Die kleine Inselgruppe der Seychellen lädt Karnevalsabordnungen aus der ganzen Welt zum Festival

Samba zur Lamettaperücke

G Herausgeputzt für den Straßenumzug: Diese vier Schwestern können es auf der Hauptstraße von Victoria kaum noch erwarten, bis der Karnevalsumzug an ihnen vorbeizieht. H Frohsinn am Straßenrand: Diese Zuschauerinnen haben viel Spaß beim Zuschauen. Fotos: Fraschke

Unter dem Absperrband glitzern die Karnevalsmasken. Verkleidete Kinder sitzen neben der Barriere auf dem Bordstein der Hauptstraße in Victoria und klatschen zur Musik. Sie tragen Tiergesichter, rosa Schmetterlingsflügel und puschelige Antennen im Haar – wie kleine Fantasie-Insekten. Die Hauptstadt der Seychellen stellt ein Karnevalsfestival auf die Beine. Die Inselgruppe im Indischen Ozean macht auf sich aufmerksam – einmal nicht mit Traumstränden und schicken Hotels, sondern mit kreolischer Kultur. In diesem Jahr wird die dritte Auflage gefeiert.

Karnevalsgruppen aus der ganzen Welt marschieren durch Victoria, bejubelt von den verkleideten Kindern und Erwachsenen des Ortes und Besuchern, die ein Wochenende lang das Feiern genießen.

Die Seychellois pflegen die Zusammenarbeit mit anderen kreolischen Ländern, jenen also, wo sich die Kulturen der einstigen afrikanischen Sklaven und der Kolonialmächte zu einem einzigartigen Gemisch verbunden haben – dazu gehören die Inseln der Karibik und des indischen Ozeans.

Funkenmariechen schwitzen

Abordnungen aus 35 karnevalfeiernden Ländern stellen im tropischen Inselparadies ihre bunten Traditionen vor. Sogar aus Düsseldorf ist eine Tanzgarde dabei – nicht nur die Funkenmariechen kommen unter den schweren blonden Zopfperücken ins Schwitzen. Die Blaskapelle und die 40 samtberockten Jecken fallen inmitten der dunkelhäutigen Menschen ordentlich auf.

Karibische Tanzgruppen wechseln beim Umzug mit charmant-provinziellen einheimischen Festwagen ab. Dabei stellen sich auch der örtliche Supermarkt, die Thunfischfabrik und Umweltorganisationen vor. Stewardessen posieren vor einem Pappmaché-Flugzeug, daneben tanzen die Jugendlichen des lokalen Freundschaftsvereins. Aus manchen Wagen schallt Musik, die Sambarhythmen wirken ansteckend. Mit der Londoner Abordnung kann allerdings niemand mithalten. Tänzerinnen mit schwerem Kopfschmuck und Pailetten-Bikini lassen ihre muskulösen Körper beben – wie ein sexy Gruß von der Copacabana.

Tourismuschef Alain St. Ange macht zweierlei deutlich: Der kleine Staat mit seinen 90 000 Einwohnern kann es selbst kaum fassen, so ein großes Festival auf die Beine zu stellen. Und er möchte auf die größte Sorge des Archipels aufmerksam machen: Piratenboote könnten Fischerei und Tourismus beeinträchtigen, die wichtigsten Erwerbszweige. Das Festival soll den Geist der Völkerverständigung verbreiten.

Zum Ende der Parade haben die älteren Ladys mit den Lamettaperücken auf dem besten Zuschauerplatz vor dem Amtsgericht ihre mitgebrachten Caipirinha-Vorräte ausgetrunken. Die Zuschauertribüne, wo auch Staatspräsident James Alix Michel den Umzug angeschaut hat, ist verwaist. Bald kann die Ampel über der Kreuzung – eine von zweien in der kleinen Stadt – wieder in Betrieb genommen werden.

Die Festgesellschaft trifft sich nach Sonnenuntergang bei Grillhähnchen und dem einheimischen Bier Seybrew auf dem Sportplatz. Und die künstliche Welt der Hotelanlagen ist weit weg.

Von Bettina Fraschke

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