Santorin

Am Rand des Vulkans

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Griechenland wie im Bilderbuch: Wie Schwalbennester kleben kleine Orte wie Oia an den Klippen hoch über dem Meer.

Jetzt beginnt für Urlauber auf der griechischen Kykladeninsel Santorin die schönste Zeit. Denn die Temperaturen sind noch angenehm warm und die Touristenströme des Sommers sind abgeebbt. Es sei denn, vor der Insel ankern Kreuzfahrtschiffe und spuken mehrere hundert Passagiere auf das Eiland.

Tief unten funkeln drei Kreuzfahrtschiffe im Morgenlicht. Von oben, von den Cafés und den schmalen Hotelterrassen, die wie Vogelnester an der Kante des Kraters kleben, sehen sie wie Spielzeug aus. Die Sonne leuchtet eine Szene aus, die einmalig ist in Griechenland, einmalig in der Welt und nur auf der Insel Santorin erlebt werden kann.

So traumhaft sie heute wahrgenommen wird, so sehr spiegelt dieses spektakuläre Bühnenbild eine Katastrophe wider, die vor gut 3600 Jahren einen Großteil der ägäischen Welt zerrissen hat. Alles Leben auf dieser Insel und im weiten Umkreis wurde durch den Vulkanausbruch zerstört, eine Hochkultur unter Asche und Staub verschüttet. Ihre Relikte wurden erst 1967 bei Akrotiri entdeckt, weit im Süden der Insel – seinerzeit nicht nur in Gelehrtenkreisen eine Sensation.

Dort, in den Ausgrabungsfeldern, lassen sich erstaunliche Spuren einer großen Zivilisation entdecken: Wie haben sie gelebt, die „alten Griechen“, wie haben sie ihre Kanalisation organisiert, ihre Lebensmittel gelagert, wo und wie haben sie gefeiert? Nur ein paar hundert Meter weiter an der Südküste: Entdeckungen der ganz anderen Art, wunderbar mit denen von Akrotiri zu kombinieren, ein halbes Dutzend kleiner, allerdings steiniger Strände. Bestückt mit Tavernen, deren Rhythmus so ganz anders tickt als oben am Kraterrand in den Restaurants mit dem internationalen Flair.

Zwischen Himmel und Meer

Santorin zwischen Himmel und Meer

Später Vormittag, die Sonne hat inzwischen die Dörfer am Kraterrand aufgeheizt. Zeit für einen eiskalten Frappé im Hauptstädtchen Fira. Die Hauptstraße ähnelt einem Basar. Unter Markisen und auf Ständen, die die enge Gasse noch schmaler machen, wird der übliche internationale Kitsch angeboten. Wer angesteckt ist vom Santorin-Virus, wird vielleicht schon mal in die teilweise luxuriösen Herbergen schauen, die in atemberaubender Lage über der Caldera zu schweben scheinen. Viele Tagesgäste, die mit den Schiffen kommen und die Insel im Schnelldruchgang abhaken, träumen von Santorin im nächsten Jahr – von ein paar Tagen zwischen Himmel und Meer, vom Sundowner auf der Miniterrasse über dem Krater, vom Farbschauspiel beim Sonnenuntergang.

Oia, der zweitgrößte und ruhigere Ort, liegt in der Nordwestecke der Insel. Der Kraterrand ist dort etwas niedriger als bei Fira, aber der Blick in die Caldera nicht weniger spektakulär. Ein nautisches Museum erinnert an die große Zeit der Seefahrer von Santorin. Die nobelsten Häuser im Ort gehören noch heute den alten Kapitäns- und Reeder-Dynastien.

Der Herbst, der bis weit in den Oktober hinein für milde Temperaturen und warmes Licht sorgt, ist wie überall in der Ägäis auch auf Santorin die schönste Zeit für erholsame Tage. Der Tanz auf dem Vulkan weicht ruhigeren Schritten und geht hier in gemächliches Flanieren über. Wenn aber an manchen Tagen doch mal wieder ein paar hundert Kreuzfahrer auf einmal die Insel entern, setzt man sich in ein Lokal in einem der „Hinterhöfe“, ausnahmsweise mal ohne Blick in die Caldera, und genießt die Ruhe, die Sonne und das Licht.

Von Bernd Schiller

Service: Saison für Kenner

Reiseziel:  Das Inselarchipel Santorin liegt in der griechischen Ägäis und gehört zur Inselgruppe der der Kykladen.

Reisezeit/Klima: Der Herbst ist die ideale Reisezeit für Santorin: nicht zu heiß (max. 24 Grad), entspannte Atmosphäre, bis Mitte Oktober warmes Licht und gutes Badewetter.

Anreise: Direktflug mit Condor ab Frankfurt oder via Athen mit Aegean Arlines.

Pauschalangebote: Verschiedene Veranstaltern wie TUI, Neckermann, Jahn-Reisen oder DER haben Santorin im Programm. Spezialisiert auf Griechenland ist u.a. Attika-Reisen, www.attika.de

Reiseführer: Dumont-Taschenbuch (16,99 Euro).

Auskunft:  Griechische Zentrale für Fremdenverkehr, Holzgraben 31, 60313 Frankfurt a.M.,
T 0 69 / 2 57 82 70 info@visitgreece.com.de

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