Mit Bernhardinern wandern

Auf dicken Pfoten

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Treuer Begleiter: Auf dem Großen Sankt Bernhard kann man die Bernhardiner für Wanderungen buchen.

Bernhardiner sind Gemütshunde und treue Begleiter. Vor allem Kinder lieben sie. Auf dem Großen Sankt Bernhard an der Grenze zwischen der Schweiz und Italien kann man im Sommer mit den Tieren wandern.

Nein, sie haben kein Schnapsfassl am Halsband. Auch wenn auf vielen Bildern scheinbar der Behälter mit hochprozentigem Inhalt zur Grundausstattung der Bernhardiner gehört, so handelt es sich dennoch um eine Legende ohne Substanz. Die Tiere, die den Sommer über auf dem Großen Sankt Bernhard unterwegs sind, haben ein ganz normales Halsband und eine Hundeleine. Und an der führen besonders Familien mit Kindern sie gerne spazieren.

Seit dem Mittelalter werden die Hunde im Hospiz der Augustiner-Chorherren auf dem Großen Sankt Bernhard gezüchtet.

Jedes Jahr verbringt ein gutes Dutzend der Hunde den Sommer auf der Passhöhe in 2469 Metern. Hier ist die Heimat der Schweizer Wappenhunde, die bereits im 17. Jahrhundert von den dort lebenden Mönchen im Hospiz gehalten wurden. Wegen ihrer Größe, Kraft und Robustheit wurden diese Tiere, die mit den heute bekannten Bernhardinern jedoch äußerlich nicht mehr viel gemeinsam hatten, zum Tragen und Ziehen von Lasten eingesetzt – der Weg vom Schweizer Wallis ins italienische Aostatal war lange nur ein Saumpfad, erst im Jahr 1905 wurde die Passstraße fertiggestellt.

Die Legende mit dem Schnapsfass stammte vermutlich von Soldaten aus Napoleons Großer Armee, die im Mai 1800 mit 46 000 Mann den Pass erreichte. Die Augustiner-Chorherren, die das Hospiz auf dem Großen Sankt Bernhard betrieben, hatten ihre Hunde als Transporttiere eingesetzt, um den erschöpften Soldaten Verpflegung zu bringen. Und weil die Bernhardiner schon damals als Lawinensuchhunde dienten, kam wohl das eine zum anderen.

Eine durch Fakten untermauerte Legende ist dagegen Barry, der Anfang des 19. Jahrhunderts auf dem Großen Sankt Bernhard über 40 Lawinenopfern das Leben gerettet haben soll. Dieser Bernhardiner lebte von 1800 bis 1814, sein Fell wurde nach seinem Tod präpariert und ist heute im Naturhistorischen Museum in Bern ausgestellt. Noch heute werden Suchgeräte für von Lawinen Verschüttete als Barryvox bezeichnet.

Nach diesem legendären Tier ist überdies die Fondation Barry benannt, die im Jahr 2005 den Augustiner-Chorherren die Bernhardinerzucht abkaufte, da die Mönche den Aufwand der Zuchtstation – die weltweit älteste und bedeutendste für diese Rasse – nicht mehr artgerecht übernehmen konnten. Seither wachsen die Tiere in Martigny auf, wo sich auch das einzige Museum der Schweiz befindet, das den Bernhardinerhunden gewidmet ist.

Bis Ende August können Besucher mit den Bernhardinern spazieren gehen. Die Wanderungen auf der Passhöhe auf zumeist ebenen Wegen sind gut für Kinder geeignet, da die Rasse als sehr sanftmütig und liebevoll gilt, die ein ausgeprägtes Beschützerverhalten hat – aber auch einen ordentlichen Dickkopf, den man einfach mögen muss. „Unsere Bernhardiner erobern jedes Herz im Sturm“, sagt Ruedi Thomann, Geschäftsleiter der Fondation Barry.

Im Oktober, wenn für die Passstraße die Wintersperre beginnt, heißt es für die Bernhardiner Abschied nehmen vom Großen Sankt Bernhard. Dann geht es wieder runter ins Tal. Dort dürfen sie dann im Schnee toben – ohne Schnapsfass.

Volker Pfau

Fondation Barry – Die Reise-Infos

  • Wanderungen auf dem Großen Sankt Bernhard finden bis 31. August täglich mit maximal 10 Personen statt. Beginn um 10 und 14 Uhr.
  • Preis: Erwachsene 48 Schweizer Franken (rund 39 Euro), Kinder von 6 bis 16 Jahren 8 Schweizer Franken (rund 6,50 Euro). Der Eintritt in die Hospiz-Zuchtstätte und das dazugehörige Museum ist im Preis inbegriffen.
  • Von Dezember bis Februar finden in Champex-Lac Winterwanderungen statt, im März und April wird entlang des Walliser Weinweges gewandert.
  • Weitere Info und Anmeldung bei Fondation Barry, Tel. 0041/27/722 65 42, www.fondation-barry.ch.

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