Der Wolfgangseer Advent im Salzkammergut bietet drei romantische Märkte rund um den See

Mit dem Schiff zum Christkind

Stille Winterlandschaft: Die Wallfahrtskirche über dem See ist das Wahrzeichen von St. Wolfgang im Salzkammergut. Vom ersten Schnee des Winters überzuckert, präsentieren sich die Berge Osterhorngruppe am Südufer des Sees. Fotos: Lothar Steimle

Noch kein Vierteljahr ist es her, dass im Wolfgangsee gebadet wurde. Jetzt, kurz vor Weihnachten, fühlen sich nur noch die Enten in den dunkelkalten Wellen wohl.

Und trotzdem warten Menschen auf das Linienschiff – nicht mal wenige und auch nicht vergebens. Denn wenn andernorts die Weißen Flotten längst bis Frühling eingemottet sind, werden am Wolfgangsee die Dampfer nochmal aus dem Winterschlaf erweckt, um Gäste – erwartungsfroh und wetterfest vermummt – zum Christkind über den See zu bringen.

Drei Märkte werden angesteuert: St. Gilgen, Strobl und St. Wolfgang, die bekannten Ferienorte am See, die jetzt in weihnachtlichem Glanz erstrahlen. Budengassen, Krippenzauber, Lichterschmuck und tausend Düfte warten auf den Kirchplätzen und Promenaden. Und mit der Überfahrt auf dem winterlichen, manchmal etwas rauen See, wird aus drei Weihnachtsdörfern etwas Unverwechselbares: der Advent am Wolfgangsee!

An den Wochenenden vor Weihnachten, jeweils donnerstags bis sonntags, zieht der Wolfgangseer Advent Zehntausende Besucher an. Im Zentrum des Geschehens steht St. Wolfgang, der vielgeliebte Ort des „Weißen Rössl“ aus Benatzkys Operette, der Schafbergbahn und der Wallfahrtskirche über dem See. Das alles rückt ein bisschen in den Hintergrund, wird prächtige Kulisse einer wohlsortierten Budenstadt.

Lebkuchen und Kletzenbrot

Die engen Gassen durch den Ort sind mit einem Wald von Tannenbäumen geschmückt, Laternen und Fackeln sorgen für Herzenswärme, und aus den Buden dringt helles Licht und manch geheimnisvoller Duft nach draußen. Zu kosten gibt es nicht nur „heiße Medizin“ in Form von Punsch und Glühwein. Wer erfahren möchte, wie die Weihnachtszeit im Salzkammergut so schmeckt, muss Ischler Lebkuchen probieren, Nuss- und Fruchtgebäck und natürlich Kletzenbrot, eine Spezialität mit getrockneten Birnen – eben den Kletzen – die im Advent in keinem Haushalt der Region fehlen darf. Nebenan die kleine Menschentraube schaut dem Schmiedemeister zu, der funkenstiebend einen „Glückshuf“ hämmert; aus dem Südtirolischen wird Räucherspeck und Schnitzkunst feilgeboten, aus St. Gilgen stammen große Weihnachtskerzen und aus Gmunden die Keramik mit den unverkennbar grünen Streifen.

Wie dies und das entsteht führt der Lebzelter – der Lebkuchenbäcker -– im Weißen Rössl vor. Dort, in der Back- und Bastelstube, kann man die Kinder eine Weile ihren Träumereien überlassen, für konkrete Wünsche an das Christkind ist die Engerl-Post am Rathaus zuständig.

Eine Laterne auf dem See

Draußen auf dem See, vorbei am Friedenslicht, der weltweit größten schwimmenden Laterne, gleiten die Schiffe weiter Richtung Strobl am Ostufer des Sees. An der Promenade und am Kirchplatz nimmt hier das Marktgeschehen seinen Lauf: Schaf, Ziege, Ochs und Esel, sogar ein stolzer Hirsch, lassen in der kleinen Budenstadt den Stall von Bethlehem lebendig werden. Wer alte Holzschnitzkunst und detailverliebte Basteleien mag, ist in der Krippenschau im Ort gut aufgehoben.

Nicht minder zauberhaft geht es in St. Gilgen zu. Stolze Wirts- und Bürgerhäuser und der barocke Kirchturm verleihen auch dem dritten Markt am See sein ganz besonderes Gepräge. Von der Uferpromenade, wo eine elf Meter hohe Weihnachtskerze einem Leuchtturm gleich den Schiffen ihren Weg weist, bis hinauf zum Mozartplatz kann man sich in Festtagsstimmung bringen lassen. Noch ein paar Wochen bis Weihnachten, dann kehrt wieder Ruhe ein – bis zum Frühling, wenn die ersten Sommerfrischler wieder an den See kommen.

Von Lothar Steimle

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