Bozen

Händler, Fresken und Cobo

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Beliebtester Grünmarkt der Bozener: Der Obstmarkt am westlichen Ende der Laubengasse.

Charmant mit mediterranem Flair: Entdeckungen unter den Bozener Lauben

 

Die Arkadengänge der Laubengasse sind seit über 900 Jahren das Herz der Bozener Altstadt. 360 Meter Länge hatte der Gründer dieses Straßenmarktes, der Bischof von Trient, dafür bestimmt. Der Platz war knapp: Nur vier Meter Breite bekamen die dicht stehenden Häuser. So bauten die Händler bis zu fünfzig Meter in die Länge und gliederten die Hausteile durch Lichthöfe. Im Erdgeschoss wurden die Waren ausgestellt, im hinteren Teil gelagert. Die Wohnräume lagen in den oberen Etagen. An dieser Aufteilung hat sich bis heute wenig geändert. Inzwischen sind die Lauben die schickste Einkaufsmeile Bozens geworden. Immer noch finden sich dort zahlreiche Geschäfte mit langer Tradition.

Einiges zu entdecken gibt es bei den Kurzwaren und Accessoires der Therese Gasser (Laubengasse 53). Oft drängen sich die Stammgäste in ihrem kleinen herrlich altmodischen Laden. Knöpfe, Fäden, Reißverschlüsse, Borten so weit das Auge reicht. Schräg gegenüber (Laubengasse 60) führt in einem Haus aus dem 12. Jahr-hundert die alteingesessene Familie Rizzolli seit 1870 ihre Manufaktur für Filz- und Lederwaren. Zur Stammkundschaft zählen zahlreiche Trachtenkapellen. In der eigenen Werkstatt entstehen die unterschiedlichsten Trachtenhüte. Doch auch der mit einem eleganten Glasdach geschützte historische Lichthof mit alter Bausubstanz lohnt den Besuch.

Luis Trenker liebte den Bozener Loden

In der Laubengasse 67, in einem der ältesten Stadthäuser, gibt es bei Oberrauch Zitt den Original Bozener Loden. Dessen Geschichte begann hier vor über 150 Jahren. Bereits in fünfter Generation führt das Geschäft die größte Auswahl an Trachtenmode in Südtirol. Ein berühmter Kunde war Luis Trenker. Bei Umbauten der Innenräume wurden die ältesten Bozener Profanfresken entdeckt. Man kann sie gut von einer Stahlbrücke aus betrachten.

Schöne Fresken finden sich auch in Bozens ältester Apotheke „Zur Madonna“ (Laubengasse 17). Schon im 15. Jahrhundert gegründet, ist sie in vierter Generation im Besitz der Familie Liebl. Im Verkaufsraum sind viele altertümliche Mörser, Instrumente und Bücher zu besichtigen. Manche historische Gefäße für Salben und Tinkturen sind noch in Gebrauch. Die Inneneinrichtung aus dem 19. Jahrhundert stammt von der berühmten Holzschnitzerschule St. Ulrich in Gröden.

Am Anfang der Laubengasse verkauft die Familie Tschager in einem viele Jahrhunderte alten Haus anspruchsvolles Kunsthandwerk. Berühmt sind die Krippenfiguren aus der eigenen Werkstatt. Der 34-jährige Sohn Manuel hat sich als Bildhauer mit christlichen und profanen Plastiken einen Namen gemacht. Samstags ist er im Geschäft, sonst arbeitet er im sechsten Stock in seinem Atelier – mit Nordlicht und herrlichem Blick auf den Rosengarten.

Nach dem Bummel durch die Laubengasse trifft man sich um die Ecke in der Streitergasse bei „Cobo“ – seit Jahren die angesagteste Freiluftkneipe der Stadt. Ein paar Schirme schützen gegen Sonne oder Regen. Cobo ist Veroneser und heißt eigentlich Rino Zullo. Er ist Weltenbummler, Maler und Gastronom. Sein Standardgetränk: Aperol mit Weißwein. Dazu gibt es Bruschetta.

Von Norbert Linz

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