Alle Fakten rund um den Urlaub

Was bleibt vom Reisesommer

+
Was bleibt vom Reisesommer

Kurz, aber heftig war dieser Sommer und trotz des verregneten Starts am Ende eine gute Saison für den Deutschland-Tourismus. Aber trotz der Hitzewelle daheim auch ein gutes Jahr für die Mittelmeerziele.

Griechenland ist zurück auf der Urlauber-Landkarte, Ägypten steht nach den politischen Unruhen vor dem Neustart. Was er sonst noch gebracht hat, der Reisesommer 2013 – eine Bilanz und ein Ausblick auf das nächste Jahr.

Wo wir waren

„Die Bayern zieht es vor allem nach Spanien, besonders auf die Mittelmeerinsel Mallorca, gefolgt von der Türkei und Italien“, vermeldete die TUI schon im Juli. Auf die Insel im Mittelmeer entfiel bei Deutschlands größtem Reiseveranstalter fast jede fünfte Buchung. Auch bei den Veranstaltermarken ITS, Jahn Reisen und Tjaereborg aus dem Haus der DER Touristik lagen die Türkei und die Balearen als Reiseziel vorn. Auf der Fernstrecke punkteten bei der TUI vor allem die USA, Thailand und das karibische All-inclusive-Paradies der Dominikanischen Republik.

Wie lange wir verreisten

12,4 Tage verreisen die Deutschen im Durchschnitt. Die TUI hat das regional aufgeschlüsselt und dabei ermittelt, dass der Hamburger sich 11,7 Reisetage gönnt, der Saarländer 10,1 Tage.

Wann wir gebucht haben

Der Frühbuchermarkt wächst. Bei der TUI zum Beispiel buchte heuer die Hälfte der Gäste den Urlaub vier Monate vor Reiseantritt, ein Viertel sogar sechs Monate davor.

Was wir ausgegeben haben

Im Schnitt geben die Deutschen 1130 Euro für eine Urlaubsreise aus. In der Haupturlaubszeit sind die Preise für Pauschalreisen laut Auskunft des statistischen Bundesamtes um rund 14 Prozent angestiegen, im Vergleich zum Vorjahr lag der Preisunterschied aber nur bei 0,2 Prozent. Laut Preisindex des Online-Portals Holidaycheck gaben Familien für zehn Tage Mallorca im Schnitt 3024 Euro aus, in der Türkei 2832 Euro, in Tunesien 2090 Euro. Bei der TUI lag der Durchschnittspreis für eine Pauschalreise bei 1188 Euro.

Wie wir den Urlaub verbrachten

Essen gehen, einen Ausflug machen, baden und spazieren gehen sind laut Analyse der Stiftung für Zukunftsfragen die Hauptbeschäftigungen der Deutschen im Urlaub. Zwischen 79 (essen) und 62 (spazieren) von 100 Befragten kreuzten diese Aktivitäten bei einer repräsentativen Umfrage an, gefolgt von ausschlafen, faulenzen (58) und fotografieren (51). Nur 28 Prozent gaben kulturelle Aktivitäten an, 27 Prozent Sport. Zu Letzterem: Die neuen Trendsportarten des Sommers waren Kranking (ein Art Heimtrainer, bei dem die Arme und nicht die Beine die Kurbeln bewegen), Kangoo Jumping auf speziellen Schuhen mit Sprungfedern und TRX (ein Ganzkörpertraining mit Gummibändern, die an der Decke oder Wand befestigt sind). Der wichtigste Trend in den Ferienclubs war Zumba, eine Kombination aus südamerikanischem Tanz und Aerobic.

Was wir vermissten

Das Onlineportal Holidaycheck hat Urlauber gefragt, was sie fern der Heimat am meisten vermisst haben. Ganz oben auf der Liste stand das eigene Bett, gefolgt vom Haustier, und dem gewohnten Brot vom Bäcker. Am wenigsten vermisst wurde das heimische Bier. Das gibt es ja inzwischen sogar auf Hawaii ...

Urlaubsland Deutschland

Nach der Flut begann der Traumsommer. Und der ließ das Urlaubsland Deutschland dann gehörig aufholen. Im Ferienmonat Juli zählten Hotels und Pensionen rund 49,5 Millionen Übernachtungen. Das waren nach Auskunft des statistischen Bundesamts in Wiesbaden vier Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Und im August hat sich der positive Trend fortgesetzt. Ein Sprecher des Hotel- und Gaststättenverbandes kommentierte das so: „Bei schönem Wetter bleibt man eben eher zu Hause, als ans Mittelmeer zu fliegen.“

Griechenland-Comeback

Nach der Krise im vergangenen Jahr startete das Urlaubsland Griechenland in diesem Sommer wieder voll durch. „Die Buchungszahlen wachsen im oberen zweistelligen Bereich“, hatte der Reiseveranstalter Gebeco bereits im März vermeldet. Auf der Akropolis hatte der neue Touristenrekord (die griechische Zentrale für Fremdenverkehr sprach von 11,5 Millionen Touristen) besonders starke Auswirkungen. Archäologin Eleni Stylianou beklagte das „fürchterliche Gedrängel und das stundenlange Schlangestehen bei Temperaturen um die 38 Grad. Ihrer Meinung nach könne die Akropolis nicht mehr als 4000 Besucher auf einmal aushalten. Es habe aber Tage gegeben, an denen 12 000 Touristen gleichzeitig versuchten, sich durch das Nadelöhr der Propyläen, dem Vorhof zur Akropolis, zu drängen.

Ägypten-Absturz

Erst haben sie abgewartet, und dann doch gehandelt. Weil die politischen Unruhen immer wieder aufflackerten und auf die Urlaubsgebiete am Roten Meer überzugreifen drohten, haben die meisten Veranstalter Mitte August Reisen nach Ägypten abgesagt und das Land vorläufig aus dem Porgramm genommen.

Die Veranstalter der Thomas Cook AG (Neckermann Reisen, Thomas Cook, Bucher Last Minute und Öger Tours) sowie die konzerneigene Fluggesellschaft Condor haben ab 30. September wieder Reisen nach Hurghada, Marsa Alam und Sharm El Sheikh angeboten, TUI und Alltours zogen kurz darauf nach. Die Regionen, für die eine Teilreisewarnung gilt (Kairo, Luxor, Assuan), werden nicht in das Programm aufgenommen.

Auf hoher See

Die Katastrophe der Costa Concordia, deren Wrack gerade vor der Insel Giglio aufgerichtet wurde, hat die Begeisterung für Kreuzfahrten nur kurz getrübt. 1,5 Millionen Deutsche verbrachten auch heuer ihren Urlaub an Bord eines Schiffs, drei Viertel davon auf dem Meer. Vorwiegend wurden siebentägige Reisen im Mittelmeer gebucht. Im Durchschnitt gibt ein Passagier 1521 Euro für eine Seereise aus. Das sind die Zahlen der Gesellschaft für Konsumforschung, die Ende September auf der Kreuzfahrtmesse in Hamburg präsentiert wurden. Und auch wenn die Urlaubsform durch jüngere Schiffskonzepte und Bordprogramme inzwischen auch bei Familien zunehmend beliebter wird, sind die Ozeandampfer immer noch fest in der Hand der sogenannten Best Ager ab 50 Jahren. Zwei von drei Passagieren gehören dieser Altersgruppe an.

Mond oder Erde?

Mond oder Erde?

Steigende Mietwagen-Preise

Die Urlauber schätzen zunehmend ihre Unabhängigkeit vor Ort. Ein Mietwagen, zumindest für ein, zwei Tage, muss im Reisebudget drin sein. Dafür aber mussten vor allem Reisende in Italien und Portugal heuer tief in die Tasche greifen. Laut Preisvergleich des Online-Portals billiger-mietwagen.de stieg der Tagesmietpreis am Stiefel um 20,6 Prozent auf 38,15 Euro, an der Algarve um 19,1 Prozent auf 39,65 Euro. In Griechenland lag die durchschnittliche Tagesmiete für einen Leihwagen bei 35,57 Euro, in Spanien bei 28,09 Euro. Sparen konnte in den Sommerferien vor allem, wer seinen Mietwagen früh gebucht hatte. Kurzfristige Buchungen gingen während der Hauptferienzeit vor allem auf Sardinien ins Geld (Tagespreis von 76 Euro statt vorher 30), da die starke Nachfrage auf der Insel für die ansäßigen Vermieter nicht mehr zu bewältigen war. Sie hatten ihre Flotten aufgrund von Finanzierungsproblemen stark verkleinert.

Wo wir am zufriedensten waren

Südtirol, der Schweizer Kanton Graubünden, die österreichischen Bundesländer Tirol und Salzburger Land sowie Bayern hatten, in dieser Reihenfolge, die zufriedensten Urlauber der Sommersaison. Alle fünf kamen beim Online-Portal Holidaycheck auf eine Wiederempfehlungsrate zwischen 95,3 und 90,4 Prozent. Am unzufriedensten waren die Urlauber mit Hotels an der tunesischen Mittelmeerküste bei Monastir. Die Ferienregion erreichte nur 77,2 Prozent bei der Weiterempfehlungsrate. TUI vermeldet, die Gästezufriedenheit sei 2013 so hoch wie nie gewesen und nennt als die drei Top-Ziele mit den wenigsten Reklamationen Ägypten, die Türkei und Portugal.

Christine Hinkofer

Das ist Neu in den Urlaubsländern

ITALIEN Italienische Museen (im Foto oben die Uffizien in Florenz) haben seit diesem Sommer jeden letzten Samstag im Monat bis 24 Uhr geöffnet. Die Probezeit der langen Museumsnacht läuft vorerst bis Ende des Jahres und soll bei guter Resonanz im nächsten Jahr fortgesetzt werden.

NORDSEE In Neuharlingersiel an der niedersächsischen Nordseeküste hat die erste Club-Jugendherberge der Welt eröffnet – mit modernen Appartements, All-inclusive-Verpflegung (auch Kinderbuffet) und Wellness-Einrichtungen wie im Luxushotel. Die Familien-Herbstwoche kostet ab 1149 Euro. Buchung: www.djh-resort.de oder Tel. 04974/914800.

SCHWEIZ Nach 32 Jahren verkehrt wieder ein durchgehender Zug von Zermatt nach St. Moritz. Der Swiss Alps Classic Express erklimmt dabei den 2163 Meter hohen Furka-Pass und schafft es auf 6300 Meter Höhenunterschied während der zwölfstündigen Fahrt vom Wallis ins Engadin. Infos unter der gebührenfreien Nummer 00800/10020030.

BANGKOK Ein wertvolleres Örtchen für kleine und große Geschäfte findet man wohl nirgends auf der Welt. Der Internationale Flughafen in Bangkok hat sieben neue Toiletten bekommen. Sie firmieren unter dem Oberbegriff „Sieben Wunder von Thailand“ und haben angeblich neun Millionen Euro Baukosten verschlungen.

WASHINGTON Führungen durch das Weiße Haus in Washington wurden ab Sommer wegen der Budgetkrise gestrichen. Das dafür benötigte Personal fehlt.

CHINA Um den Naturschutz ist es in der Wirtschaftsmacht China nicht gut bestellt. Umso wichtiger diese beiden neuen Welterbestätten, die die Unesco jetzt in ihre Liste aufgenommen hat: Die Reisterrassen von Honghe in der Provinz Yunnan und das Tianshan-Gebirge im nordwestchinesischen autonomen Gebiet Xinjiang. Das Gebirge, das mit 2450 Kilometern Länge und 400 Kilometern Breite in etwa doppelt so groß ist wie die Alpen, ist der Lebensraum des Schneeleoparden. Man schätzt, dass dort noch etwa 1700 Tiere leben.

Die Top Reiseziele 2013 von Lonely Planet

Die Top-Reiseziele 2013 von Lonely Planet

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.