Bummel durch Little India

Singapur im Farbenrausch

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Im Einkaufsfieber: In den Shops in Little India findet man jede Menge kunterbunte Reisesouvenirs.

Die asiatische Millionen-Metropole Singapur steht für Modernität, Hightech und Ordnung. Doch im indischen Viertel erlebt man ein liebenswertes Chaos, vollgestopfte Läden mit kunterbunter Ware und das friedliche Nebeneinander der Religionen. 

Von Bernd Schiller Die Sonne knallt gnadenlos in die Gassen des indischen Viertels in Singapur. Morgens um zehn steht sie längst senkrecht am Firmament. Singapur liegt gerade mal 60 Kilometer vom Äquator entfernt. Eine dunkle Wolke hängt plötzlich über der Stadt, wo noch vor einer Minute ein stahlblauer Himmel zu sehen war. Es fängt an zu tröpfeln, zu regnen, zu schütten. Die Welt geht unter. Alles sucht Schutz unter Markisen oder Arkaden. Zehn Minuten später ist der Spuk vorbei; die Straße und der Gehweg sind schon wieder trocken.

Wir haben uns in den Veeramakaliamman-Tempel geflüchtet, wo uns Kali, die Gattin des großen Shiva, in ihrer Schreckensversion die Zunge zeigt. Als blutrünstige Kämpferin gegen alles Böse wird sie dargestellt, aber unter dem selben Dach auch als liebevolle Mutter des elefantenköpfigen Ganesha.

Weit entrückt scheinen auf einmal die Wolkenkratzer des Bankenviertels, Welten entfernt auch die Quais am Singapore River, wo sich allabendlich die Anzugträger zum Feierabendbier treffen. Hier in Little India herrschen Vishnu, etwa im Sri Perumal Tempel, Buddha, zum Beispiel im Shakyamuni-Tempel. Und nicht zuletzt Allah in den diversen Moscheen der islamisch orientierten Inder, die sich hier mit ihren Hindu-Landsleuten besser verstehen als in der alten Heimat.

Vorhin, im Tekka-Markt, habe ich Danny Lorenzo getroffen, einen Singapurer, wie er typischer nicht sein könnte: Indische und portugiesische Vorfahren in Goa, ein bisschen Malaysia im Blut, vielleicht auch China, so genau wollte es Danny, der seit Jahren deutschen Touristen sein Singapur zeigt, nie wissen. Im Tekka-Markt lebt noch ein Stück alter Orient in dieser Stadt, die sonst eher für Hightech und Hygiene steht.

Einkaufswonnen und kulinarische Vielfalt

Wer abgetrennten Schafsköpfen nicht in die Augen schauen mag und stechende Gerüche nach Blut und Innereien nicht unbedingt haben muss fühlt sich im Einkaufszentrum Little India Arcades wohler. Dort wühlen wir in feinster Seide, Meterware für die Daheimgebliebenen. Es wird eng werden mit dem Gepäck. Also folgen wir einem Tipp von Danny und kaufen ein paar Schrittte weiter bei Mustafa einen Schalenkoffer und einen Rucksack für zusammen rund 30 Euro. Nur das Gewicht des Gepäcks sollte man im Blick behalten, sonst werden die Schnäppchen aus Little India wegen der Gebühren, die die Fluggesellschaften mittlerweile für Übergepäck erheben, schnell zum teuren Spaß.

Zeit für einen Imbiss. Die Wahl fällt schwer in diesem Viertel, das alle Küchenrichtungen Indiens beherbergt, von den milch- und fleischreichen Menüs der Moghulküche über die süßen und stark vom Islam geprägten Speisen aus Bengalen bis hin zur höllisch scharfen Tropenküche des Südens. Dannys Erfahrungen geben den Ausschlag, wir löschen erst den Durst mit einem salzigen Lassi-Getränk in Maggis Beer Garden.

Gutes vom Bananenblatt

Am nächsten Tag wollen wir einen Blick in eine der Moscheen werfen, die aus dem Viertel ragen. Die prächtige Abdul Gafoor aus dem Jahr 1907 zum Beispiel, eine Mischung aus nord- und südindischem Baustil. Oder auf die schönen alten Häuser an der Kerbau Road. Kerbau, aus dem Malaiischen, bedeutet Büffel und erinnert daran, dass hier noch bis um 1930 herum das Vieh weidete. Und essen sollten wir morgen mal lecker vom Bananenblatt, so wie es die Inder im Viertel tun, etwa im Restaurant Banana Leaf, das diese Sitte schon in seinem Namen ankündigt.

Von Bernd Schiller

Service

Flüge:  Nonstop von Frankfurt mit Singapore Airlines (www.singaporeair.com) oder mit Emirates, Ethihad und Oman Airlines, jeweils mit Zwischenlandung am Arabischen Golf. Für Australien-, Neuseeland- oder Bali-Touristen ist Singapur das ideale Stopover-Ziel.
Klima:  Ganzjährig feuchtheiß, um die 30 Grad; von April bis September etwas trockener als im regenreichen Winterhalbjahr.
Reisetipps: Individuelle Kombinationen mit den Nachbarländern Malaysia oder Indonesien u.a. bei den Asien-Spezialisten Geoplan in Berlin, www.geoplan-reisen.de und Lotus Travel in München, www.lotus- travel.com.
Informationen: Singapore Tourism Board: www.yoursingapore.com (englisch) oder, sehr informativ und in deutsch www.erlebe-singapur.de

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