Reisekataloge dürfen lügen

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Kataloge der Reiseveranstalter versprechen meistens einen Traumurlaub. Vor Ort sieht es manchmal leider ganz anders aus.

Der Flug ist Stunden verspätet und neben dem Hotel dröhnt ein Bagger. Ist das ein Reisemangel? Reisekataloge versprechen Träume und spielen mit Emotionen. Viele Lügen sind erlaubt.

Oft hält der Urlaub nicht, was der Katalog oder das Onlineportal versprochen haben. Ob ein Reisemangel vorliegt und Urlauber ihr Geld zurück verlangen können hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Doch soll die Beschwerde Erfolg haben, sind aber Regeln zu beachten - und das noch vor Ort.

Kataloge richtig lesen

Verbraucherschützer empfehlen, schon beim Studieren des Angebots genau zu lesen: “Wer einen Mangel reklamieren will, muss schon bei der Buchung der Reise aufpassen“, rät Sabine Fischer-Volk von der Verbraucherzentrale Brandenburg in Potsdam.

So könne es passieren, dass der Mangel verklausuliert im Katalog steht: “In Flughafennähe“ etwa bedeutet laut dem Amtsgericht (AG) München, dass Fluglärm hinzunehmen sei (Az.: 231 C 4946/97). Und “Meerseite“ bedeute nicht, dass das Zimmer auch einen Meerblick hat, entschied das AG Duisburg (Az.: 73 C 4280/04).

Reise-Recht: Die größten Katalog-Irrtümer

Reise Kataloge Urlaub
Reiseparadies mit Tücken - manche Katalog-Infos sind zulässig. Lesen Sie genau, denn in folgenden Fällen gibt es keine Preisminderung. © dpa
Reise Kataloge Urlaub
„Beheizbarer Swimmingpool“ - für eine Heizung wird nicht garantiert. © dpa
Reise Kataloge Urlaub
„Meerseite“ verspricht kein Zimmer mit Meerblick eher auf andere Häuser. © dpa
Reise Kataloge Urlaub
Eine Zwischenlandung ist beim „Direktflug“ im Unterschied zum Nonstopp-Flug hinzunehmen. © dpa
Reise Kataloge Urlaub
Wenig Komfort verspricht die Information: „saubere und zweckmäßig eingerichtete Zimmer“. © dpa
Reise Kataloge Urlaub
Gerichte tolerieren keine Preisminderung bei Störung durch Kinderlärm bei dem Vermerk  „Kinderfreundliches Haus“. © dpa
Reise Kataloge Urlaub
„Gelegentliche Lärmbelästigung“ von ein bis zwei Stunden sind als Gast zu akzeptieren. © dpa
Reise Kataloge Urlaub
„Ruhige Lage“ - hier sagen sich Fuchs und Hase Gute Nacht. © dpa
Reise Kataloge Urlaub
„Strand“ kann Sand - und auch Kiesstrand sein.  © dpa
Reise Kataloge Urlaub
„Schwerpunkt des Nachtlebens“ für einen Ort wo nachts der Bär los ist. © dpa
Reise Kataloge Urlaub
„Naturbelassener Hotelstrand“ für einen Strand mit Abwasserzuläufen. Mehr Tipps zum Reiserecht gibt‘s im Internet bei www.reiserecht-fuehrich.de. © dpa

Grundsätzlich gelte: Ohne die detaillierte Angebotsbeschreibung lassen sich Abweichungen schwer nachweisen. Am besten sollten Urlauber den Katalog aufheben. Und bei Online-Angeboten? “Speichern Sie die Internetseite ab oder drucken Sie diese aus“, empfiehlt Fischer-Volk. Tritt im Urlaub ein Mangel auf, muss er unverzüglich bei der örtlichen Reiseleitung angezeigt werden. Viele Urlauber wenden sich aber an die Hotelrezeption statt an die Reiseleitung, lautet die Erfahrung von Thomas Weinreich, Rechtsanwalt in Düsseldorf und Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Reiserecht mit Sitz in Wiesbaden - ein klassischer Fehler.

Mängelanzeige direkt an den Veranstalter richten

An der Rezeption Bescheid zu geben, sei zwar naheliegend. Doch Vertragspartner ist bei Pauschalurlaubern der Reiseveranstalter - und nicht etwa das Reisebüro oder das Hotel vor Ort. An den Vertragspartner aber müssen sich Mängelanzeigen richten. “Man muss dem Veranstalter Gelegenheit geben, den Mangel zu beseitigen“, erklärt Fischer-Volk. Laut dem AG Düsseldorf ist die Mängelanzeige notfalls telefonisch nach Deutschland zu übermitteln, wenn es vor Ort keine deutschsprachige Reiseleitung gibt (Az.: 26 C 5498/06).

So fies schummeln Reiseanbieter auf ihren Fotos

Hotel Korfu
Fotos im Reisekatalog versprechen einen Traumurlaub. Doch es ist oft eine Frage der Perspektive oder des Blickwinkels: Das Foto im Katalog zeigt ein schönes Hotel in einer malerischen Landschaft. © Holidaycheck
Hotel Korfu
Das (Katalog-) Foto zeigt einen halbwegs akzeptablen Strand auf der griechischen Insel Korfu. © Holidaycheck
Hotel Korfu
Doch, sieht man auf einer größeren Ansicht auf dem Strand, merkt man, dass hier vermutlich nur das sprichwörtliche Handtuch Platz hat und dass es obendrein mit der Sauberkeit auch nicht zum Besten bestellt ist. © Holidaycheck
Hotel Pool Katalog
Perfekter Pool auf Lanzarote. Im Reisekatalog präsentiert sich das Hotel Las Costas von seiner besten Seite. © Holidaycheck
Hotel Lanzarote
Der natürliche Look vor Ort ist dann doch etwas enttäuschend. © Holidaycheck
Hotel Dubai
Diese Hotel steht ganz allein am Strand in Dubai. Ein schöner Traum... © Holidaycheck
Hotel Dubai
Vor Ort hat das Hotel Le Meridien Mina Seyahi eine eindrucksvolle Nachbarschaft. © Holidaycheck
Hotel Dubai
Auch das Hotel Metropolitan Deira steht dank Retusche in Dubai ganz allein. © Holidaycheck
Hotel Dubai
Der Trick hat leicht funktioniert, die angrenzenden Häuser stehen sehr nah an dem Hotel. © Holidaycheck
Hotel
Im Reisekatalog zeigt das Hotel Metropolitan Deira auch dieses ansprechende Zimmer.   © Holidaycheck
Hotel
Vor Ort entpuppt sich auch das Zimmer als Schwindel.  © Holidaycheck
Hotel
Ein Traums am Goldstrand von Bulgarien: Extrem breiter Strand und stilvolle Sonnenschirme verspricht das Hotel PrimaSol Magnolia & Spa in Bulgarien im Katalog. © Holidaycheck
Hotel
Wer darauf vertraut hat, findet vor Ort einen geschrumpften Strand, mit zahllosen Sonnenschirmen in einer Bucht mit zahllosen Bauruinen. © Holidaycheck
Hotel
Natürlich, wer auf Meer guckt, sieht die unfertigen Bauten am Strand von Bulgarien nicht. © Holidaycheck
Hotel
Weiß, sauber und stylisch - zeigt sich das Hotel Rotana Coral Beach Resort im Reisekatalog. Im Hotel dominiert eine Pool-Landschaft. © Holidaycheck
Hotel
Der Pool vom Hotel ist zwar da, aber leider nicht ganz so groß, wie es vorher den Eindruck machte. © Holidaycheck
Hotel
Palmen und Pool in den Vereinigten Emiraten in Dubai. © Holidaycheck
Hotel
Das Hotel Sheraton Jumeirah Dubai ist aber umgeben von Wolkenkratzern. © Hol idaycheck
Hotel Eden Roc Resort
Ein Zimmer im Hotel Eden Roc Resort auf Griechenland auf Rhodos sieht im Katalog sehr einladend aus. © Holidaycheck
Hotel
Das wahre Desgin der Hotelzimmer. © Holidaycheck

Beseitigt der Veranstalter den Mangel nicht, können Urlauber in drastischen Fällen zur Selbsthilfe greifen und ausziehen: “Zum Beispiel wenn es im Hotel so laut ist, das man Tag und Nacht nicht schlafen kann“, führt Fischer-Volk an. Die Kosten für die neue Unterkunft müsse der Veranstalter erstatten. Auch zusätzlich anfallende Kosten wie Telefon- und Taxikosten gingen in solchen Fällen zu seinen Lasten, erklärt Weinreich.

Mängel-Protokoll

Voraussetzung für eine Minderung ist, dass man die Mängel beweisen kann. “Die Leute beschreiben die Fehler viel zu ungenau“, warnt aber Silvia Schattenkirchner, Juristin beim ADAC in München. Viele Pauschalurlauber beschweren sich etwa, dass “das Büfett nicht reichhaltig genug war“ und nicht oft oder lange genug nachgefüllt wurde. “Geschmackssache“, urteilen die Gerichte in solchen Fällen meistens. Erfolg hat nur, wer den Mangel detailliert beweist.

Fischer-Volk rät, gerade beim Thema Lärm ein Protokoll oder Tagebuch zu führen: “Zu welcher Tageszeit, wie laut, von welcher Lärmquelle und wie lange wurden sie gestört?“ Wer kann, sollte das zusätzlich dokumentieren: den Lärm per Videokamera aufzeichnen, Namen und Adressen von Mitreisenden notieren, Ungeziefer zählen und fotografieren. So sind 10 bis 20 Kakerlaken auf Gran Canaria laut dem AG Kleve lediglich eine “Unannehmlichkeit“ (Az.: 3 C 197/98) - dagegen rechtfertigt “erheblicher Kakerlakenbefall“ nach einer Entscheidung des AG Hamburg eine Reduzierung des Reisepreises um 40 Prozent pro Tag (Az.: 18 a 521/07).

Vier Wochen Frist beachten

Nach der Rückkehr sind die Mängel dann binnen eines Monats beim Reiseveranstalter zu reklamieren. Wer mit der Beschwerde bummelt, geht leer aus. Wichtig ist außerdem, dass Urlauber schreiben, dass sie eine Minderung möchten, betont Fischer-Volk - viele würden das schlicht vergessen. Und pauschale Formulierungen wie “Ich bitte um Regulierung“ reichten nicht aus. “Schreiben Sie: 'Es gab Baulärm, und dafür möchte ich 30 Prozent des Reisepreises zurück.'“

Gutscheine vom Reiseveranstalter

Viele Reiseveranstalter schicken nach Beschwerden und Minderungsforderungen Gutscheine zu. Wer diese annimmt, schließt einen Vergleich und verzichtet auf weitergehende Ansprüche, erklärt Reiserechtsanwalt Thomas Weinreich. Ratsam sei das aber nur bei kleineren Mängeln oder wenn sich eine Klage nicht lohnt.

Das verdeutlicht folgendes Rechenbeispiel: “Angenommen man hat für 1000 Euro pro Person eine zehntägige Reise gebucht und hatte an zwei Tagen starken Lärm wegen Renovierung“, schildert ADAC-Juristin Silvia Schattenkirchner. Der Reisepreis pro Tag beträgt 100 Euro. Bei zehn Prozent Minderung pro Tag entsteht ein Anspruch von 20 Euro pro Person. Mit einem Gutschein über diese Summe seien Urlauber gut bedient.

 

Von Nadia-Maria Chaar, dpa

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