Mit dem Ausbau alter preußischer Schlösser zu Schlosshotels erhält Polen neue touristische Attraktionen

Schlösser auf Hochglanz poliert

Schloss Lomnitz: In dem kleinen als Witwensitz erbauten Schloss betreibt die Familie von Küster nun ein Hotel mit 40 Betten und ein Restaurant. Foto: dpa

Für einen Paukenschlag im europäsichen Machtgefüge sorgte Preußenkönig Friedrich II. kurz nach seinem Amtsantritt: Er ließ seine Truppen im Jahr 1740 in Schlesien einmarschieren, ärgerte seine Widersacherin Maria Theresia von Österreich und eröffnete seinen Höflingen eine Möglichkeit, dem Hof zu entkommen, ohne ihm allzu fern zu sein.

Einige Jahre später sah Friedrich-Wilhelm III., Enkel des Alten Fritz, im Hirschberger Tal sein persönliches Traumziel. Nur eine gute Tagesreise von Berlin entfernt, bezog er in Erdmannsdorf (Myslakowice) am Fuße der Schneekoppe ein von Karl-Friedrich Schinkel umgebautes königliches Schloss als Sommerfrische, und andere vom Berliner Hof folgten dem Beispiel des preußischen Monarchen.

Inzwischen, so lehrt der Verlauf der Geschichte, gehören Preußens Glanz und Gloria längst der Vergangenheit an. Lange Zeit waren die einstigen Prachtschlösser und Herrenhäuser dem Verfall preisgegeben. Doch vor eingen Jahren begann man damit, die einstigen Prachtobjekte im Umkreis von Hirschberg (Jelenia Góra) zu restaurieren.

Bürgerliche Schlossbesitzer

Zum Beispiel das Wasserschloss in Karpniki (Fischbach). Einst in Besitz des Prinzen Wilhelm von Preußen, einem Bruder von König Friedrich-Wilhelm III., blieb der stolze Renaissancebau lange Zeit unbeachtet und verfiel. Und war dabei doch, wie der jetzige polnische Schlossbesitzer Jacek Marsior beteuert, „eines der schönsten Gebäude im Hirschberger Tal“. Nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten kann man dort als Schlossgast übernachten.

Über eine bürgerliche Tradition verfügt das Schlosshotel Wernersdorfer Bleiche in Pakoszow (Wernersdorf). Dort residierte einst einer jener legendären Schleierherren, die mit der Veredelung von Leinen reich wurden. Zu ihnen gehörten auch die Vorfahren der Familie Hartmann, die im Jahr 1945 ihren Besitz aufgeben und das Land in Richtung Deutschland verlassen musste. Doch dann ergab sich im Jahr 2004 die unerwartete Gelegenheit, das Grundstück zurückzukaufen und zu einem Schlosshotel umzugestalten.

Dem Architekten Christopher-Jan Schmidt steht der Restaurator Christoph Wetzel zur Seite, der noch vor wenigen Jahren die Innenkuppel der Dresdener Frauenkirche künstlerisch ausgestaltete. Ähnlich wie dort soll auch hier auf dem Wege der illusionistischen Malerei ein Gesamtkunstwerk entstehen, das in dem 45 Quadratmeter großen Deckengemälde des Barocksaals seinen Höhepunkt findet.

Auch das Schloss Lomnica (Lomnitz) hat mit der Adelsfamilie von Küster die einstigen Besitzer zurückerhalten. Denn von 1835 bis 1945, so erzählt die sympathische Elisabeth von Küster, war das stattliche Anwesen in Besitz der Familie ihres Mannes. Anlässlich des Ausbaus zum ersten Schlosshotel im Tal löste es eine Initialzündung aus, der andere Projekte folgten. „Und je mehr renovierte Schlösser es hier gibt, umso attraktiver wird das Tal“, bemerkt die Besitzerin mit einem zuversichtlichen Lächeln.

Von Bernd Kregel

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