Schon Erich Kästner war von der „Dresdner Molkerei – Gebrüder Pfund“ in der Dresdner Neustadt begeistert

Im schönsten Milchladen der Welt

Im Guiness-Buch der Rekorde: Die Molkerei der Brüder Pfunds in der Dresdener Neustadt darf sich offiziell „schönster Milchladen der Welt“ nennen. Foto: Seger

Wer nach Dresden kommt, wird schnell schwärmen: Nicht nur von der Frauenkirche, der Semperoper und dem Zwinger, sondern auch vom schönsten Milchladen der Welt.

Das kleine Geschäft in der Bautzner Straße beeindruckt seine Besucher mit märchenhaft schönen Wänden und Decken. Hunderte von handbemalten Keramikfliesen fügen sich dort zu einer prunkvollen Augenweide mit prächtigen Ranken und Blüten, aber auch spielenden Knaben, beflügelten Putten und vergnügten Mädchen zusammen.

Wände wie ein Bilderbuch

Wie in einem Bilderbuch tummeln sich die fröhlichen Kinder auf den Fliesen, um unbekümmert zu plaudern. Einige füttern nebenbei Tauben, andere schauen flirrenden Schmetterlingen zu – oder füllen heiter Milch in Kannen und Glasflaschen ab.

„Es sind 247 Quadratmeter Fliesen von Villeroy und Boch, die schon Erich Kästner begeisterten“, erklärt Frank Zabel, Geschäftsführer der „Dresdner Molkerei – Gebrüder Pfund“. Der dreiteilige Ver-kaufsraum in der Dresdner Neustadt ist im Jahr 1891 vom Landwirt Paul Pfund als erste seiner fünfzig Filialen eröffnet worden, um eine hygienische Milchversorgung der Großstädter aufzubauen. Sechs Kühe brachte der erfolgreiche Landwirt aus Reinholdshausen mit, um sie öffentlich in einem Schaufenster seines Hauptgeschäftes an der Görlitzer Straße zu melken – und damit eine wahre Frischmilcheuphorie bei den Dresdnern auszulösen.

„Er war ein echter Pfundskerl, der mit seinem Bruder Friedrich in wenigen Jahrzehnten ein riesiges Milchimperium mit 500 Angestellten, Labor, Etiquettendruckerei, Kartonfabrik, Werkstätten und einer eigenen Schneiderei für Milchkutscheruniformen aufbaute“, erzählt Frank Zabel. Sogar Dienstwohnungen und eine Betriebskrankenkasse habe Paul Pfund eingerichtet. „Und er stellte die erste Kondensmilch in Deutsch-land her“, ergänzt Zabel. Allerdings hat der zweite Weltkrieg sämtliche Pfundgebäude zerstört – nur den Laden an der Bautzner Straße nicht.

Seit dem Jahr 1998 steht das Geschäft als „schönster Milchladen der Welt“ im Guinnessbuch der Rekorde. Bis zu 2000 Besucher kommen an Spit-zentagen, um sich die Keramikwände anzuschauen, ein Glas Buttermilch zu trinken oder ein Stück Rohmilchkäse an der historischen Ladentheke zu kaufen.

„Da kann es im Verkaufsraum schon einmal eng werden“, sagt Frank Zabel. „Aber an den meisten Tagen geht es bei uns ruhiger zu.“

Von Martin Seger

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.