Ostende an der belgischen Nordseeküste verbindet die Städtereise mit dem Strandurlaub

Seeluft, Kunst und Seafood

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Überdimensionale Tüten aus Stahl: Die Kunstwerke setzen Farbkleckse auf die Meerspromenade von Ostende. Aber nicht alle Einheimischen finden sie toll. 

Ostende an der belgischen Nordseeküste verbindet die Städtereise mit dem Strandurlaub

Haushohe Tüten in grellem Orange aus sieben Millimeter dickem Stahl stehen zerknautscht am Zeeheldenplein an der Meerespromenade von Ostende. Familien in Tretautos umkreisen das Werk des belgischen Künstlers Arne Quinze und lassen sich die salzige Seeluft um die Nase wehen. „Viele Anwohner sind sauer, der rosa Schein, der in ihre Wohnzimmer dringt, provoziert sie“, sagt Christa Cortha, die seit 60 Jahren in Ostende lebt. „Die Skulpturengruppe steht für angespülte Fremde, überraschendes Strandgut.“ Die surrealen Farbkleckse heißen „Rock Strangers“ und wirken so schrill wie die Betonbauten aus den 1970er-Jahren.

Ferienstimmung in der Stadt

Christa weist zu dem Seeheldendenkmal ein paar Meter weiter. Ein Fischer schaut in die Weite, ein zweiter blickt zum Boden, in Gedenken an jene, die zur See fuhren und nicht mehr zurückkamen. „Der Pisser“, heißt er im Volksmund, sagt Christa. Kunst darf in der Geburtsstadt des berühmten belgischen Malers James Ensor so anarchistisch sein wie der Humor der Städter. Diese Stadt hat viel Großzügiges.

Der bei Ebbe hunderte Meter breite Strand, das rauschende blaue Meer und das Gefühl von Weite an der verkehrsberuhigten Promenade entrücken vom Alltag. Baden, am Strand wandern, die Sonne untergehen sehen. Wer sich nach sanften Dünen oder malerischer Architektur sehnt, ist in De Panne oder De Haan besser aufgehoben. Aber in Ostende ist es Spannender: zehn Tage im August Theater am Meer, im September Filmfestival und Marathon. Shoppen nach dem Baden, auch sonntags, hochkarätige Kunst im Mu.Zee, Nachtleben in der Langestraat, im Kursaal und im Kasino von Gustave Eiffel.

Königin der Seebäder

Der Kursaal, das Thermae Palace Hotel, der einstige von Galerien gesäumte „Badepalast“ von Leopold II., und die Wellington-Rennbahn stammen aus glamourösen Zeiten vor dem Zweiten Weltkrieg. „Allüren der Belle Epoque,“ sagt Christa und erzählt, wie unter dem prunksüchtigen König unter mysteriösen Umständen die kleinere alte Kirche abbrannte und dann ab 1899 die Kirche St. Petrus und Paulus entstand.

An der Fischtreppe zum Hafen bieten Fischverkäuferinnen den frischen Fang des Tages feil. Ein paar hundert Meter weiter pendelt eine kostenlose Fähre zum Ostufer. Den Hafen können Touristen auf eigene Faust besuchen – oder mit Fremdenführerin Christa.

Um sechs Uhr morgens kommt Luk Bogaert mit seinem Boot vom Meer zurück. Er ist seit 44 Jahren Fischer. Im Rahmen des gastronomischen Programms „A l´Ostendaise“ hilft er den Köchen der Ostender Fischrestaurants, saisonal passende, kreative Fischmenüs auf die Karte zu setzen. „Garnelen und Seezunge sind die Klassiker, aber es gibt sehr viel mehr zu probieren, Franzosendorsch und Pollack zum Beispiel“, sagt Luk. Am ersten Freitag des Monats fischt er nicht und wer sich auf Englisch mehr über sein Leben als Fischer erzählen lassen möchte, kann mit ihm essen gehen.

Hintergrund:  Die Krabbenfischer von Ostduinkerk

Gemütliche Schwergewichte: Mit den Brabanter Kaltblütern reiten die Krabbenfischer von Ostduinkerk ins Meer.

Bei Ebbe reiten sie wie vor 100 Jahren weit ins Meer hinaus. Ihre Seepferde, tüchtige Brabanter Kaltblüter mit gutmütigem Temperament, ziehen auch bei rauem Wind und unruhiger See die Schleppnetze und stehen dabei oft bis zum Hals im Wasser. „Bei schlechtem Wetter ist die Arbeit zwar härter, aber der Wind spült mehr Garnelen zum Strand“, sagt Eddy d´Hulster. Er steigt vom Pferd, wischt sich die Regentropfen von der Brille, sortiert die kleinen grauen Krabben aus dem Tang und den Muscheln und füllt den Fang in seinen Weidenkorb. Die letzten zwölf Krabbenfischer der Küste fischen in Ostduinkerk noch traditionell im Nebenerwerb. Eddy tätschelt sein Pferd Björn und sagt: „Für die Touristen sind wir eine Attraktion“. Familien können mit dem Pferdewagen zum Hof eines Fischers mitfahren und Krabben pulen.
Verkehrsamt Oostduinkerke, T 00 32 / 58 / 51 29 10, www.koksijde.be



Reisetipps: Belgische Nordseeküste

Reiseziel: Vom mondänen Knokke bis nach De Panne mit der Dünenlandschaft (De Westhoek) an der französischen Grenze ist die belgische Küste rund 70 Kilometer lang. Ostende, die größte Stadt (ca. 70 300 Einw.), ist ideal für einen City-Trip am Strand.
Anreise: Mit dem eigenen Auto oder mit dem Zug über Brüssel bis Ostende. Weiter mit der Küstentram, die alle 14 Badeorte miteinander verbindet (2,5 Std., www.delijn.be/dekusttram/de, Tagespass 5 Euro, gilt auch für Flanderns Busse).
Beste Reisezeit: Mai bis Oktober
Infos: Tourismus Flandern, Cäcilienstr. 46, 50667 Köln, T 02 21/27 09 70, www.flandern.com,
Toerisme Oostende, Monacoplein 2, 8400 Oostende T 00 32 / 59 / 70 11 99, www.visitoostende.be

Von Petra Sparrer


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