auf den Strich genau gekühlt werden. Dort, im Reich von Chefkoch Trevor Conolly und von Proviantmeister Ryan Wardhaugh, ist die Logistik allein mit High Tech zu bewältigen. Die beiden und ihr Team sorgen dafür, dass drei- bis vier Mal am Tag um die 2000 Gäste verköstigt werden, im Pub so gut wie im Queens Grill, wo gern mal sechs Gänge serviert werden, Krebsfleisch mit Kaviar, Jacobsmuscheln in Limettenbutter und Bio-Rinderfilet mit Morcheln.

Weitere Informationen:

Das Schiff: Die „Queen Elizabeth“ wurde im Oktober 2010 von ihrer Namenspatronin in Southampton getauft; sie ist mit 294 Metern Länge, 90 000 BRZ und einer Kapazität von 2068 Passagieren deutlich kleiner als ihr in Deutschland bislang berühmteres Schwesterschiff „Queen Mary 2“. Neun Restaurants und Bars, zwei Deck-Pools, Theater, Kasino, Kino, Bibliothek sowie ein vielfältiges Angebot an Vorträgen, Kursen und anderen Veranstaltungen sorgen für Abwechslung.
Routen und Preise:  Nach der Weltreise, die am 8. Januar in Hamburg beginnt, in Etappen buchbar ist und wiederum in Hamburg am 19. April endet (2015: 8.1. - 5.5.), wird die „QE“ ab Juni in Ein- oder Zweiwochen-Törns von Rom (Civitavecchia), Piräus oder Venedig durchs Mittelmeer fahren. Preisbeispiel für eine siebentägige Reise von Piräus nach Piräus (Griechische Inseln und Istanbul) in einer Balkonkabine: ab ca. 2000 Euro pro Person, inklusive An- und Abflug.
Buchtipp: „Queen Elizabeth: Noble Eleganz zur See“ von Ingo Thiel, 24,90 Euro; Kreuzfahrt Guide aus dem Bellevue-Verlag, 16,80 Euro.

Auskunft: in Reisebüros mit Kreuzfahrt-Kompetenz und im Internet unter www.cunard.de

Von Bernd Schiller

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