La Réunion: Insel für Frühaufsteher

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La Réunion, rund 800 Kilometer östlich von Madagaskar im Indischen Ozean gelegen, besteht im Wesentlichen aus zwei Vulkanen: dem Hauptvulkan Piton des Neiges, der im Nordwesten der Insel liegt und bereits vor langer Zeit erlosch.

Feuer, Wasser, Luft und Erde – Natururlauber sind auf La Réunion im wahrsten Sinne des Wortes in ihrem Element. Die kleine Insel im Indischen Ozean zwischen Madagaskar und Mauritius...

...hat das Zeug, auch die abgeklärtesten Weltreisenden weichzukochen, sie zu Träumern, Romantikern und Schwärmern zu machen – und zu Frühaufstehern. Denn wer zu spät kommt, verpasst das Beste – die Sicht auf die Vulkane.

Donnernde Wasser: Die Kaskaden von Takamaka.

Der Funke springt sofort über. Jean Paul Carminati hält ein paar zerknüllte Zeitungsseiten in das verkarstete schwarze Basaltloch, und, wie bei einem Zaubertrick begleitet von einem triumphierenden „Voilà!“, hat unser Bergführer auch schon ein Feuerchen in der noch heißen Lavaschicht entfacht. Beeindruckt stehen wir auf dem von Rissen durchzogenen Steinteppich an der Ostküste der Insel La Réunion. Wie auf einer Fußbodenheizung spüren wir die Wärme unter unseren Sohlen.

Im April 2007 hatte der immer noch grummelnde Vulkan Piton de la Fournaise seine Südostwand durchbrochen, der glühende Lavastrom hatte sich hier ins Meer ergossen. Die Eruption hatte das Ufer der Insel La Réunion an dieser Stelle um 50 Meter ins Meer hinaus geschoben. Noch ist es Karst, aber in ein paar Jahrzehnten wird auch dieses neugeborene Stück Land üppig bewachsen sein.

La Réunion wurde vor etwa zwei Millionen Jahren von einem „Hotspot“ aus dem Erdinneren hinausgespuckt – 200 Kilometer von Mauritius entfernt. Vulkane haben das Eiland seither immer wieder neu geformt und umgestaltet.

Traumstrand: Bei Manapany an der Südküste.

Schönheit, die von innen kommt. Aber das Feuer ist nicht die einzige Kraft, die hier am Werk ist: Da sind die Wasserfälle, die sich über hunderte Meter in die Tiefe der Talkessel stürzen. Da ist die Luft, würzig frisch zum tief Durchatmen und mit guter Thermik für Gleitschirmflieger. Die fruchtbare Erde, in der Tausende von Gewürzen und exotische Pflanzen gedeihen. Nirgendwo auf dieser Welt scheinen die vier Elemente präsenter wie auf dieser Insel vor der Küste Afrikas.

Wer das Naturschauspiel in voller Länge erleben will, muss allerdings früh aufstehen. Denn ab dem späten Vormittag sind in den Höhenregionen meist schon die Wolkenvorhänge zugezogen. Ende der Vorstellung. Jean Paul hatte uns gleich vor Enttäuschungen gewarnt. Das war Motivation genug, unser luxuriöses Quartier im Grand Hotel du Lagon in Saint-Gilles-des-Bains schon im Morgengrauen zu verlassen. Ein kurzer Abschiedsblick über den Traumstrand und schon rollen wir die Westküste entlang nach Süden.

Strand des Grand Hotel du Lagon.

Zur Rechten begleitet uns lange der weiße Sandstreifen vor türkisfarbenem Meer, in dem man hier im Schutz des vorgelagerten Korallenriffs sorglos schwimmen kann. Dahinter, wird eindringlich gewarnt, gibt es Haie und tückische Strömungen. Zur Linken säumen Zuckerrohrfelder die Straße, dahinter erhebt sich der Dreitausender Piton des Neiges, der Schneevulkan, so sein Name. Im Winter, hier also im August, trägt er tatsächlich manchmal eine weiße Kappe. Der erloschene Vulkan sei der höchste Gipfel im Indischen Ozean, erläutert Jean Paul mit patriotischem Stolz. „Der höchste Berg auf Mauritius hat gerade mal 800 Meter. Einfach lächerlich!“

Da ist es wieder: Das Wetteifern der Réunionnais mit der 200 Kilometer entfernten zwar etwas kleineren, aber eben viel bekannteren Nachbarinsel. Zum Baden und Tauchen sei es dort auch ganz schön, räumt Jean Paul ein, aber sonst? La Réunion dagegen sei ein einzigartiges Naturparadies und die bizarre Mondlandschaft im Inselinneren, die sei einfach einmalig.

Dorthin fahren wir jetzt, während sich hinter der Bergkette schon dunkle Wolken zusammenschieben. Es kommt Regen auf, der auf der Ostseite der Insel immer reichlich fällt, und je höher wir aufsteigen, desto kühler wird auch die Luft. Über die Plaine des Sables, eine Steinebene in den verschiedensten Rot- und Brauntönen, peitschen Wind und Regen. Die Wanderer, denen wir begegnen, winken trotzdem fröhlich unter ihren wasserdichten Umhängen heraus. Trekking auf La Réunion – ein exotisches Abenteuer, das immer mehr Fans gewinnt, wie die zahlreichen kleinen Zeltlager, an denen wir unterwegs vorbeikommen, beweisen.

Große Tiere: Ein Chamäleon will hoch hinaus.

Unter den 2000 Kilometern Wanderwegen auf Réunion gibt es die unterschiedlichsten Schwierigkeitsgrade. Den oberbayerischen Bergfex Christoph Kindler (52), er ist in Bichl daheim, hat diese Bergwelt so fasziniert, dass er einfach hier geblieben ist. Das war vor acht Jahren. Seither führt er Touristen in die hoch gelegenen Talkessel Salazie, Mafate und Cilaos (Cirques genannt), allesamt Relikte früherer Vulkane – und natürlich hinauf auf die Gipfel. Vorausgesetzt, sie erweisen sich als tauglich. „Wer den Piton des Neiges besteigen will, muss schon so fit sein, dass er die Benediktenwand packen würde“, erklärt der durchtrainierte Bergläufer. „Es geht ständig rauf und runter, mindestens 1000 Höhenmeter müssen am Tag bewältigt werden.“

Christoph, eigentlich Diplomgeophysiker und Umweltberater von Beruf, hat schon viel von der Welt gesehen. Aber das Leben auf La Réunion, das Savoir Vivre, wie man in diesem entlegenen französischen Dé­partement sagt, ist für einen wie ihn nicht zu toppen. Die reinste Spielwiese sei das für einen Sportler wie er es ist. Klettern, kajaken, surfen, Gleitschirm fliegen, tauchen – es gibt nichts, was es nicht gibt. Nur eins vermisst er – das Skifahren. Und deshalb zieht es ihn alle paar Jahre im Januar oder Februar heim in die Alpen. „Dafür reicht der Schnee auf dem Piton des Neiges dann halt doch nicht“, grinst er. Zum Glück, denken wir, und freuen uns auf den Traumstrand vor unserem Hotel, wo wir den Abend ausklingen lassen und uns noch einmal in die Wellen stürzen. Ein elementares Urlaubsvergnügen. Auf Schnee hat hier noch keiner Lust.

Barbara Wimmer

DIE REISE-INFOS ZU LA RÉUNION

La Réunion, rund 800 Kilometer östlich von Madagaskar im Indischen Ozean gelegen

REISEZIEL La Réunion bildet mit Mauritius und Rodrigues den Archipel der Maskarenen. Die Insel ist ca. 2500 Quadratkilometer groß. Mit dem Auto kann man sie in fünf bis sechs Stunden umrunden. La Réunion ist seit 1946 ein französisches Übersee-Département und gehört zur Europäischen Union. Die Hauptstadt ist Saint-Denis. Große Teile der Insel sind seit 2010 Unesco-Weltnaturerbe, bzw. seit 2008 Nationalpark. Die rund 700.000 Bewohner sind Mitteleuropäer, Schwarzafrikaner, Chinesen und Inder, die sich in 350 Jahren hier angesiedelt haben. Die meisten nennen sich selbst stolz Kreolen.

ANREISE Saint-Denis, die Hauptstadt der Insel, wird von Air France, Air Mauritius und Air Austral angeflogen. Direkte Verbindungen aus Deutschland gibt es nicht, man muss mindestens einmal umsteigen (z.B. in Paris). Ca. 12 Stunden Flug ab Paris.

REISETYP Eine Insel für sportliche Robinsons, vor allem für die Anhänger der zwei großen W’s: Wassersport und Wandern.

KLIMA Ganzjährig angenehmes, subtropisches Klima. Trockene und kühlere Saison (zwischen 15 Grad in den Bergen und 25 Grad an der Küste) ist von Mai bis November, von Dezember bis April Temperaturen bis 35 Grad.

GELD/PREISE Zahlungsmittel ist der Euro. Am Flughafen und in allen Städten befinden sich Banken mit Bankautomaten (wo bequem per EC-Karte Bargeld abgehoben werden kann). Gängige Kreditkarten werden vielerorts akzeptiert. Aber: Exotik hat ihren Preis. Auf La Réunion muss man mit höheren Kosten als auf Mauritius rechnen, es ist oft auch teuerer als im Mutterland Frankreich. Den Urlaub deshalb am besten von zu Hause aus pauschal buchen (s.u.).

GESUNDHEIT Für einen Urlaub auf La Réunion sind keine besonderen Impfungen notwendig. Das Gesundheitssystem entspricht den europäischen Standards.

WOHNEN Grand Hotel du Lagon in Saint-Gilles-les-Bains: Fünf-Sterne-Haus der Naiade-Kette, sechs Übernachtungen inklusive Frühstück und Flug ab/bis München ab 1.559 Euro/Pers. (über TUI oder Meier’s Weltreisen). Oder Drei-Sterne-Hotel Le Récif, ebenfalls Naiade-Gruppe, sechs Ü/F mit Flug ab/bis München ab 1411 Euro.

TAUCHEN kann man an der gesamten Küste. Die schönsten Reviere liegen zwischen Saint-Paul und Saint-Pierre im Süden. Tauchgänge ab drei Meter bis zu über 50 Meter.

WANDERN In den Talkesseln und auf den sie umgebenden Graten sind 2000 Kilometer Wanderwege aller Schwierigkeitsgrade ausgeschildert. Kontakt Wanderführer Christoph Kindler, E-Mail C.Kindler@gmx.fr, jeanpaul.carminati@orange.fr.

TIPP In Saint-Paul an der Westküste findet jeden Freitag und Samstag (Vormittag bis zum frühen Nachmittag) an der Uferpromenade der lebhafteste und bunteste Markt der Insel statt. Feilgeboten werden landwirtschaftliche Erzeugnisse der Insel wie Früchte, Gemüse, Blumen, Fische und Meeresfrüchte, dazu schmackhafte Imbisse wie die typischen Teigtaschen Samoussas sowie Kunsthandwerk.

WEITERE INFOS Fremdenverkehrsamt der Insel La Reunion in Frankfurt, Tel. 069/97 59 04 94, www.insel-la-reunion.com.

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