Die Kanareninsel El Hierro ist das Eiland der 1000 Vulkane

Sanfter Tourismus in explosiver Natur

+
Beeindruckende Blick in die Tiefe: Vom Mirador de las Playas geht es auf den Camino de Jinama, einen der ältesten einstigen Transportwege von San Andrés nach La Frontera. Fotos:  Sparrer

El Hierro, die Insel der 1000 Vulkane, übt auf Naturliebhaber und Individualisten magische Anziehungskraft aus.

Getrocknete Kräuter hängen in Sabines Bauernküche. Ihr Haar verdeckt sie unter einer weißen Haube, ihre Hände stecken in Gummihandschuhen. Die Hamburgerin mit dem konzentrierten Blick sieht aus wie eine Krankenschwester, während sie ihren Ziegenkäse knetet. „100Prozent Bio“, ihre Augen glänzen. Die Milch stammt von selbst gezüchteten Ziegen. Die Arbeit auf der Finca ist schwer. Doch Sabine Rathjen hat ihren Lebenstraum verwirklicht.

Hat auf El Hierro ihren Lebenstraum verwirklicht: Sabine Rathjen

Als die Physiotherapeutin 2002 für ein halbes Jahr als Aushilfe auf dem Hof im Dorf Guarazoca arbeitete, bekamen hier noch alte Esel ihr Gnadenbrot. Mit ihrem Mann Kiko, dem Tischler Francisco Padrón Barrera, kaufte sie im Jahr 2008 die 600 Meter hoch gelegene Finca. Der Blick reicht von hier bis La Palma und Teneriffa. „Wir beherbergen Helfer. Und wir vermieten Zimmer an Gäste, die beim Ziegenmelken zuschauen dürfen“, sagt Kiko.

Ländlicher Tourismus wie aus dem Bilderbuch, abendliche Ruhe unter funkelnden Sternen. El Hierros Besucher staunen über Vulkankrater und das Gefühl, fast wie auf dem Mond zu wohnen.

Die Macht der Urgewalten ist überall zu spüren

Im Oktober 2011 kam es zur Vulkankrise. Unter Wasser brodelte es. Das Fischerdorf La Restinga wurde evakuiert. Magnitude 4,3 auf der Richterskala, Alarmstufe rot. Hunderte von Fischen starben in den Druckwellen der Eruptionen und im schwefelgelben Wasser. Die Fischer holten mit Keschern rauchende Lavabrocken aus dem Meer. Es traf sie hart. Monatelang keine Arbeit und nur dürftige Subventionen aus Madrid.

„Die Touristen blieben aus. Aber jetzt hat sich alles beruhigt und die Vulkanvoyeure kurbeln das Geschäft wieder an“, sagt Restaurantbesitzer Luis Gonzalez. In der Hafenbucht kann man wieder baden. Das kleine Vulkanmuseum dokumentiert das Beben mit Videos und Schautafeln.

Zehn Fußminuten sind es von Sabines Finca zum Mirador de la Peña mit einem Restaurant des umweltbewussten Architekten César Manrique. Über die Abbruchkante schweift der Blick über das weite Tal El Golfo, entstanden durch mehrere Erdrutsche. Den fruchtbaren Mutterboden, auf dem hier heute Gemüse und Ananas gedeihen, brachten LKW aus den Bergen hinunter.

Die winzigen Häuser des Ecomuseums de Guinea im Tal haben Trockensteinmauern. Auch sie zeigen, wie sehr die Inselbewohner ihre Existenz seit eh und je der Natur abrangen. Juan Pedros arbeitet als Tierpfleger im Museum. Er hat das Glück, Nachfahre des Hirten zu sein, der im Jahr 1975 die Lagarto Gigante entdeckte. Diese Rieseneidechse soll seit rund 26 Mllionen Jahren auf El Hierro zu Hause sein. Juan Pedro kümmert sich um die Aufzucht der Tiere, die mit Mikrochips in die Freiheit entlassen werden. Das ist nicht sein einziger Job: Er trainiert auch die Jugendlichen von La Frontera im kanarischen Ringkampf. „Früher fragten mich schon mal Touristen, wann sie bei Ringkämpfen zuschauen können“, erzählt er. Vielleicht kommt das ja mal wieder vor.

Reisetipps

Reiseziel: Das 268,71 km2 große El Hierro ist die südwestlichste und kleinste Kanareninsel und hat ca. 10 500 Einwohner.
Anreise: Mit Binter Canarias ab Teneriffa-Nord oder mit der Fähre (Fred Ohlsen oder Armas) von Los Cristianos (Teneriffa-Süd) bis Puerto de la Estaca (2,5 Std., ca. 50 Euro)
Beste Reisezeit: Mai bis Oktober
Unterkunft:
• Ferienwohnung auf der Finca La Paz, Sabine Rahtjen, 2 Pers. ab 35 Euro/Nacht (Woche 245 €), www.fewo-direkt.de
• Hotel Puntagrande, Las Puntas, E-38911 Frontera/El Hierro, T 922 55 90 81, ca. 50 Euro/Nacht.
• El Balneario Pozo de la Salud, 11, 38912 Sabinosa, 75 Euro/Nacht
Mietwagen: ab Flughafen für 7 Tage ab 125 Euro, z. B. unter www.cicar.com
Infos: Spanisches Fremdenverkehrsamt, Myliusstraße 14, 60323 Frankfurt, T 0 69 / 72 50 33
Internet: www.spain.info
www.elhierro.travel

Von Petra Sparrer

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.