Safari einmal anders – eine Begegnung mit der Natur Südafrikas, die Auszeit und Abenteuer zugleich ist

Ranger-Camp: Vom Busch lernen

Wer beobachtet hier wen? Giraffen sind sehr neugierig, dennoch sollte man ihnen nicht zu nahe kommen. Foto: Eco-Training

Plötzlich steht sie mitten im Weg, schlank und elegant, nur wenige Meter entfernt: eine Giraffe. Blickt gelassen herüber, kaut weiter. Der Jeep hält an, die Passanten zücken Fotoapparate und Ferngläser, fasziniert von der unverhofften Begegnung. „Was für ein Geschlecht und warum?“, fragt Ranger Will leise. Ein Weibchen, wegen der sichelförmig nach hinten gebogenen Hörner, wird die Antwort zurückgeflüstert. Will nickt zufrieden, legt den Rückwärtsgang ein. Die Giraffendame soll nicht vertrieben werden. Es ist ihr Revier. Die Menschen sind Zaungäste.

Das ist die Idee des südafrikanischen Reiseveranstalters Eco-Training. „Uns geht es nicht um einen Wettlauf, möglichst schnell möglichst viele Tiere zu sehen“, erklärt Corne Schalkwyk, Leiter des Programms. Zwar sehen seine Gäste auch viele Tiere, doch der Ansatz sei ganzheitlich: In den Kursen lernen sie Vogelbeobachtung oder Spuren lesen. Die ausgeklügelte Arbeit von Termiten kann ebenso faszinieren wie die Big Five, die großen Fünf, begehrt bei Touristen wie Jägern: Löwen, Elefanten, Nashörner, Leoparden und Büffel. Sie alle leben hier im 9000 Hektar großen Wild-Reservat um das Karongwe Camp, südwestlich vom Krüger Nationalpark.

In rustikalen Zelten schlafen die Reisenden, die ungeachtet ihres Alters Studenten heißen – Lernende. Wichtiger als die theoretischen Unterrichtsstunden in der Freiluft-Bibliothek ist der Praxis-Unterricht, das Erleben in der Wildnis.

Im Rhythmus der Natur

Ihren Kurs können die Besucher individuell buchen: ein paar Tage, mehrere Wochen oder ein ganzes Jahr, in dem sie sich zum anerkannten Ranger ausbilden lassen. Oft sind es Geschäftsleute, die eine Auszeit von ihren stressigen Jobs suchen. Hier im Camp versagt das Handy-Netz und sie übernehmen den Rhythmus der Natur. „Viele kommen her, um etwas über Südafrika zu lernen. Nicht um von Südafrika zu lernen. Genau das passiert aber“, erklärt Corne. So konfrontiert mit der Natur, beginne man, sich wieder als Teil von ihr zu begreifen.

So ging es auch Will Lawson, der seine Heimat Großbritannien vor sieben Jahren verlassen hat, um sich auf das einfache, aber abenteuerliche Leben eines Rangers in Südafrika einzulassen. „Dann habe ich mich infiziert“, sagt er – „mit der Begeisterung für Südafrika.“ Das Virus hält sich hartnäckig. Heute scheint Will wie ein wandelndes Lexikon, der Gäste mit seinem Wissen über Fauna, Flora oder die Sternenwelt unterhält.

Es ist wohl die Mischung aus naturnahem Erleben und professioneller Betreuung, aus einer Auszeit und Horizonterweiterung, die so gut ankommt, dass immer weitere Camps entstehen, in Südafrika, Botswana und in Kenia. Entstanden ist die Idee am Ende der Apartheid in Südafrika Anfang der 90er-Jahre, erklärt Corne Schalkwyk: „Es stieg der Bedarf an Tourismusführern, die Natur vermitteln und keine Cowboys sind.“ Sondern ewige Studenten.

Angebote: EcoTraining bietet Safari-Programme im Einklang mit Kursen etwa über Vogelbeobachtung, Spuren lesen oder Natur-Fotografie. Derzeit unterhält der Veranstalter drei Camps in Südafrika und jeweils ein Camp in Botswana und Kenia. Die Aufenthaltsdauer variiert zwischen einer Woche und einem Jahr, das Angebot reicht vom Safari-Schnupperkurs bis zur staatlich anerkannten Ausbildung zum Ranger. www.ecotraining.co.za.

Preise: Eine Woche kostet im Regelfall zwischen 800 und 1000 Euro inklusive Kurs, Unterkunft und Verpflegung, eine einmonatige Safari kann man ab rund 2600 Euro buchen.

Anreise: South African Tourism fliegt täglich von Frankfurt und München nach Johannesburg. Von dort geht es entweder mit dem Mietwagen weiter oder per Flugzeug nach Hoedspruit und von dort mit dem Auto. In der Sommerzeit herrscht Zeitgleichheit, im europäischen Winter beträgt der Zeitunterschied eine Stunde.

Gesundheit: Generell sind für Südafrika keine besonderen Impfungen nötig, für den Krüger Nationalpark und das angrenzende Gebiet empfiehlt sich eine Malaria-Prophylaxe. Vorab sollte der Hausarzt informiert werden. Reisezeit: Südafrika ist ein Ganzjahres-Reiseziel, doch die Hauptreisezeit ist von November bis Februar.

Von Birgit Holzer

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