Louisiana: Multi-Kulti am Mississippi

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Buntes Leben am Mississippi: In New Orleans spielt die Musik.

New Orleans in Louisiana: Südstaatenflair am Mississippi und Buntes in den Töpfen.

Frösche gegen Zikaden. Von der Veranda des Gästehauses aus ist es schwer auszumachen, wer bei diesem typischen Dämmerungskonzert im subtropischen Lousiana akustisch die Oberhand besitzt. Die Luft ist schwül, aber nicht so bleiern und dampfend wie im Sommer. Das Haupthaus der „Oak Tree Plantage“ ist bis auf die Umrisse bereits abgetaucht. Klassischer Südstaatenstil: Säulen, die den Balkon tragen, der die Veranda beschattet - alles sandfarben. Die Zufahrt säumen 28 knorrige Eichen, Namensgeber des Anwesens, das mit seiner Allee und dem klassischen Ante Bellum Baustil aus der großen Zeit des Südens zu einem der beliebtesten Fotomotiven in den USA gehört. Ein schweigendes Zeugnis von Herrschaft und dem Reichtum, der zwischen New Orleans und Natchez am Unterlauf des Mississippi mit Baumwolle und Zucker angehäuft wurde.

Buntes Leben am Mississippi: In New Orleans spielt die Musik.

Angehäuft von Sklaven: Zeitweilig schufteten auf der „Oak Tree Plantage“mehr als 400 von ihnen. Sie rodeten Felder und pflanzten Zuckerrohr, den sie später abschlagen mussten. Der Dienst im Haus der Herrschaft war schon ein Privileg. Heute streifen Touristen vorbei an den erhaltenen und zur Betrachtung gepflegten Zeugnissen dieser dunklen Seite der amerikanischen Geschichte. Es muss wohl so sein, dass man hier im Süden diese Zeit immer noch etwas verklärt sieht. Während der Führung durch die einfachen Behausungen der Sklaven fällt nicht nur einmal der Hinweis, dass auf dieser Plantage doch gut für sie gesorgt wurde. Die herrschaftlichen Räume mit viktorianischem Gestühl und dem glänzenden Parkett lassen dann ahnen, wie viel Schweiß und Schwielen Generationen von schwarzen „Bediensteten“ hier beim Wienern ließen.

Buntes Leben am Mississippi: In New Orleans spielt die Musik.

Louisiana war im Bürgerkrieg Mitglied der Konföderation der Südstaaten. Mit der Niederlage brach die alte Ordnung auseinander: Sklaven strömten zu Tausenden auf der Suche nach Arbeit in die Städte. Mit den Franzosen, Spaniern, Indianern, den Schwarzen aus der Karibik und den deutschen und britischen Glücksrittern, die der Mississippi oder das Meer hier anlandeten, entstand eine vitale, bunter Mischung. Echtes Multi-Kulti, das Sprache, Küche und Lebensgewohnheiten durchquirlte und veränderte.

 Die Cajun-Küche mit dem Eintopf Gumbo oder dem Reisgericht Jambalaya war ursprünglich die einfache Küche der französischen Einwanderer. Feiner ausgeprägt lockt die kreolische Küche mit Crayfish Cardinal (Krebs mit Cognacsauce), mit Oysters Rockefeller (überbackene Austern) oder Beignets (einer Art Krapfen). Im „Red Fish Grill“ am unteren Ende der Bourbon Street in New Orleans ist Paul mit Vorbereitungen für den abendlichen Ansturm der Besucher beschäftigt. Big Easy, wie sich die Stadt gern nennt, hat die Folgen des Hurricanes Katrina auch nach zehn Jahren noch nicht in Gänze überwunden, aber der Wille und Elan, alles dafür zu tun, ist überall zu spüren. Und die Touristen halten der Stadt die Treue. Durch die Hände des „Oyster Chuckers“ Paul gehen täglich Hunderte von Austern. Hilflos sind sie seinem geschickten Griff ausgeliefert, der mit routinierter Mühelosigkeit die Schalen aufhebelt. Kurz das Messer an der richtigen Stelle angesetzt, ein leichtes Knirschen und schon zeigt sich die Auster in ihrer ganzen Pracht. Natürlich kann man sie ganz einfach mit ein paar Zitronenspritzern schlürfen. Doch der wahre Hochgenuss liegt in der gekonnten Zubereitung. Unvergesslich die fritierte goldgelbe Variante mit einer köstlichen Blue Cheese Cream on Top.

Die Nächte sind nirgendwo in den USA – abgesehen von Las Vegas vielleicht – länger als in New Orleans. Die Bourbon Street als der Kern des ganzjährigen Karnevals mag nicht schlafen. Tanzen, Trinken, Träumen haben immer Saison. Draußen dämmert es langsam und die restliche Stadt erwacht bald. New Orleans fängt wieder an zu leben. Jeden Tag aufs neue.

Reisetipps

New Orleans gehört zu den wenigen Städten in den USA, die man mühelos zu Fuß erkunden kann. Als Ausgangspunkt bietet das schicke Boutiquehotel „Mazarin“ nur wenige Gehminuten vom French Quarter elegantes Ambiente und ein reichhaltiges Frühstück in einem kleinen Innenhof. www.hotelmazarin.com

Leckerer dunkel gerösteter Kaffee mit einem köstlichen und ganz frischen Beignet gibt es im Cafe du Monde www.cafedumonde.com

Seit weit über 170 Jahren im Familienbesitz, bietet „Antoine's Restaurant “ leckere Spezialitäten der französisch-kreolischen Küche, deren Rezepte bis heute leider top secret bleiben. www.Antoines.com

Allgemeine Informationen:
www.neworleansvb.com

www.neworleans.de

www.lousianatravel.de

Von Solveig Grewe

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