Schatzkammer mit Geschichte

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Baustelle: Nur der rote Bagger lässt ahnen, dass von dem romantischen Schloss Altenstein momentan nur die Außenmauern stehen.   

Die Schlösser Südthüringens haben viele Facetten – und einige von ihnen erstrahlen in neuem Glanz

Dass ich mal privatkapitalistischer Unternehmer werde ...“: Martin Koenitz lacht. Der DDR-Pfarrerssohn ist Antiquar – und Schlossherr. Wie es dazu kam? „Große Projekte sind teuer – die ganz großen eher günstig.“ 85 000 Euro hat er 2007 für das marode Renaissanceschloss Herrenbreitungen, ein ehemaliges Benediktinerkloster, bezahlt. Inzwischen sind Kredite und viel Handwerkerschweiß geflossen, haben Architekten, Statiker und Restauratoren sich die Köpfe zerbrochen. Immer noch packen auch Dorfbewohner mit an. Entstanden sind bisher Zimmer für fünfzig Gäste, Seminarräume, Festsaal und Café. In der romanischen Basilika wird musiziert, im Hof gefeiert, Kinder lernen Brotbacken. „Das hier ist ein ungeschliffener Diamant“, sagt Koenitz. Irgendwann soll im Fürstenflügel die Ausstellung „Luther und die Hexen“ einziehen, die schon im nahen Schmalkalden gezeigt wurde.

Kai Lehmann war dort der Kurator. Das Thema Hexenverfolgung bewegt ihn ebenso wie Martin Koenitz. Der kann, obwohl mit vier Kindern gesegnet, „nicht so richtig lachen über Bibi Blocksberg“. Hier in Südthüringen sei jede zehnte Familie von Hexenverbrennungen betroffen gewesen. Das hessische Schmalkalden war da eine rühmliche Ausnahme; die einzige hiesige „Hexe“ saß im Kristallturm des Schlosses ein.

Wilhelmsburg ist eines der Schlösser, die zum Label „Schatzkammer Thüringen“ gehören. Und diese Kammer ist randvoll. Zu verdanken ist das der Kleinstaaterei – den zahllosen Grafen, Fürsten und Adligen, die Burgen und Residenzen samt wertvollen Sammlungen und großen Gärten anlegten. Verwirrend auch die dynastische und territoriale Zugehörigkeit der Teilstaaten: Was war wettinisch, hennebergisch, fränkisch, sächsisch? Schmalkalden war hessisch, und heute noch steht man mit einem Bein in Hessen: Schmalkalden gehört zum Sprengel Hersfeld. Fantastisch erhalten und frisch restauriert, geben die Räume des Schlosses, das Landgraf Wilhelm IV. bauen ließ, mit ihren schwelgerischen Wand- und Deckengemälden einen Eindruck von der Lebensfreude des 16. und 17. Jahrhunderts.

Nicht unerwähnt lassen will der Museumsdirektor, dass „Taufen und Saufen“ zusammengehörten; zeitweise habe sogar sonntags Taufverbot geherrscht, „weil die Paten von den Alltagsfesten zu betrunken waren, um das Kind zu halten“. So erklang in der Kirche von Schloss Wilhelmsburg die älteste Orgel Thüringens eher wochentags.1590 gebaut, ist sie noch heute spielbar.

Dass hier die Musik spielt, wird man auch von Schloss Altenstein in ein paar Jahren wieder sagen können. Hinter der Renaissance-Fassade, die nach einem Brand vor dreißig Jahren als einziges stehen blieb, werden ein Konzertsaal und eine Brahms-Gedenkstätte an die musische Vergangenheit der Sommerresidenz der Meininger Herzöge anknüpfen. Das Ensemble von romantischem Schloss und weitläufiger Parklandschaft hat Rosamunde-Pilcher-Qualität – very british, besser noch: verwunschen.

Service

Informationen zu den vorgestellten Schlössern:
Schloss Breitungen/Werra: www.schloss- breitungen.de
Schloss Wilhelmsburg/Schmalkalden: www.museumwilhelmsburg.de
Schloss und Park Altenstein: www.schloss- altenstein.de
Zu den schönsten Schlössern und Gärten Thüringens: www.schatzkammer-thueringen.de
Zum Urlaub in Thüringen: www.thueringen- entdecken.de

Von Cornelia Raupach

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