Burgund, das heißt Wein, Kunst, Cäsar und Asterix – aber was ist eine Andouillette?

Reisen wie Gott in Frankreich

Machen Sie das Tor auf, und Sie sind im Burgund. Machen Sie noch ein Tor auf, und Sie stehen im Weinberg. Wenn Sie das dritte Tor aufgemacht haben, sind Sie im Château beim Schlossherrn und Winzer.

Was wäre das Burgund ohne seine Weine? Und ohne seinen Senf – den aus Dijon? Nebenbei ist Dijon auch Hauptstadt des Burgund – quirlig, lebendig und eng. Autos tun sich schwer in dem winkligen, vital verfeinerten Stadtbild. Früher war es auch noch mächtig, die Herzöge hießen der Gute, der Kühne (gleich zweimal) und der Schöne.

Ein Ort wie im Film

Wer sich genug in Dijon umgesehen hat, möchte vielleicht erfahren, wo die Seine entspringt. Der Fluss hat sich dafür den Weiler Saint-Germain-Source-Seine ausgesucht, worauf die 28 Einwohner stolz sind. Ganz in der Nähe liegt das entzückende Örtchen Flavigny-sur-Ozerain. Es ist alles wie im Film. „Chocolat“ wurde hier gedreht. Und man könnte glauben, dass Johnny Depp und Juliette Binoche im nächsten Moment um die Ecke kommen.

Wir sind im Auxois. Über Semur geht es nach Avallon, als würden wir direkt ins Bilderbuch fahren. Ob wir hier auf der einst im Nebel verschwundenen Insel Avalon aus der Artus-Sage sind? Kenner schwören darauf.

Auxerre ist sportiv: mit Hausbooten und Jachten und einem Fußballverein, der auch auf dem europäischen Rasen mitmischt. Und schön ist die Altstadt, wenn sie sich abends im Flussbogen der lieblichen Yonne spiegelt.

Einen Chablis in Chablis

Am nächsten Morgen geht’s in die Rebberge. In Chablis einen Chablis trinken und dazu eine Andouillette, eine Wurstspezialität von Michel Soulié, verzehren, das gehört zu den wahrhaft irdischen Himmelsfreuden. Kein Fehler ist es, die Mahlzeit auszuweiten, etwa mit dem traditionsreichen Rindfleischragout, Bœuf bourguignon genannt, oder dem Bresse-Huhn in der Schweinsblase – nicht ohne Trüffel natürlich.

Derart gut gerüstet, geht es über Vézelay und Autun, zwei Klassikern der romanischen Baukunst, nach Bibracte. In dieser Siedlung, in der schon seit Jahrzehnten ausgegraben wird, lebten einst 10 000 Kelten. Das alles ist gut dokumentiert in einem lebendigen Museum – den Blick in den antiken Kochtopf inbegriffen.

Man kann das Burgund nicht verlassen, ohne Beaune gesehen zu haben, vor allem das wohl schönste Krankenhaus der Welt. Das im Jahr 1443 von Nicolas Rolin entworfene Hôtel-Dieu im Herzen der Stadt ist ein Meisterwerk der burgundisch-flämischen Kunst.

Wer zum ersten Mal da ist, wird noch lange von dem „Jüngsten Gericht“, das Rogier van der Weyden um 1450 gemalt hat, und vom einzigartig gemustertem Dach erzählen. Wer es zum zweiten Mal sieht, wird sich vornehmen, auch noch ein drittes Mal zu kommen.

Von Wolfgang Minaty

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