Vor 50 Jahren begannen in Kroatien die Dreharbeiten für den ersten Winnetou-Film

Der Schatz im Silbersee

Winnetou-Guide Zvonimir Cubelic: Seine Begeisterung geht soweit, dass er sogar waghalsige Klettereinlagen hinlegt, um für die Touristen Motiv zu stehen. Foto: Schreiber

Die Paklenica-Schlucht bietet immer noch ein eindrucksvolles Naturschauspiel, aber von den hohen Granitwänden baumeln Seile, an denen Kletterer hängen, und der einst wilde Fluss wurde gebändigt. Lediglich Schilder weisen auf die zahlreichen Szenen hin, in denen Banditen Postkutschen überfielen und Indianer sich von Felsen auf ihre reitenden Feinde stürzten. Sobald man ein Stück weiter in die Schlucht gewandert ist, erblickt man jedoch die ursprüngliche, wilde Natur.

Die bleichen Berge lugen durch das Dach des Waldes, der bald den Blick frei gibt auf die Flanken der Gipfel. Sie sind kaum bewachsen, nur Büsche klammern sich am steinigen Untergrund fest. Über die Plateaus weht ein strammer Wind, der dürre Äste vor sich hertreibt. Eine Szene aus dem Bilderbuch der Westernfilmer. Bald hat man das Gefühl, dass Winnetou und Old Shatterhand hinter dem nächsten Felsvorsprung warten.

Zu Fuß auf den Spuren der Apachen

Wandern ist die einzige Möglichkeit, um das kroatische Hinterland kennenzulernen, ein Gespür für die Natur und einen Einblick in die Winnetou-Szenerie zu bekommen. Wer einen ersten Schritt auf Winnetou zumachen will, braucht nicht mehr als Trekkingschuhe und Verpflegung für eine eintägige Tour. Aber um die wichtigsten Schauplätze der Region zu besuchen, braucht man dann doch einen Jeep, der sich durchs Geröll frisst. Und einen Winnetou-Guide wie Zvonimir Cubelic.

In der ebenen Landschaft nahe der Küste reißt für den Besucher unvermittelt die Erde auf. Die Zrmanja bahnt sich ihren Weg durch die Schlucht, hoch droben turnt Zvonimir über die Felsen, macht Indianer-Geräusche und wartet bis die Kameras klicken. Bei Winnetou hat der Fluss als Rio Pecos und als Colorado Karriere gemacht. „Sieht aus wie der Grand Canyon, ist aber in Kroatien“, sagt Zvonimir und nickt stolz. Von hier aus blicken Winnetou-Touristen auch auf das markante Bergmassiv des Tulove Grede (Nugget tsil), unter dessen Felsnadeln sich einige der actionreichsten und emotionalsten Momente im Leben Winnetous abspielten.

Das Grab von Intschu tschuna und Nscho tschi ist Pflicht für alle Besucher dort oben. Schon von weitem sind die beiden Felspyramiden zu sehen, unter denen Winnetous Vater und seine Schwester ihre letzte Ruhe gefunden haben. Manche kommen gar auf die Idee, Actionszenen nachzuspielen. Auf seinem Handy hat Zvonimir einen Film von zwei verkleideten Wienern auf Pferden gespeichert. Nach ein paar Sekunden springt jemand vom Felsen auf die Reiter und wirft sie zu Boden. Zvonimir wollte nicht mitmachen. „Das war mir zu gefährlich.“

Von Christian Schreiber

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