Lumbini im Süden Nepals ist für Buddhisten einer der heiligsten Orte der Welt – hier wurde Buddha geboren

An der Quelle des Glaubens

Der Tempel Maya Devi Mandir: Die Original-Mauern des ältesten Bauwerks Nepals aus der Zeit 300 vor Christus wurden mit einem schmucklosen Bau umgeben.

Mit einem Wedel wischt Pema schnell die Sitzbank sauber, bevor er die Gäste auf seinen Rikscha-Sitz bittet. Er und seine zahlreichen Kollegen wirbeln den ganzen Tag Staub auf, der in jede Polster-Ritze dringt. Es ist mühsam für die Nepalesen, die Touristen auf den Feldwegen in den heiligen Garten zu kutschieren, der als Ursprungsort des Buddhismus gilt. Hier im nepalesischen Lumbini wurde vor gut 2500 Jahren Siddharta Gautama geboren.

Für eine Milliarde Buddhisten in aller Welt ist Lumbini aber die Quelle ihres Glaubens. Hunderttausende pilgern jährlich in den Südwesten Nepals und finden dort einen Religionspark mit zig modernen Tempeln und buddhistisch-historischen Ausgrabungsstätten, der weltweit seinesgleichen sucht. Europäer sieht man hier kaum, Buddhas Geburtsort hat sich in der westlichen Welt noch nicht herumgesprochen, während er für japanische Reisegruppen längst zum Pflichtprogramm gehört.

Unsere Rumpel-Fahrt auf dem Rikscha-Rücksitz beginnt im Osten des drei Quadratkilometer großen Religionsparkes. Am Haupttor hat man einen guten Überblick über die Stupa-Kuppeln, Tempel-Spitzen und goldenen Figuren, die ringsum aus dem dichten Wald heraus ragen. Erstes und zugleich wichtigstes Ziel für alle Rikscha-Touristen ist der Heilige Garten im Süden des weitläufigen Areals. Auf den Wiesen sitzen Mönche und meditieren im Dunst der Räucherstäbchen, der auch die Pilger einhüllt.

Ein junges Paar aus Korea hat sich an den bunten Ständen vor dem Eingang Gebetsfahnen gekauft und sucht nach freien Bäumen. Ausgrabungen beweisen, dass Buddha hier bereits im 3. Jahrhundert vor Christus verehrt wurde. Zu dieser Zeit ist auch mindestens ein Kloster entstanden, das der indische Kaiser Ashoka – der erste prominente Buddha-Anhänger – errichten ließ.

Im Herz des Heiligen Gartens

Die meisten Touristen halten sich bei einem Wasserbecken auf, das von einer indischen Frauen-Gruppe in Beschlag genommen ist. Die Damen sitzen auf den Stufen vor dem viereckigen Bassin und trinken Tee. Sie sehen erschöpft aus und würden sich wahrscheinlich ein Bad in dem klaren Wasser wünschen, so wie es einst Maja Devi an diesem Ort gemacht haben soll – unmittelbar bevor sie ihren Sohn Siddharta Gautama gebar. Auch das Herzstück des Heiligen Gartens ist ihr gewidmet: Der Tempel Maya Devi Mandir, das älteste Bauwerk Nepals aus der Zeit um 300 vor Christus. Die Original-Mauern wurden mit einem schmucklosen Bau umgeben, vor dessen Eingang sich die Schuh-Paare türmen.

Kitsch aus Deutschland

In den letzten Jahren hat der Religionspark eine beeindruckende Entwicklung hingelegt. Investoren aus aller Welt klopften ans Portal. Buddhistische Gemeinschaften wollten plötzlich Teil der allumfassenden Idee werden und pumpten Geld zur Errichtung von Tempeln nach Lumbini. Das Prinzip der buddhistischen Selbstverwirklichung manifestiert sich mittlerweile in den unterschiedlichsten Bauwerken. Jeder Geldgeber durfte seine eigenen Vorstellungen der Religion verwirklichen. Das Areal einer buddhistischen Vereinigung aus Deutschland ist sehr kitschig geraten, mit goldverzierten Figuren.

Andere Länder haben die Wucht und Größe ihrer buddhistischen Gold-Tempel in den Park gepflanzt, während Thailand ein zurückhaltendes Modell aus weißem Holz gewählt hat. Knapp zwei Dutzend Tempel stehen momentan, weitere sollen folgen. 20 zusätzliche Parzellen sind ausgewiesen. Nirgendwo sonst auf der Welt lassen sich so viele Ausprägungen des Buddhismus an einem Platz bewundern. Es besteht allerdings die Gefahr, dass der religiöse Schönheitswettbewerb eines Tages zum buddhistischen Disneyland verkommt.

Von Christian Schreiber

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