Quedlinburg, Falkenstein und Gernrode: Im Unterharz auf den Spuren der Geschichte wandern

Wo der Bär ruht und Chopin klimperte

Beliebtes Ausflugsziel: Auf der Burg Falkenstein, hoch über dem Selketal gelegen, erfährt man Interessantes über die deutsche Geschichte und das Leben im Mittelalter. Foto: Schlichtholz

Prustend und schnaubend stampfen die legendären Dampfrösser auf schmalen Schienen heute wieder durch die Harzer Bergwelt. Vor allem die Selketalbahn erschließt dabei eine Region, die bislang noch keineswegs von Touristen überlaufen ist: den Unterharz. Neben einer Fülle von Naturschönheiten wie den Felsmassiven der Ross-trappe und dem Hexentanzplatz, laden seine Städte und historischen Bauwerke zur Entdeckungsreise in die Vergangenheit.

Eine der bedeutendsten Stationen auf diesem Weg ist Quedlinburg. Dort stand vor mehr als 1000 Jahren die Wiege des deutschen Reiches, wurde der Sachsenherzog Heinrich zum deutschen König gekrönt.

Unter der Leitung der Äbtissin, einer Tochter Otto I., entwickelte sich die „ Quitilingaburg“zum geistigen und kulturellen Mittelpunkt des ottonischen Reiches. In der Folgezeit statteten Könige und Kaiser Kirche und Stift reich mit Reliquien aus, die bis heute als „Quedlinburger Domschatz“ weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt sind. Aber auch sonst atmet das sachsen-anhaltinische Städtchen an der Bode Geschichte pur.

Vom Schlossberg eröffnet sich dem Besucher ein herrlicher Blick auf die idyllischen Gassen mit ihren malerischen Fachwerkensembles aus fünf Jahrhunderten.

Weiteren Zeitzeugen der Romanik wie der Stiftskirche St. Cyriakus oder der Klosterkirche St. Paneratius mit dem Grab Albrecht des Bären begegnet man in Gernrode und in Ballenstedt.

Über dem idyllischen Selketal wacht schon seit Jahrhunderten eine der schönsten Burgen des Harzes: die Burg Falkenstein. Um 1120 ließ Burchard von der Conradsburg auf einem 334 Meter hohen Bergsporn den „Falkenstein“ erbauen, der ihm und seinen Nachfahren gut 300 Jahre als sichere Grenzfeste diente. Ab 1449 begann mit den Herren von der Asseburg der allmähliche Umbau zum Renaissance-Schloss, das aber den folgenden Kriegswirren nicht standhielt. Ende des 18. Jahrhunderts glich die Burg einer Ruine. Erst die Zeit der Romantik machte den alten Adelssitz wieder zu einem beliebten Ausflugsziel. Novalis, Ludwig Richter, Carl Maria von Weber, der im Selketal seinen Freischütz schrieb und Klopstock, der dort den Messias dichtete, ließen sich von der unberührten Naturidylle häufig inspirieren.

Aufwendig restauriert

Bis heute hat die trutzige Burg dank aufwendiger Restaurierungsarbeiten nichts von ihrem Reiz verloren. Frauen- und Herrenhaus säumen den 35 Meter hohen Bergfried auf dem Burghof. Das Friedrichzimmer, ehemals Schlafraum des Grafen, erinnert durch anschauliche Dokumente an die wohl bedeutendste „Amtshandlung“ in dem geschichtsträchtigen Gemäuer. Auf Geheiß des Grafen Hoyer II. von Falkenstein nutzte Eike von Repgow die abgelegene Ruhe und verfasste von 1220 bis 1235 das erste deutsche Rechtsbuch, den Sachsenspiegel, dessen Geltungsdauer noch bis in das 20. Jahrhundert reichte.

Mehr über den gräflichen Alltag verrät Friedrichs Herrenzimmer. Prunkstück des Raumes ist ein Hammerklavier aus dem Jahr 1838 auf dem des öfteren Chopin den Töchtern des Hauses Unterricht erteilte.

Am Ende des Rundganges führt eine schmale Stiege zum Bergfried, der heute als Aussichtsturm einen herrlichen Rundblick auf das Harzer Land gestattet.

Von Hans-Joachim Schlichtholz

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