Die Rückkehr des Luchses

+
Sehr scheu: Im Harz leben die seltenen Wildkatzen in Freigehegen und in freier Wildbahn.

Im Harz leben wieder wilde Luchse. In der Nähe von Bad Harzburg kann man die scheuen Wildkatzen auch in großen Freigeheben beobachten.

Durch einen schattigen Mischwald führt der Forstweg vom Ortsausgang in Bad Harzburg durch das sogenannte Kalte Tal hinauf zum Aussichtspunkt Rabenklippe. Kaum ein Sonnenstrahl schafft es durch die Rotbuchen, Spitzahorn und Ebereschen hindurch bis auf den feuchten Weg. Es ist kühl und schattig. Dort oben sei die Wahrscheinlichkeit am größten, einen Luchs zu sehen, hat Ole Anders vor dem knapp einstündigen Aufstieg angekündigt.

Ole Anders kennt die Verhaltensweisen der Wildkatzen wie kaum ein zweiter. Er ist Koordinator des Luchs-Projektes Harz und war dabei, als die ersten Luchse im Jahr 2000 ausgewildert wurden. Durch intensive Verfolgung war die Wildkatze vor etwa 200 Jahren in Deutschland und weiten Teilen Europas ausgerottet worden.

Nach einer knappen Stunde ist das Ziel erreicht: zwei Luchs-Schaugehege an der Rabenklippe. Vier Luchse leben hier in einer eingezäunten, zerklüfteten Naturlandschaft. Das größere Gehege ist immerhin einen Hektar groß und bietet den Tieren entsprechend viele Versteckmöglichkeiten. Auch in dem kleineren Gehege der Größe von etwa 1500 Quadratmetern ist auf den ersten Blick kein Luchs zu sehen. Man muss schon etwas Geduld haben und aufmerksam spähen. Nach einigen Minuten schaut hinter einem morschen Baumstamm das Objekt der Begierde hervor: Deutlich ist die Wildkatze mit den typischen Pinselohren, Backenbart und dem kurzen Schwanz zu sehen. Glück gehabt!

Wer im Sommerhalbjahr an Tagen mit öffentlicher Fütterungen komme, werde garantiert mit einem Erfolgserlebnis nach Hause gehen, so Anders. „Die Schaugehege wurden eingerichtet, damit die Menschen die Chance haben, tatsächlich einen Luchs zu Gesicht zu bekommen“, sagt er. Denn um einen Luchs in der freien Wildbahn zu sehen, bedarf es außerordentlich viel Glück. Zum einen sind Luchse vorwiegend in der Dämmerung und in der Nacht aktiv, zum anderen leben sie hauptsächlich in dichten Wäldern. „Für den Lebensraum des Luchses gilt: Je mehr Deckung die Landschaft bietet, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass darin ein Luchs lebt“, sagt Ole Anders.

Die Auswilderung war erfolgreich

Zwei Dutzend Luchse – neun Männchen und 15 Weibchen – wurden in den Jahren von 2000 bis 2006 im Nationalpark Harz ausgewildert. Es war der erste Wiederansiedlungsversuch der größten europäischen Katze in Deutschland – und er funktionierte.

Bereits seit dem Sommer 2002 gibt es wieder Nachwuchs in der freien Natur. Einige Luchse sind mittlerweile sogar aus dem Harz abgewandert und werden in Zukunft für eine Vernetzung mit anderen europäischen Luchsvorkommen sorgen – das hofft zumindest Ole Anders.

Luchse lernen ihr Jagdverhalten nicht wie beispielsweise hundeverwandte Arten von ihren Eltern, sondern können es instinktiv. „Ihre Chancen, in Freiheit zurechtzukommen, waren dann besonders groß, wenn sie vorher keinen näheren Kontakt zu Menschen hatten“, sagt Anders. Die Luchse in den Freigehegen sind zu sehr an den Menschen gewöhnt und für eine Auswilderung nicht mehr geeignet sind. Ole Anders: „Diese Tiere sind jetzt unsere Botschafter, die helfen, die Toleranz für das Raubtier Luchs zu erhöhen.“

Informationen

Haus der Natur, Nordhäuser Straße 2 b, 38667 Bad Harzburg, Tel. 0 53 22 / 78 43 37, Internet: www. haus-der-natur-harz.de
Öffnungszeiten: Täglich 10 bis 17 Uhr, montags – außer an Feiertagen – geschlossen
Eintritt: Erwachsene 4 Euro, Kinder und Jugendliche 3 Euro
Waldgasthaus Rabenklippe, 38667 Bad Harzburg, Tel. 0 53 22 / 28 55, www.rabenklippe.de
Nationalparkverwaltung Harz, Lindenallee 35, 38855 Wernigerode, Tel. 0 39 43 / 55 02-0, www.nationalpark-harz.de

Von Volker Wartmann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.