Das Wandern ist des Müllers Lust

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Unter Denkmalschutz: Man geht davon aus, dass die Grundmauern der Wassermühle in Bergkirchen aus dem Jahr 1618 stammen. Sie wurde Anfang der achtziger Jahre restauriert und sieht heute wieder so aus wie Ende des 18. Jahrhunderts.

Das Wandern ist des Müllers Lust“. Dieser erste Vers des um 1820 von Wilhelm Müller verfassten Volksliedes hätte für die Westfälische Mühlenstraße geschrieben sein können. Auf dem Mühlensteig wandert man auf dem Weg der Müllerburschen.

Schon von weitem leuchten die Flügel der Windmühle Strukhof am Rande eines Weizenfeldes. Vorsichtig löst Heinz Kröger die Bremse und schaltet den Elektromotor ein. Es knackt im Gebälk. Vier mächtige Segelflügel drehen ihre Runden. „Mein Vater hat die Müllerei bis 1970 betrieben“, berichtet Kröger: „Heute ist dieser Wall-Holländer eine von 43 Mühlen, die der Mühlenverein Minden-Lübbecke in den achtziger Jahren ins Mühlenerhaltungsprogramm aufnahm.“

 Ein Mühlenverein hat die Mühlen restauriert

Nur wenige Kilometer weiter im Mühlenstübchen der Wassermühle Bergkirchen bewirtet Eigentümerin Renate Haupt ihre Gäste mit Schmalzbroten und frisch gebackenem Kuchen. „Der Mühlenverein gründete sich 1978“, erzählt sie: „Er hat die einzelnen Mühlen gepachtet und ihre Restaurierung und Pflege übernommen.“ Nachdem in den fünfziger Jahren das große Mühlensterben einsetzte, begannen die Gebäude allmählich zu verfallen. „Für jede Mühle bildeten sich Mühlengruppen mit ehrenamtlichen Mitgliedern, die die einzelnen Mühlen betreuen und die unterschiedlichen Mahlwerke vorführen.“

Wind-, Wasser-, Ross- und Schiffmühlen

Die Mühlenroute verbindet auf einem Rundkurs von 320 Kilometern 43 Mühlen unterschiedlichen Typs zu einer Art Mühlenmuseum. An dem vor zehn Jahren eröffneten 65 Kilometer langen „Wanderweg der Müllerburschen“ zwischen Preußisch-Oldendorf und Eisbergen stehen immerhin elf Mühlen, die besichtigt werden können. Neben verschiedenen Wind- und Wassermühlen gibt es eine Ross- und eine Schiffmühle. Da die meisten von ihnen nicht täglich geöffnet sind, empfiehlt es sich, den Besuch vorher anzumelden.

Eine Besonderheit ist die Rossmühle Oberbauerschaft von Christopf Meyer zu Kniendorf. Es handelt sich um einen achteckigen Fachwerkbau aus dem Jahre 1797 mit rundem Reetdach. „Ungefähr bis 1920 war dies eine Flachsmühle“, berichtet der Mühleneigentümer: „Getrocknete Flachsstängel wurden in der „Bokemühle“ unter drei Stampfern weichgeklopft (gebokt).“ Danach hechelten (kämmten) die Frauen des Ortes die gebrochenen Stängel auf einem Nagelblock, um später die Fäden zu verspinnen. „Nicht nur der Flachs wurde durchgehechelt, sondern auch die eine oder andere Neuigkeit aus dem Dorf.“ Damit sich das Stampfwerk in Bewegung setzen konnte, drehten zwei bis sechs Pferde ein hölzernes Kammrad von 32 Metern Umfang.

Per Ausflugsdampfer oder über den Weser-Radwanderweg gelangt der Besucher zur Schiffmühle Minden. Ein mächtiges Schaufelrad ächzt in der Weser hinter einem kleinen Hausschiff. Im 17. Jahrhundert gab es zwölf Mühlen dieser Art entlang des Flusses. Doch ihr Niedergang begann bereits ein Jahrhundert später. Der Grund waren der zunehmende Schiffsverkehr auf der Weser und die leistungsstärkeren Windmühlen. Zur 1.200-Jahr-Feier beschloss die Stadt Minden 1998 eine Schiffmühle zu rekonstruieren. So rieseln heute wieder Schrot und Mehl aus der „Beutelkiste“ wie vor über 300 Jahren. Und weiter geht es zur nächsten Mühle. Ganz nach dem Motto des letzten Verses des Volksliedes: „Herr Meister und Frau Meisterin, lasst mich in Frieden weiter ziehn und wandern.“

Von Dagmar Krappe

Weitere Informationen

Reiseziel: Der Mühlensteig verdankt seinen Namen zehn restaurierten Mühlen, die den rund 65 Kilometer langen Wanderweg von Preußisch Oldendorf nach Porta Westfalica-Eisbergen säumen.

Auskunft: Mühlenkreis Minden-Lübbecke, Postfach 2580, 32282 Minden T 05 71 / 8 07-23 17, www.muehlenkreis.de

Veranstalter: Der SRJ Gäste-Service, Minden, bietet komplette Rad- und Wander-Touren auf der Westfälischen Mühlenstraße und dem Mühlensteig an. Ausführliches Prospektmaterial mit Adressen und Beschreibungen der einzelnen Mühlen sowie die Termine der Mahl- und Backtage sind beim SRJ Gäste-Service oder beim Mühlenkreis Minden-Lübbecke erhältlich. SRJ Gäste-Service, Gneisenaustraße 4, 32423 Minden, T 05 71 / 8 89 19 00, www.srj.de

Pauschalangebot: „Der Wanderweg der Müllerburschen“ mit fünf Übernachtungen inklusive Frühstück in Hotels und Gasthäusern, täglichem Gepäcktransfer, Lunchpaket, Infomaterial und Wanderkarte, Rücktransport zum Ausgangsort und weiteren Extras; Preis pro Person ab 439 Euro im DZ.

Veranstaltungen

• Deutscher Mühlentag am 13. Juni (Pfingstmontag)

• Kreismühlentag am 28. August

Entlang der Westfälischen Mühlenstraße öffnen an beiden Terminen 35 der 43 Mühlen von 13 bis 18 Uhr ihre Pforten. Veranstalter des Deutschen Mühlentages: Deutsche Gesellschaft für Mühlenkunde und Mühlenerhaltung (DGM), Schwarzer Weg 2 – Mühlenbauhof, 32469 Petershagen-Frille, T 0 57 02 / 26 94, www.muehlen-dgm-ev.de

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