Zehn Jahre nach dem Hurrikan Katrina

New Orleans - the big easy is back

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Rückkehr der Leichtigkeit: Zehn Jahre nach dem Hurrikan Katrina feiert New Orleans ein Comeback

Zehn Jahre nach Hurrikan Katrina feiert New Orleans ein Comeback. Die Stadt am Mississippi fasziniert ihre Gäste wieder mit exzellenter Küche, heißem Jazz und quirliger Partyatmosphäre.

Inmitten des schrillen Trubels auf der Bourbon Street, der berühmtesten Meile von Big Easy, wie die Einheimischen ihre Stadt liebevoll nennen, stehen die Menschen und staunen. Bläulich-weiße LEDs beleuchten blankpolierte Harley Dividson Motorräder wie einen Altar. Wie einst Peter Fonda und Dennis Hopper, die Archetypen des rebellischen Amerika aus dem Film „Easy Rider“, starren die Biker cool über ihre Lenker und schreien aus stählernen Auspuffrohren das verruchte Motto des Amüsierviertels French Quarter in die Nacht: Anything goes. Drei angeheiterte Ladies bekunden lautstark ihre Begeisterung. Kurz darauf legen sie mit einem der Biker ein laszives Tänzchen auf den Asphalt. Freitagnachts ist die Bourbon Street so etwas wie die Endstation Sehnsucht für feierwütige Touristen aus Amerika und dem Rest der Welt.

Das French Quarter war kaum betroffen

Zehn Jahre nach dem verheereden Sturm, der mehr als 1600 Menschenleben forderte, präsentiert sich die Stadt lebendiger denn je. Das große Glück von New Orleans war, dass das French Quarter kaum überflutet worden war. Das alte Viertel, le Vieux Carré, das heute zwischen sieben Quer- und dreizehn Längsstraßen das French Quarter umfasst, wurde Anfang des 18. Jahrhunderts auf den höher gelegenen Uferstellen des Mississippi erbaut, dort wo die Choctow-Indianer ihren Markt hielten. Deshalb blieb es von den Überschwemmungen von Katrina verschont, genauso wie das Nobelviertel Garden District mit seinen malerischen Südstaaten-Villen. Der unter der Wasserlinie zwischen Fluss und dem See Lake Pontchartrain gelegene Rest der Stadt stand mehrere Wochen bis zu dreieinhalb Metern unter Wasser.

Zehntausende freiwillige Helfer und ebensoviele Bauarbeiter haben die Stadt wieder aufgebaut. Im vergangenen Jahr wurden die Touristenzahlen des Jahres vor Katrina wieder erreicht – rund zehn Millionen Gäste besuchten die Stadt. Und die wollen vor allem eines: Nacht für Nacht ausgelassen feiern.

Töne schlürfen an jeder Ecke

Am zentralen Jackson Square im French Quarter spielen Dutzende der rund zehntausend Musiker von New Orleans Jazztraditionals wie „What a wonderful world“ und hoffen auf ein Trinkgeld. An dem pittoresken Platz mit der dreischiffigen St. Louis Cathedral lohnt ein Abstecher in das Katrina-Museum direkt nebenan. Hunderttausende haben das zerstörte Piano von Fats Domino betrachtet, das die Fluten in seinem Haus im Lower Ninth Ward zu einem Haufen Holz, Tasten und Saiten zusammenschoben.

Neues Leben in alten Vierteln

New Orleans - zehn Jahre nach Hurrikan Katrina

Rund um den Jackson Square finden sich viele Boutiquen, Galerien und Cafés. Wer die trendigen und preiswerteren Geschäfte sucht, geht weiter Richtung Osten zur Esplanade Street in die neuen Szenevierteln Faubourg Marigny und Bywater. Hier hat sich eine Alternativkultur mit preiswerten Bistros, Clubs, Hinterhofmärkten und Vintage-Mode etabliert. Zurück im French Quarter geht es auf die Promenade des Ol’ man river, wo mehrmals täglich der restaurierte Schaufelraddampfer „Natchez“ das Wasser des Mississippi aufwühlt. Vor Sonnenuntergang lohnt sich noch eine kleine Shoppingtour im ersten innerstädtischen Outlet-Center im Süden der USA, dem Riverwalk Center.

Reisetipps und Informationen

Beste Reisezeit: September bis Mai, subtropisches Klima mit schwülen Sommern und überwiegend milden Wintern.

Informationen: Fremdenverkehrsamt New Orleans & Louisiana, Wiechmann Tourism Service, Scheidswaldstr. 73, 60385 Frankfurt, Tel. 0 69 / 25 53 82 70, www.neworleans.de
Schlafen: 

• The Burgundy B & B, 2513 Burgundy Street, sauberes Bed & Breakfast, Tel. 001/504/523372, ab 105 US$ je Doppelzimmer, www.theburgundy.com;
• Hotel Maison De Ville, 727 Toulouse Street, ab 150 US $, Tel. 001/504/3244888, www.maisondeville.com;
Touren:
• Historic New Orleans Walking Tours, Tel.  0 01/ 5 04 / 9 47 21 20, www.tourneworleans.com
• Sümpfe und Alligatoren: Jean Lafitte Tour, Tel. 0 01/5 04 / 6 89 41 86, www.jeanlafitteswamptour.com
Musik:
• Preservation Hall, Dixiland-Klassiker mit eigener Band, 726 St.Peters, unbedingt reservieren! Tel. 0 01 / 5 04 / 5 22 28 41, www.preservation-hall.com
• Spotted Cat, 623 Frenchmen Street, Brass, traditioneller und moderner Jazz, www.spottedcatmusicclub.com

Am 29. August 2005 traf Hurrikan Katrina zwanzig Meilen östlich von New Orleans auf Land. Zwei Tage vorher hatte der Bürgermeister der Stadt die Evakuierung der Stadt befohlen. Mehr als 100 000 Menschen von rund 480 000 Einwohnern blieben in der Stadt. Am frühen Montagmorgen drückten Windgeschwindigkeiten bis zu 200 Stundenkilometer eine zehn Meter hohe Flutwelle über den Golf von Mexiko in den Inlandsee Lake Pontchartrain und von dort in die Kanäle der Stadt. Rund 50 der vom Army Corps of Engineers schlecht gebauten Dämme und Deiche brachen, dabei überfluteten achtzig Prozent der Stadt. In New Orleans kamen mehr als 1.600 Menschen ums Leben, die Hälfte der Häuser war unbewohnbar. Die Schäden werden heute mit rund 130 Milliarden Euro beziffert. 2014 zählte New Orleans wieder mehr als 350 000 Einwohner.

Von Franz Michael Rohm

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