Das winterliche Tannheimer Tal in Tirol lässt sich aus verschiedenen Perspektiven erkunden

Remmidemmi ist woanders

Winterliche Idylle: Im Januar findet im Tannheimer Tal das Ballonfestival statt. Bergführer Sepp Sint (rechts) schnallt im Winter die Schneeschuhe unter die Wanderstiefel.

Klick und noch mal klick. Die vordere Lasche ein wenig strammer gezogen, schon hat Sepp Sint seine roten Schneeschuhe unter die Wanderstiefel geschnallt. Eine kleine Gruppe Touristen macht es ihm nach. Monströs sehen sie aus, die Aluminium-Kunststoffgestelle, aber im Tiefschnee kommt man mit ihnen wunderbar voran ohne einzusinken. „Geht einfach ganz normal vorwärts“, sagt Sepp.

Ein wenig breitbeinig macht sich die Gruppe im Gänsemarsch hinter dem Bergwanderführer auf den Weg. Von Schattwald im Tannheimer Tal in Tirol geht es über schneebedeckte Felder und Hügel zum Vils-Stausee. Keine Wolke trübt den blauen Himmel. Die Sonne lässt glitzernde Sterne auf dem gefrorenen Schnee tanzen. „Der Vorteil des Schneeschuhwanderns ist, dass man nicht immer die Spur halten muss“, meint Carola aus Kassel: „Eine tolle Alternative zum Langlauf, bei der man auch ganz schön ins Schwitzen kommt.“

Ein Tal für Familien und Genießer der Ruhe

In den sechs Ferienorten des Tannheimer Tals Grän-Haldensee, Nesselwängle-Haller, Schattwald, Tannheim, Zöblen und Jungholz leben 3100 Einwohner. Wer Remmidemmi und gigantische Diskos für die Après-Ski-Gaudi sucht, der ist hier falsch. Es ist das Tal für Familien und ruhige Genießer, aber es geizt nicht mit alljährlich wiederkehrenden Events: Internationales Ballonfestival, Schlittenhunderennen, Langlaufwettbewerb Ski-Trail, Nordic-Fitness-Woche.

Im Januar gehört der Himmel über dem Tannheimer Tal zwei Wochen lang den Heißluftballons. Hobby-Ballonfahrer aus verschiedenen europäischen Ländern treffen sich wie jedes Jahr im Januar in Tannheim, um einmal am Tag in die Luft zu gehen.

Rudi Höfer, ein ehemaliger Polizist aus Schwäbisch Hall, organisiert das Festival seit 17 Jahren: „In den Bergen ist Ballonfahren nur im Winter möglich. Man braucht Hochdruckwetterlage mit geringer Thermik.“ Für Einheimische und Urlauber, die mal hoch hinaus wollen, ist in dem einen oder anderen Weidenkorb immer ein Plätzchen frei.

„Glück ab und gut Land“

Pilot Peter Pohl und seine Crew vom Ballonteam „Pik-As“ haben bereits den Korb vom Hänger gehoben und beginnen, die endlos erscheinende Ballonhülle auszurollen. „Glück ab und gut Land“, ruft Peter, hauptberuflich Bestattungsunternehmer in Friedrichshafen am Bodensee, und lässt den Brenner zischen. Schon steigt der Ballon lautlos nach oben. „Zwei Meter pro Sekunde geht es aufwärts“, sagt Peter und kontrolliert ständig Windrichtung und -geschwindigkeit. Drei Ballons sind bereits in der Luft. Weitere grüne, gelbe, blaue und weiße Nylonhüllen werden auf dem langsam kleiner werdenden Startplatz ausgerollt.

Logenplatz am Himmel

Kein Laut ist zu hören. Nur ab und zu durchbricht das Geräusch des Brenners die Stille. Aus 2500 Metern Höhe ist der Forggensee bei Füssen klar zu erkennen. Die Ballons werfen ihre Schatten auf den Halden- und Vilsalp-See, ziehen an den Bergspitzen Einstein, Gimpel und Rote Flüh vorbei.

Nach zwei Stunden Logenplatz am Himmel wird es Zeit, einen Landeplatz zu finden. Noch 200 Meter bis zum Boden. Die Langläufer und Wanderer, die als bunte Stecknadelköpfe der weißen Winterlandschaft ein paar Farbtupfer verleihen, werden wieder größer. Sie bemerken den zischenden Ballon und winken. Auch Sepp ist mit einer Gruppe unterwegs. Das Knirschen der Schneeschuhe ist deutlich zu hören.

Von Dagmar Krappe

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