Durch die Urwaldwipfel radeln

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In den Baumkronen schweben: Das Tempo bestimmt beim Baumkronenradeln jeder selbst. Die Drahtseile sind superstark, doch um sie nicht übermäßig zu belasten, darf jeder Teilabschnitt nur von einem Baumrad befahren werden.

Orlando in Florida, die „Ferienhauptstadt der USA“ ist weltbekannt für ihre Freizeitparks. Ringsherum sorgt Floridas Wildnis für echte Naturabenteuer – vom Flug über Alligatoren-Sümpfe bis zum Bad mit Seekühen.

Die allerersten Meter sind noch etwas zaghaft. Doch es geht viel leichter als gedacht, und obendrein ist es bequem: Fahrrad fahren, fast im Liegen, ohne auf Verkehr zu achten. Auch Wurzeln, schlechte Wege, Holpersteine sind für diesen Waldausflug per Rad kein Thema. Denn statt am Boden fährt man durch die Luft. Canopy Cycling – Baumkronenradeln – heißt das Vergnügen, das die Erlebnis-Ökofarm „Forever Florida“ in St. Cloud seit kurzem ihren Gästen bietet.

Nur eine Autostunde von Downtown Orlando mit Riesen-Freizeitparks wie Disney’s Hollywood- und Universal Studios und unzähligen anderen lockt die Wildnis Floridas und lädt hightech-müde Rummelplatzbesucher zu einzigartigen Naturabenteuern ein.

Nach dem ersten Wackel-Stück über sandigen Boden wird der Tritt in die Pedalen schon etwas fester. Die Kette schnurrt, trägt die Kraft nach oben und zieht den Baumradler samt Gefährt per Seilwinde hinauf zu den Kronen der Kiefern, Palmen und Zypressen. Und los geht die Fahrradtour mitten durch die oberste Etage des Urwalds von Florida.

Direkter Blick in die Nester

Immer wieder bleibt man stehen, um den grünen Waldblick aus der Vogelperspektive zu genießen. Als hätten sie hier oben keine Angst vor Menschen, bauen Vögel ihre Nester so nahe an den „Radweg“, das man beim Vorbeifahren hineinschauen kann.

Jedes Rascheln, jeder Laut lenkt die Augen in das Gewirr aus Stämmen, Ästen, Blättern, Wurzeln. Durch das Dickicht funkeln klare Wasserläufe und die schwarzen Spiegel schlammiger Tümpel. Spektakulär ist der Auftritt eines ausgewachsenen Alligators, der es sich fünf Meter unter den Füßen der Wipfel-Radler im Morast bequem gemacht hat. Obwohl in Orlandos Reptilien-Erlebnis-Zoo Gatorland zuhauf gesehen, fasziniert das wilde Tier in Freiheit völlig neu und noch viel mehr als die sicher verwahrten Verwandten.

Fotos: Naturabenteuer in Florida

Fotogalerie: Naturabenteuer in Florida

Für noch mehr Abenteuer direkt in Orlando sorgt ein Besuch im Themenpark Disney’s Animal Kingdom. Wer dort einen „Wild Africa Trek“ bucht, kommt – stets angeleint oder anderweitig gut gesichert – Respekt einflößenden Schnauzen und Klauen recht nah. Zu den wohl aufregendsten Momenten der dreistündigen Action-Safari zählt der Gang über eine Hängebrücke. Da etliche Bodenbretter der absichtlich auf „baufällig“ gestylten Wackelkonstruktion fehlen, sind die darunter liegenden Krokodile sehr gut zu erkennen. Aber auch das Füttern der Flusspferde, denen man quasi über dem riesigen Maul hängt, ist eine adrenalinhaltige Beschäftigung.

Ganz andere Aufregung vermittelt die Begegnung mit den an den Küsten Floridas beheimateten Karibik-Manatis – wegen ihrer massigen, rundlichen Körper und ihrer Gutmütigkeit auch Seekühe genannt. Im Spätherbst und Winter lassen sie sich im Blue Spring State Park bei Orange City in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten.

Bereits vom Ufer des St. John’s River sind die friedlichen Wasserbewohner, die wie Wale zu den Höheren Säugetieren zählen, zu sehen. Vom Kayak aus kommt man ihnen näher. Auf dem ersten Wegstück zwischen Bucht und Fluss ist den Paddlern etwas mulmig. Denn wer hier kentert, könnte leicht als Reptilienmahlzeit enden.

Im Wasser mit den Manatis

Nach dem Passieren einer Schutzschleuse, die besonders die Kälber der Seekühe vor fressgierigen Feinden bewahren soll, zeigt sich die Bootsbesatzung viel entspannter. Im Nu ist man umringt von den sanften, überwiegend stummen Wesen. Wenn sie alle paar Minuten ihre dicken Nasen zum Atmen aus dem Wasser stecken, kann man in ihre schwarzen Hundeaugen blicken. Wer selber in den Fluss steigt und sich ihren langsamen Schwimmbewegungen anpasst, wird von den faszinierenden Tieren mit Momenten voller Harmonie und Schönheit belohnt.





Reisetipps und Informationen

Informationen zu allen Parks sowie allgemeine Auskünfte unter www.VisitOrlando.com/de
Anreise: Nonstop mit Lufthansa ab Frankfurt (der Flug dauert 10,5 Stunden), mit United Airlines, Delta Air Lines, British Airways u. a. jeweils mit einem Stopp. Klima und Reisezeit: Das tropisch feuchte Orlando ist ein ganzjähriges Reiseziel mit durchgehend warmen Temperaturen, von Mai bis Oktober mit bis zu 29 Grad Celsius.
Unterkunft: In und um Orlando gibt es 440 Hotels mit mehr als 115 000 Zimmern. Für kurzfristige Hotelreservierung vor Ort: Official Visitor Center beim Gala Center, 8723 International Drive, Suite 101. Geöffnet täglich außer am 25.12. von 8.30 bis 18.30 Uhr, T 407 / 363 / 58 72. 
Parks und Aktivitäten: Die Wallaby Ranch in Davenport bietet Drachenfliegen (www.wallaby.com), die Erlebnis-Ökofarm „Forever Florida“ Cypress Canopy Cycle (Baumfahrrad), Wald-Achterbahn (Extrem-Ziplining) und Reiten (www.floridaecosafaris.com). Im Blue Spring State Park in Orange City kann man mit Seekühen schwimmen oder sie beim Paddeln aus nächster Nähe bebachten (www.floridastateparks.org/bluespring), eine weitläufige Ranch per Monster-Truck erkunden und danach selber Zitrusfrüchte ernten bei „Showcase of Citrus“ in Clermont (www.showcaseofcitrus.com). Naturabenteuer direkt in Orlando gibt es im Echsen-Action-Zoo Gatorland (www.gatorland.com), in den Maritim-Parks Discovery Cove (www.discoverycove.com) und SeaWorld (www.seaworldorlando.com) oder in Disney’s Animal Kingdom (www.disneyworld.disney.go.com/parks/animal-kingdom) zu erleben.
Nicht verpassen: eine Fahrt mit „Boggy Creek Airboat Rides“ durch die Everglades (www.bcairboats.com).

Von Carsten Heinke

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