Betten statt Eisenerz

Erhaben schlafen im Bergwerksilo

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Bed & Breakfast im Silo: Wo früher Eisenerz abgebaut wurde, schlafen heute Gäste in vier Zimmern und genießen beim Frühstück die weite Sicht.

Schlafen in einem Speicher, in dem früher Erz gelagert wurde – das klang interessant. Die Betten stehen in einem alten grauen Siloturm, der vom Erzabbau Mitte des vorigen Jahrhunderts übrig geblieben ist.

Mein Gedanke: Das muss ich ausprobieren! Meine einzige Sorge: Wie spreche ich bloß den Vornamen des Vermieters Ueli Hohl korrekt aus?

Die Anfahrt nach Herznach im Schweizer Kanton Aargau führt am Schluss über ganz kleine Straßen durchs Staffeleggtal. Übersehen kann man das knapp 20 Meter hohe Silo kaum. Eine Reservierung ist sehr zu empfehlen, da es nur vier Gästezimmer gibt. Unten am Parkplatz drücke ich die Klingel, ein freundliches „Grüezi Chris!“ kommt aus der Sprechanlage. Über eine Außenstahltreppe steige ich zum Eingang hinauf.

Die Gastgeber: Brigitte Deiss und Ueli Hohl in ihrer guten Stube.

Brigitte Deiss und Ueli Hohl, denen das Bergwerksilo gehört, empfangen mich im ersten Geschoss in der Bergwerkstube. Von hier geht es eine Etage höher zu den vier Gästezimmern. Jedes ist in einer anderen Farbe eingerichtet, hell und modern. Die Zimmerwand, an der die Betten stehen, ist gebogen – die Außenwand des Silos. Zwei kleine Fenster, wie Bullaugen im Schiff, lassen das Tageslicht herein.

An das ungewöhnliche Bauwerk kam Ueli Hohl, als er vor zehn Jahren von der Aktiengesellschaft der Jurabergwerke, dem früheren Betreiber der Mine, das Angebot zum Kauf bekam. Er hatte schon die ehemalige Werkstatt gemietet und als selbstständiger Mühlenbauer genutzt. Kurzentschlossen griffen die beiden zu und erwarben das leerstehende Silo. Dieses Zeugnis des Bergbaus im Fricktal wollten sie erhalten.

Es war kein Frage, dass Ueli und seine Partnerin Brigitte auch hier wohnen wollten. Der Speicher war noch im Originalzustand, wie damals, als bis 1967 das Eisenerz aus dem Bergwerk hier zwischengelagert wurde. Es mussten Böden eingezogen werden und das Dach wurde in ein Glaskuppeldach umgebaut, damit die Sonne den runden Raum durchflutet.

Dies ist das private Reich von Brigitte und Ueli. Natürlich will man als Gast auch mal rauf, um aus den großen Glasfenstern in die Hügel am Rande des Jura zu blicken. Keine Sorge, man darf rauf, denn hier oben wird das Frühstücksbuffet gereicht und abends treffen sich die beiden gerne mit ihren Gästen zu Gesprächen am grünen Kachelofen, erzählen vom Umbau, von Brigittes Erfahrungen in der Gastronomie und wie sie auf die Idee mit dem Bed & Breakfast gekommen sind.

Es dauert nicht lange, und ich bin mit dem Betreiberpaar des Bergwerksilos per du. Dass für uns Deutsche sein Ur-Schweizer Vorname Ueli fast nicht aussprechbar ist, räumt Ueli Hohl selber ein. Und so bleibt mir auf der Heimfahrt neben den Erinnerungen an die erhabene Übernachtung und einen geselligen Abend mit den Gastgebern dann auch die Artikulationsübung – damit es beim nächsten Besuch mit der korrekten Aussprache von Ueli klappt.

Chris Baumann

DIE REISE-INFOS ZU BED & BREAKFAST IM SILO

REISEZIEL Die Gemeinde Herznach hat 1350 Einwohner und liegt im Stafeleggtal im Schweizer Kanton Aargau. Eine erste Erwähnung über den Eisenerzabbau stammt aus dem Jahr 1207, zuletzt wurde von 1937 bis 1967 in Herznach Erz abgebaut.

ANREISE Von München mit dem Auto über die A96 nach Lindau und via Bregenz in die Schweiz, dort auf der A1 über Zürich und an der Verzweigung Birrfeld auf die A3 Richtung Basel bis Anschlussstelle Frick (Vignettenpflicht!). Über Ueken nach Herznach. Entfernung von München rund 360 Kilometer.

BERGWERK Das Silo wurde zur Zwischenlagerung des Eisenerzes gebaut und 1942 in Betrieb genommen. Das Bergwerk kann nicht besichtigt werden,

PREISE Eine Übernachtung mit reichhaltigem Frühstücksbuffet kostet 70 CHF pro Person (im DZ, rund 58 Euro), im Vierbett-Zimmer (mit Hochbetten) 50 CHF pro Person (rund 41 Euro), W-Lan ist gratis, ebenso die Nutzung des Naturschwimmteichs.

ESSEN Im Bergwerksilo wird Abendessen nur für Gruppen bei Veranstaltungen angeboten. Wer in der Region gut essen will, kann folgende Restaurants besuchen:

Landgasthof Ochsen, Wölflinswil. Menüvariationen ab 47 CHF (rund 39 Euro). Tel. 00 41/62/877 11 06, www.ochsen-woelflinswil.ch.

Wirtschaft Ochsen, Oberzeihen. Ländliche Küche, täglich Braten vom Holzfeuer ab 32 CHF (rund 26 Euro). Tel. 00 41/62/876 11 35, www.ochsen-oberzeihen.ch.

AKTIVITÄTEN Die Gegend rund um Herznach ist ein ideales Wanderrevier. Das ausgeschilderte Wegenetz im Kanton Aargau umfasst derzeit 1650 Kilometer. Infos unter www.aargauer-wanderwege.ch oder unter Tel. 00 41/62/723 59 91.

AUSKUNFT Bergwerksilo, Tel. 00 41/62/534 02 44. www.bergwerk silo.ch.

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