Mit einem Kleinkind zehn Tage auf Aida-Ostseekreuzfahrt – ein Erfahrungsbericht

Seebaby liebt den Wellengang

Eine Seefahrt, die ist lustig: Henri hatte viel Spaß an Bord. Die Wellen, die großen Schiffe, das Schaukeln der Hängematte und die netten Kellner sorgten meistens für richtig gute Laune. Fotos: Bretzler

Henri ist ein Seebaby. Das ist kein seltenes Meerestier, sondern unser 13 Monate alter Sohn. Auf seiner ersten Ostsee-Kreuzfahrt mit der Aida Sol hat er festgestellt, dass er glitzernde Wellen liebt, die Hängematte auf dem Kabinenbalkon, trötende Schiffe im Hafen und Wind, der ihm die Mütze vom Kopf weht. Sein Fazit vorab: Da, da! – übersetzt: Die Reise hat Spaß gemacht. Uns Eltern auch. Dennoch ist es wichtig, sich trotz allen Komforts an Bord vorab im Internet oder per Telefon zu informieren, was man für die Fahrt mit Baby mitbringen muss oder darf.

Die Aida-Hotline beschert uns noch vor Reiseantritt einen Mini-Schock: Wegen des Schiffstahls funktionieren normale Babyfone nicht. Spezielle Geräte sind begrenzt und erst an Bord ausleihbar. Auf der Fahrt zum Hafen Warnemünde sind wir deshalb unter Zeitdruck, geplagt von Visionen, abends neben dem Babybett sitzend das Kulturprogramm zu verpassen.

Schön aber eng

An der Rezeption haben wir Glück. Wir erhalten das Babyfon und eine Babywanne. Reisebett und Windeleimer stehen in der Kabine bereit. Henris Schläfchen muss aber warten, weil wir uns mit dem Kinderwagen in der engen Tür verkanten. Drinnen gibt es kein Vor und kein Zurück mehr, die Kabinen sind zwar schön, aber klein. Wir heben den Wagen täglich übers Doppelbett und schieben ihn auf den Balkon, wenn wir Bad und Schrank benutzen wollen. Windeln wechseln wir auf dem Bett. Für einen Wickeltisch reicht der Platz nicht.

Heul-Alarm mit Weste

Alarm! Schnell die Rettungswesten an und raus an Deck. Doch die für alle Passagiere verpflichtende Seenot-Rettungsübung endet in einer Heul-Katastrophe. Henri wehrt sich tapfer gegen das dicke rote Ungeheuer. Wir können den Zappelphilipp wegen des enormen Volumens der Weste kaum festhalten.

Zum Glück muss Henri auch auf hoher See nicht auf die Gesellschaft von anderen Kindern verzichten. Die Aida-Kids-Crew betreut zwar erst ab einem Alter von drei Jahren, aber auch die Kleineren dürfen das Piratenzimmer mit Holzschiff zum Klettern, Bälle-Bad und Rutsche benutzen. Die Pools sind für Windelkinder leider tabu.

Während Henri Legosteine sortiert, entdecken wir den einzigen öffentlichen Wickeltisch an Bord. Er befindet sich im WC des Kids-Club, im Heck des Schiffs und fernab der zentralen Restaurants.

Mit frischer Hose geht es täglich in Henris zweiten Lieblingsraum: Das East-Restaurant. Hier sind die netten Kellner, die ihm aus Servietten Piratenhüte und Mäuseohren falten. Die immer lachen und Faxen machen. Und die trotz Stress seine Fläschchen auskochen und Brei aufwärmen.

Kinderwagen sind in Zarenpalästen verboten

Gut organisiert sind die Ausflüge in Metropolen wie Helsinki und Stockholm. Nur in St. Petersburg übernehmen wir uns. Stundenlang tragen wir Henri durch Zarenpaläste. Der Kinderwagen muss draußen bleiben, seine Räder könnten das Parkett zerkratzen. Das trübt den Kunstgenuss. Wer sich das ersparen möchte, sollte auf die Ausflugstipps für Familien setzen.

Unser Fazit nach zehn Tagen: Wer sich von einigen Luxusproblemen nicht schrecken lässt, für den ist eine Aida-Kreuzfahrt mit Baby empfehlenswert. Entspannter ist es, wenn das Kind über drei ist, im Kids-Club betreut werden kann und in den Pool darf. Wir fahren wieder, wenn unser Seebaby aus den Windeln raus ist.

Von Kathrin Bretzler

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