Modernes Märchen aus alter Zeit

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Kunst am Bau: Das Forum Confluentes soll als Koblenz’ neue Mitte sein.

Interaktives Museum: Im Koblenzer „Romanticum“ gilt es den Mittelrhein neu zu erfahren

Warum ist es am Rhein so schön? Eigentlich logisch, dass da als erste Antwort der Wein und die Speisen der Region firmieren. Das soeben eröffnete „Romanticum“ im nagelneuen Koblenzer „Forum Confluentes“ widmet sich dem Mittelrhein-Gebiet. Sehr modern, einfallsreich und vor allem: interaktiv.

Renate Kottal aus dem nahen Lahnstein gefällt’s. Ganz entspannt liegt die ältere Dame im Ohrensessel und lässt sich von Dichtern deren Sicht auf die Region darbieten. Ihr gegenüber ist jene erste Station, wo man Informationen über den Weinanbau und die Sektkelterei sowie traditionelle Rezepte abrufen und auf einem Chip auf seiner Eintrittskarte speichern kann. Hat sie das schon ausprobiert? „Nein, aber das werde ich gleich versuchen. Das ist eine gute Idee, dass man etwas von der Ausstellung mit nach Hause nehmen kann.“

Sogar selbst Produziertes: Von Freunden erstellte Scherenschnitte etwa oder eigene Gesangsversionen des Loreley-Liedes. Das „Studio“ ist in Sepia-Tönen gehalten und versetzt einen in die Anfänge der Tontechnik zurück; wer nicht selbst singen mag, kann sich berühmte Versionen des Liedes anhören.

 Im Hauptraum des 800 Quadratmeter großen Museums wird man von Lord Byron begrüßt, der als einer der vielen Briten von der wilden Romantik am Rhein fasziniert war. Vor ihm eine Pappmaché-Kulisse der Landschaft. Mithilfe von „Suchscheinwerfern“ kann man die reale Geschichte einzelner Burgen, aber auch viele Sagen abrufen.

Im „Schiffladeraum“ erzählen reale Menschen aus der Region, auf was man bei Exkursionen durch die Landschaft achten sollte, während ein älterer Koblenzer im „Bootsstand“ eines Rheindampfers von seinen Erlebnissen zu Wasser berichtet. Er wurde allerdings synchronisiert, weiß Stadtführer Hartmut Hager. „Sonst hätten Sie ihn wohl nicht verstanden.“

Die Ausstellung findet bei allen, die man darauf anspricht, große Zustimmung. Anders sieht es mit dem Gebäude des „Forum Confluentes“ aus, erbaut von einem deutsch-niederländischen Architektenteam. Den gesichtslosen Bauten aus den 60er-Jahren, die dafür weichen mussten, trauert niemand hinterher, wohl aber gibt es die Kritik, dass die Architektur von außen zu klotzig wirkt und sie das Ziel, die Altstadt mit dem neueren Teil Koblenz’ zu verbinden, nicht erreicht.

Innen aber beeindruckt Helligkeit und Offenheit und das „Kulturcafé“ direkt am Eingang bestätigt die These des hohen Stellenwerts der kulinarischen Kultur im Rheinland. Die Gemälde-Galerie Mittelrhein-Museum wirkt ebenso großzügig eingepasst wie die Stadtbibliothek, in der auch Nicht-Nutzer unbedingt einmal mit der Rolltreppe nach oben fahren sollten. Und die für alle öffentliche Dachterrasse ist der Tipp zum Entspannen nach Museums- und Stadtbesuch.

Info:

Romanticum im Forum Confluentes, Zentralplatz 1, Koblenz,

geöffnet täglich von 10 bis 18 Uhr,

Eintritt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro.

www.romanticum.de

Von Beate Baum

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