Club-Urlaub einmal anders: Vater und Sohn zum ersten Mal allein auf Mallorca

Reine Männersache

Im Club ist immer etwas los: Das Animationsteam gibt alles, um die Gäste zu unterhalten – zum Beispiel mit lustigen Verkleidungen. Der Vorteil für den Vater: Für Lennarts Bespaßung sind jetzt mal andere zuständig. Fotos: Brümmer

Rui, der spanische Kellner, blinzelt dem neunjährigen Lennart verschwörerisch zu, als dieser mit einem Teller voller Pommes frites an den Tisch zurückkommt. Der Vater denkt: „Wie erkläre ich es bloß zu Hause, wenn unser Sohn als schönstes Urlaubserlebnis über „Pommes bis zum Abwinken“ spricht? Und die frischen Salate und das knackige Gemüse überhaupt nicht erwähnt?

Wir machen eine Woche zu zweit einen Vater- und Sohn-Urlaub auf Mallorca, im Robinson Club Cala Serena. Das erste Mal. Die Ehefrau und Mutter hat nicht frei bekommen und seinen kleinen Bruder wollte Lennart lieber zu Hause lassen. Hier gab es noch freie Plätze während der Schulferien, weil die Anlage nicht speziell auf Familien ausgerichtet ist. Urlaub mit Kind in so einem Club hat auch seine Vorteile.

Statt Familienappartements mit entsprechender Geräuschkulisse von nebenan gibt es in dem Club in Cala d’Or ein beachtliches Doppelzimmer: 32 Quadratmeter groß, mit geräumigem Bad und breitem Balkon mit Blick ins Grüne. Die Betten lassen sich auseinander rücken, doch nach der ersten Nacht rückt Lennart ab aufs Sofa, das er sich mit vielen Kissen und Decken zu einer gemütlichen Schlafhöhle umgestaltet. Die parkähnliche 280-Zimmer-Anlage an der Südostküste Mallorcas ist gut gebucht, und doch herrscht nirgends Gedränge: Kein Schlangestehen beim Essen, keine Liegen-Besetzer an den Pools. Es verteilt sich, weil viele Gäste Sport treiben, auf der Insel unterwegs sind oder sich im Wellnessbereich entspannen.

Clubdirektor Holger Reinshagen, selbst Vater zweier Söhne, wundert sich auch manchmal: „Wir bewerben Cala Serena gar nicht als Familienclub, eher als idealen Urlaub für sportbegeisterte Paare und Alleinreisende. Und doch kommen viele Eltern mit ihren Kindern zu uns.“ Das liegt auch am breiten Sportangebot. Täglich gibt es andere Schnupperkurse, die Vater und Sohn gemeinsam besuchen können, wie Tennis, Hockey oder Schnorcheln.

Erster Tauchgang im Pool

Beim ersten Tauchgang im Pool ist jeder gleich, Altersunterschiede zählen nicht. Mit Druckluftflaschen geht es auf den Grund. Wer Blut geleckt und nicht zu viel Wasser geschluckt hat, kann seine Tauchkenntnisse vertiefen: Schon mit zehn Jahren geht es aufs offene Meer. Natürlich nur mit Zustimmung des Vaters, der dafür auch extra zahlen muss.

Cala Serena ist kein All-Inclusive-Club, und das ist für Eltern manchmal gut: Die Tischgetränke sind zwar frei, doch die Limo an der Bar nicht. Dort bezahlen die Sprösslinge mit einer Guthabenkarte. An der Rezeption empfiehlt man, erst einmal nur zehn Euro aufzuladen. Damit kommt auch ein durstiger Junge ganz schön weit, und die Eltern müssen keinen unkontrollierten Cola- und Eis-Konsum befürchten.

Vater und Sohn könnten sich im Club zwar den ganzen Tag gemeinsam beschäftigen, aber ein wenig Ruhe voneinander gehört auch zum Urlaub. Über den Tag verteilt gibt es stundenweise Kinderbetreuung. Animateurin Anne bastelt mit den Kindern. Oder sie zeigt ihnen auf Ausflügen die nähere Umgebung. Wer will, kann mit ihr abends am Kindertisch essen. Auch Väter sind dort gern gesehen.

Keine pommes-freien Tage

Da der Club leider keinen Pommes-freien Tag anbietet, lässt sich Lennart auf einen Handel ein: Wenigstens etwas Salat oder ein Gemüse zum Essen. Sein Lieblingsgetränk wird im Laufe der Woche erstaunlicherweise Mineralwasser mit Zitronengras. Im Urlaub lernen Väter ihre Söhne eben manchmal erst richtig kennen.

Auf dem Rückflug sagt Lennart, wie sehr ihm diese Woche im Robinson-Club gefallen habe. „Was war eigentlich am schönsten?“, fragt der geschmeichelte Vater. Lennart überlegt kurz und antwortet dann mit unerschütterlich kindlicher Logik: „Papa, am schönsten war – einfach alles!“

Von Ulrich Brümmer

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