Die lässige Strandatmosphäre macht das Seebad an der südenglischen Steilküste bei Gästen so beliebt

Seeluft schnuppern in Brighton

Adel verpflichtet, selbst im Bett. Queen Victoria kam dieser Verpflichtung nach, indem sie gleich vier Matratzen übereinander in ihrem Bett stapeln ließ. Nicht etwa, weil sie, wie die berühmte „Prinzessin auf der Erbse“, ihr zartes Hinterteil vor Unregelmäßigkeiten in der Unterlage schützen wollte. Sondern allein deswegen, weil sie auf diese Weise erheblich höher lag und damit selbst in dieser wenig majestätischen Position dem Dienstpersonal immer noch überlegen war.

Das heute noch gut erhaltene Möbelstück stand jedoch nicht in einem ihrer Londoner Paläste. Vielmehr fand es seinen Platz in dem südenglischen Küstenort Brighton, nur ein paar Kutschenstunden von der englischen Metropole entfernt. Hier hatte Georg IV., einer ihrer Vorgänger im Amt, einen „Royal Pavilion“ errichten lassen.

Ästhetische Perfektion und orientalische Verspieltheit

In der verspielten Außenfassade spiegelt sich der Glanz eines indischen Maharaja-Palastes wider, ästhetisch perfekt und in einer orientalischen Verspieltheit, die niemand in dieser Form auf den Britischen Inseln vermuten würde. In seinem Inneren hingegen überzeugt das Prachtgebäude mit chinesischen Preziosen, die zur damaligen Zeit hoch im Kurs standen.

Den schwelgerischen Höhepunkt bietet zweifellos der Bankettsaal als standesgemäße Kulisse für die königlichen Dinners jener Zeit. Teil der phantasievollen und gewagten Ausstattung ist der prächtige Kronleuchter, neun Meter lang und eine Tonne schwer, der aus den Klauen eines versilberten Drachens in der Mitte des Saals von der Decke herabhängt.

Auch heute noch färbt der Royal Pavilion auf die unmittelbare Umgebung ab: Die Stadt schwelgt in bunten Gärten und gepflegten Parkanlagen, in stolzen Hausfassaden und malerischen Plätzen. Gemütlich zu schlendern in den Straßen der Innenstadt ist besonders am Wochenende ein ausgesprochenes Vergnügen. Fast mediterran erscheint bei schönem Wetter das „Eating Out“, das vor zahllosen Restaurants zelebriert wird.

Dazu gibt es mit Brighton Beach ein zweites Zentrum, an dem sich Einheimische wie Gäste ein Stelldichein geben. Im Mittelpunkt der Strand- und Amüsiermeile steht der Brighton Pier. Auf der Seebrücke entfaltet sich zu allen Tageszeiten das pure Leben. Lokale, Spielhallen und Kirmesbuden ziehen die Besucher hinauf auf den langen Brettersteg.

Ein Gerippe im Meer

Ganz im Unterschied zum West Pier am Strandabschnitt des Stadtteils Hove, der nach einem Brand als Stahlgerippe im Meer steht und schon seit längerer Zeit auf seine Wiedererrichtung wartet. Dafür findet dort im Sommer das „Paddle round the Pier Festival“ statt, bei dem Hunderte von Booten an dem größten Paddelwettbewerb der Welt teilnehmen. Unzählige Stände und Unterhaltungsprogramme sorgen für Zerstreuung. Ein besonderer Blickfang sind dabei die Skateboarder und Fahrradakrobaten, die sich von einer riesigen U-Tube aus hoch in den blauen Himmel schwingen.

Brighton wird auch das „London an der See“ genannt und die Hauptstädter tauschen die Metropole gern mal gegen die Kleinstadt ein. Die Festland-Europäer werden es ihnen sicherlich schnell gleichtun, wenn sie erstmal herausfinden, wie schön und facettenreich das Seebad ist.

Von Bernd Kregel

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