Raues Land und gute Küche

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Preiswertes Nationalgericht Fabada: kellner Paco serviert dicke weiße Bohnen mit Bauchspeck, Blutwurst und Paprikawurst.

Die nordspanische Provinz Asturien gilt als Geheimtipp für Feinschmecker und Aktivtouristen.

Die meisten Touristen kommen wegen der grandiosen Landschaft nach Asturien – und wegen des Essens. Dreihundertfünfzig Kilometer Küste sind die Heimat von Meeresfrüchten und Fischen, aus dem Hinterland kommen deftige Wurstwaren und Käsesorten. Im Sternerestaurant Real Balneario in Salinas serviert Isaac Loya exzellenten Seehecht (Merluza) in Champagnersoße. Neben Sterneköchen bietet Asturien aber auch reichlich preiswerte Küche. Zum Beispiel in Avilés. In den Lokalen der Altstadt trinkt man das Nationalgetränk der Asturier, einen Apfelwein, der hier Sidra heißt. Genießen kann man ihn zum Beispiel in der Casa Lin, einer typischen Sidreria. Dort werden die Gäste mit der urigen Atmosphäre einer alten Apfelpresse empfangen.

Der Apfelwein wird spektakulär eingegossen: Die Flasche über den Kopf gehalten, plätschert der Strahl in ein großes, dünnwandiges Glas, das mit der anderen Hand in eine tiefe Position gebracht wird. „Man darf beim Einschenken nicht hinsehen, das ist die Regel“, erklärt Kellner Jorge seinen starren Blick. Klar, dass auch einiges daneben geht. Deshalb ist der Kneipenboden mit Sägespänen bedeckt. Nur etwa zwei Finger breit wird der Apfelwein eingegossen und auf ex getrunken. Der Schluck heißt culin, auf Deutsch Ärschlein. Dazu genießt man fangfrische Meeresfrüchte und Fischomelett.

Zauberhafte Altstadt

In der Altstadt von Avilés zeigt sich der morbide Charme des Niedergangs der ehemals prosperierenden Stahl- und Bergbauregion. Aber es gibt auch Neues zu bewundern, etwa das spekatkuläre Kulturzentrum des brasilianischen Stararchitekten Oscar Niemeyer. Ein Besuch des alten Marktes, die Häuser darum allesamt mit historischen Wintergärten ausgestattet mit Blick auf die neue Markthalle, und das mittelalterliche Rathaus an der Plaza sind weitere touristische Anlaufpunkte.

In Oviedo lockt der gut erhaltene Altstadtkern, in dessen verwinkelten Gassen rund um die Kathedrale und den ehemaligen Markt Fontán man in kleinen Läden und Geschäften stöbern kann. Im Feinschmeckerlokal Corrada del Obispo serviert Carlos Martinéz feinste Fisch- und Fleischgerichte sowie ausgezeichnete Weine.

Frische Sardinen

Wilder Atlantik: An der asturischen Küste laden zahlreiche kleine Buchten zum Baden ein.

Asturien ist etwa halb so groß wie Mecklenburg-Vorpommern. Mehr als ein Drittel der Fläche besteht aus landschaftlichen Schutzgebieten und Naturparks, was das Land für Aktivurlauber interessant macht. Grundkenntnisse der spanischen Sprache sind in den ländlichen Gegenden allerdings nützlich. Bislang kommt die Mehrzahl der Touristen aus dem Inland und flieht im Juli und August vor der Hitze. Viele sind auf steilen Gebirgsstraßen mit dem Mountain-Bike unterwegs, wandern und klettern, oder befahren die Gebirgsflüsse mit Kanus. Kulinarische und optische Genüsse verspricht ein Besuch im pittoresken Fischerörtchen Cudillero. Wie ein Ellenbogen, daher der Name, schmiegen sich die kleinen Fischerhäuser an den Hang, die Fensterrahmen in den Farben der Boote gestrichen. Im La Parrada, der ältesten Kneipe an der Mole, bietet Arturo Cuervo frischen Fisch an. Parroches, kleine gegrillte Sardinen, sind dort der Geheimtipp für Gourmets.

Hintergrund: Kulturbauten in Oviedo und Avilés

Der 330 Millionen Euro teure Bau des Centros Niemeyer in Oviedo sieht von weitem aus, als sei ein gigantischer, schneeweißer intergalaktischer Raumkreuzer im Viertel Buenavista gelandet. Wo früher einmal das Fußballstadion von Real Oviedo zwischen ockerfarbenen 70er-Jahre Wohnbauten stand, setzt Stararchitekt Santiago Calatrava auf imposante Skelett-Formen aus Stahl, Glas, Beton und weißem Marmor ins Stadtbild. Auch die eine halbe Autostunde von Oviedo entfernte Küstenstadt Avilés punktet mit der Anziehungskraft von Kultur in moderner Architektur. Ende März eröffnete das Centro Oscar Niemeyer im Industriehafen. Fotogen hebt sich das in der geschwungenen Formensprache des brasilianischen Altmeisters geschaffene Ensemble vor den blakenden Schloten der Industriewerke ab. In nur drei Jahren wurden Auditorium, Museumsdom, Multifunktionsgebäude und ein Aussichtsturm mit verglaster Bar und gastronomisches Labor nach Plänen des 103-jährigen Architekten errichtet.

Reisetipps und Informationen

Beste Reisezeit: September und Oktober

Anreise: Mit dem PKW oder mit dem Flugzeug, z. B. mit Iberia über Madrid, um 330 Euro, www.iberia.com

Vor Ort: Für die Mobilität vor Ort ist ein PKW ratsam.

Übernachten: Hotel BAL, Quintueles, Ctra. Villaviciosa Quintueles N-632. 15 km vom Flughafen Asturias, T 00 34 / 9 85 34 19 97, www.balhotel.com.  Modernes, exklusives Fünf-Sterne-Haus mit exzellenter Küche und Spa. In der Nebensaison besondere Angebote ab 95 Euro für das DZ mit Frühstück.

Casona de la Paca, Calle El Pitu, Cudillero, T 00 34 / 9 85 59 13 03.  Wunderschönes Drei-Sterne-Landhotel, indivuell eingerichtete Zimmer, ab 84 Euro für das DZ mit Frühstück, www.casonadelapaca.com

Restaurants: Corrada del Obispo, Calle Canóniga 18, Oviedo T 00 34 / 9 85 22 00 48 www.lacorradadelobispo.com

Sidrería Casa Lin, Avenida de los Telares 3,  T 00 34 / 9 85 56 48 27 www.sidreriacasalin.com Allgemeine Auskünfte: Spanisches Fremdenverkehrsamt Berlin, T 0 30 / 8 82 65 43, www.spain.info

(Franz Michael Rohm)

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