Neapel: Im Schatten des Vesuvs

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Blaues Meer links, ein Häusermeer rechts - der Golf von Neapel ist nach der italienischen Großstadt benannt, um die viele Touristen einen Bogen machen.

Pompeji und Pozzuoli - und vor der Küste gleich Capri: Neapel ist zwar kaum die schönste Stadt Italiens, aber besser als sein ramponierter Ruf. 

Neapel gehört nicht gerade zu den italienischen Vorzeigestädten. Verglichen mit Venedig, Mailand oder Rom ist die 1,5-Millionenstadt ein Moloch, bei dem viele Deutsche eher an Mafia und Müllberge denken als an Kunst und Kultur, die es in Nepael natürlich auch gibt. Es ist nicht zu übersehen, dass hier an vielen Fassaden der Putz bröckelt, sich am Stadtrand triste Hochhaussiedlungen ballen und viele weniger verdienen als im reichen Norden. Dafür ist Neapel ein idealer Ausgangspunkt für Touren in die Umgebung.

Auf dem Weg zum Vesuv.

In Pozzuoli zum Beispiel, direkt vor den Toren der Stadt, steht das Anfiteatro Maggiore - mit einem Durchmesser von fast 150 Metern eines der größten ganz Italiens und gleichzeitig das älteste. In seinen besten Zeiten, als Brot und Spiele zum antiken Alltag gehörten, amüsierten sich bis zu 45 000 Zuschauer auf den Rängen. Die Senatoren hatten ihre eigene VIP-Lounge, Schutz vor Sonnenbrand bot ein überdimensionales Segeltuch, das über das offene Dach gespannt wurde, im Kellergeschoss waren die wilden Tiere für die Kämpfe gegen die Gladiatoren eingesperrt.

Wer in Neapel durch die Straßen schlendert, denkt nicht an den Vesuv - und schon gar nicht daran, wie gefährlich er werden könnte. Dabei ist er immer mal wieder am Horizont zu sehen - vor allem an klaren Tagen mit blauem Himmel, die im Herbst gar nicht so selten sind. So dominierend wie früher ist der Vulkan nicht mehr: Vor seiner gewaltigen Explosion im Jahr 79 nach Christus war er doppelt so hoch.

Ein Ausflug an den Krater gehört für viele Touristen dazu. Die meisten fahren mit dem Bus oder dem Auto in den Parco nazionale del Vesuvio. Schon auf dem Weg dorthin sind von der Autobahn aus riesige schwarze Lavabrocken zu sehen, die seit dem schrecklichen Ausbruch in der Antike dort liegengeblieben sind.

Pompeji - Ruinenstadt am Golf von Neapel

Der Aufstieg ist anstrengend. Wer den Blick bis zum blau leuchtenden Mittelmeer wandern lässt, kann sich gar nicht vorstellen, wie kalt es dort oben wird. Giro, der Guide, der oben am Rand des Kraters entlangführt, trägt zum Dreitagebart zwar Sonnenbrille, aber auch Wollmütze und hat den Reißverschluss seiner Jacke bis zum Kinn hochgezogen.

In der Region rund um den Vesuv leben heute rund drei Millionen Menschen. Die Vorstellung, dass der schlafende Vulkan irgendwann einmal wieder explodieren könnte, scheint niemanden von ihnen in Panik zu versetzen. Dabei ist das durchaus denkbar - und manche halten es sogar für wahrscheinlich. Was bei einem Ausbruch passiert, ist nirgendwo so gut zu sehen wie in Pompeji. Die Ausgrabungsstätte ist heute eine der wichtigsten Touristenziele am Golf von Neapel.

Millionen von Besuchern aus aller Welt kommen jedes Jahr dorthin. Buchstäblich busseweise landen sie vor dem Eingang zur antiken Stadt, strömen in die Souvenirgeschäfte und an die Stände mit dem ganzen Sortiment an Touristentrödel. Kurz darauf stehen sie auf dem Forum, dem Haupt- und Marktplatz mit den Überresten der Curia - dem Rathaus - und des Tempels, der dem römischen Göttervater Jupiter geweiht war.

Typisch für Capri

Der Klassiker unter den Tagesausflügen am Golf von Neapel ist ein Abstecher nach Capri. Auch im Herbst ist der Himmel dort noch oft so blau wie das Mittelmeer, das von der gerade zehn Quadratkilometer großen Insel von vielen Stellen aus zu sehen ist. Schon wenn Capri bei der Überfahrt mit der Fähre zum ersten Mal ins Blickfeld gerät, versteht man, warum es schon im 19. Jahrhundert für viele Deutsche zum italienischem Traumziel geworden ist. Neapel ist plötzlich weit weg - und Capri eine Welt für sich, in der man sich Müllberge und Mafia schwer vorstellen kann.

Felensinsel Capri

Im Gegenteil: Wer mit der Standseilbahn Funicolare auf die fast 150 Meter höher gelegene Piazzetta fährt, hat den Eindruck, hier gehe es überall schick und gediegen zu. Manche Touristen bewegen sich dann nur noch wenige hundert Meter durch die umliegenden Straßen. Aber Capri hat auch ganz andere Seiten, die sich am besten bei einer Wanderung über die Insel entdecken lassen. Ein lohnendes Ziel sind die Giardini di Augusto: Von den Gartenanlagen hat man einen tollen Blick aufs Meer und die Faraglioni, die spitzen Felsformationen vor der Küste, die so typisch für Capri sind.

Ein weiteres Ziel ist die Villa Jovis, der Palast, von dem aus der römische Kaiser Tiberius sein Reich regierte, fernab von Rom. Er liegt direkt an der Steilküste hoch über dem Meer. Die Ruinen geben allerdings nur einen ungefähren Eindruck von den Ausmaßen des riesigen Bauwerks aus dem ersten Jahrhundert nach Christus.

„Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt und vom Himmel die bleiche Sichel des Mondes blinkt“, wie der Schlager über die Capri-Fischer es schaurig-schön beschwört, sind die meisten Touristen wieder weg. Dann wird es ruhig rund um die Piazzetta. Und manche behaupten, die Insel sei nun sogar am schönsten. Wer Zeit hat, bleibt über Nacht. Allerdings sind die Hotelpreise nicht ganz ohne - den Großteil der Capribesucher zieht es deshalb spätestens mit der letzten Fähre zurück ans Festland.

Von Andreas Heimann, dpa

DIE REISE-INFOS ZU DER GOLF VON NEAPEL

ANREISE: Ab Deutschland gibt es Nonstop-Verbindungen nach Neapel zum Beispiel ab Frankfurt am Main, München und Berlin. Die Flugzeit ab Frankfurt beträgt knapp zwei Stunden.

BESTE REISEZEIT: Im Herbst ist es am Golf von Neapel noch ausgesprochen angenehm. Regenwetter ist die Ausnahme, blauer Himmel die Regel. Baden im Mittelmeer ist im Süden Italiens im September und Oktober kein Problem.

WOHNEN: In Neapel selbst, aber auch entlang des Golfs gibt es eine breite Auswahl an Hotels, die Küste ist traditionell eine beliebte Ferienregion.

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