Fluchtpunkt Santa Catalina

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Das Kleinod des Kaugummi-Königs: Auf Santa Catalina und in der Inselhauptstadt Avalon scheint die Zeit stehengeblieben zu sein.

Die kalifornische Ferieninsel Santa Catalina war früher das Traumziel der Hollywood-Stars. Gary Grant und Rock Hudson, die Bacall und der Bogard - alles was in Hollywood Rang und Namen hatte, kam hierher. Heute sind es Nicolas Cage, Barbra Streisand und Goldie Hawn, die das Eiland lieben.

Fotogalerie: Santa Catalina - die Insel der Stars

Sie sprechen immer noch von Cary Grant und Rock Hudson, die lange tot sind und früher Stammgäste waren. Von Doris Day, die eine Ewigkeit nicht mehr hier war. An sie erinnern sich die Einheimischen gerne, wenn sie unter den Königspalmen an der Pazifik-Promenade ins Plaudern geraten.

Danach kam lange nichts, Catalina Island war bei den Stars auf einmal in Vergessenheit geraten. Warum, wusste keiner so genau. Dabei ist die Insel der Küste von Los Angeles nur zwölf Meilen vorgelagert. Das sind nur gerade mal fünfzehn Minuten mit dem Linien-Helikopter, knapp 65 mit dem Passagier-Katamaran, der in der Hochsaison in jede Richtung bis zu neunmal am Tag fährt.

Warum jetzt plötzlich wieder alle hinwollen, weiß auch keiner so genau: Vielleicht weil die Strände der Insel schön und meist einsam sind, weil im Hinterland ein paar hundert Bisons weiden, Adler am Himmel ihre Kreise ziehen, die Insel unter strengem Naturschutz steht. Wahrscheinlich, weil William Wrigley junior hier vor bald hundert Jahren die Zeit angehalten hat.

Alles begann im Jahr 1919, als der Kaugummi-Milliardär die Insel auf die Landkarte hob, nachdem er binnen kürzester Zeit fast das gesamte Eiland aufgekauft hatte, erste Hotels bauen ließ und der Inselhauptstadt Avalon ein Art-Deco-Gebäude, das so genannte „Casino“, mit riesigem Kino und dem größten Ballsaal seiner Zeit schenkte – ohne jedoch das Hinterland des Mini-Städtchens anzutasten. Ein junger Radiomoderator, der noch nichts von seiner künftigen Schauspielerkarriere ahnte, führte damals als Conferencier durch manchen der glanzvollen Ball-Abende mit den berühmtesten Big Bands dieser Zeit. Sein Name: Ronald Reagan.

Wo Bogart und die Bacall feierten

Die Stars aus Hollywood kamen zum Feiern und Tanzen herüber. Sie brachten den Glamour mit. Manche blieben gleich für ihren nächsten Dreh. Von Bogart bis Bacall, von Errol Flynn bis Gloria Swanson: Sie waren alle da – zum Feiern wie zum Arbeiten.

In den 1970er-Jahren, Catalina war längst aus dem Fokus geraten, brachte die Wrigley-Familie 88 Prozent ihrer Privatinsel in eine Naturschutz-Stiftung ein. Außerhalb Avalons sieht es deshalb noch heute so aus wie auf dem kalifornische Festland vor 150, vor 200, sogar vor 250 Jahren: schönstes Cowboy- und Indianerland in Cinemascope – Prärie, grasüberzogene Hügel, ein paar Kakteen, ein paar Dutzend Bisons zwischen den Bergen. Einer davon schaut diesen Morgen als wollte er zu den Wanderern sagen „Was wollt ihr denn hier?“. Trails gibt es dort, durch Eucalypthushaine und Halbwüsten, mit agaven- und palmengesäumten Stränden, mit Steilküsten und windgezausten Bergkuppen. Und am Himmel ziehen Adler ihre Bahnen.

Das hat sich inzwischen auch bis Hollywood herumgesprochen: Die Film-Stars der Gegenwart kommen wieder. Aber um das Schicksal nicht herauszufordern, sprechen die Einheimischem lieber nicht über sie: über Barbra Streisand, die hier regelmäßig in einer Pension in den Hügeln oberhalb der 3900-Einwohner-Inselhauptstadt Avalon absteigt. Oder über Nicolas Cage, Goldie Hawn, Steve Martin. Auch nicht über Spielberg. Ein bisschen ist es so, als wolle Catalina Island nun das letzte Geheimnis Kaliforniens zu sein.

Hintergrund

Auf Catalina zuhause Caroline Alderdice wohnt seit 20 Jahren auf ihrem Segelboot im Hafen der kleinen Inselhauptstadt Avalon. Was den Liegeplatz so besonders macht? „Wir haben hier fast keine Stege“, erzählt sie. „Wer an Land will, muss ein Dingi zu Wasser lassen oder das schwimmende Taxi, das Shoreboat, rufen“ – obwohl es keine 50 Meter bis zum Strand sind. „Das gibt einem das Gefühl, abseits von allem Rummel und gleichzeitig die Gewissheit, bei Bedarf keine fünf Minuten später mittendrin zu sein.“ Außerdem sind die wechselnden Liegeplatz-Nachbarn spannend: Tagesausflügler aus L.A., Weltumsegler auf Durchreise, Hochseefischer – und neulich erst Hollywood-Star Nicolas Cage. „Guter Typ“, findet sie. „Völlig natürlich. Der grüßt total nett.“ Beim nächsten Besuch will sie ihn auf einen Kaffee an Bord einladen. Schließlich ist man unter Seglern. Und in den Gewässern von Catalina.

Reisetipps

Anreise: Flug mit Lufthansa (www.lufthansa.com) täglich ab Frankfurt nach Los Angeles ab rund 700 Euro. Überfahrt mit Katamaran-Fähren von Catalina Express (www.catalinaexpress.com) für umgerechnet rd. 45 Euro nach Avalon.

Übernachtung: z.B. im Hotel „Aurora“ (www.auroracatalina.com) ab rund 120 Euro. Weitere

Infos:

• Catalina Chamber of Commerce&Visitors Bureau. T 0 01 / 3 10 / 5 10 / 15 20, www.catalinachamber.com

• California Tourism, www.visitcalifornia.de

Von Helge Sobik

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