Auf den Spuren des Malers durch die Normandie: Kunst-Genuss im Ursprungsland der Impressionisten

Wo sich Monet inspirieren ließ

Unterwegs in der Normandie, in einem Land, das nicht selten vier Jahreszeiten an einem Tag bietet. Eben noch zeigt es sich grau und rau, dann wieder voll üppiger Farben. So ist das immer, in jedem Sommer.

In diesem Jahr zelebriert die historisch, landschaftlich und kulinarisch so reiche Provinz im Norden Frankreichs ein Festival, das alle Sinne anspricht. Vielleicht hat die Region gerade deshalb den Impressionisten ihre besten Motive geliefert. Die Normandie feiert noch bis Ende September den Impressionismus, jene Stilrichtung, die hier vor 150 Jahren entstanden ist.

Wir schauen durchs Fenster eines Fachwerkhauses in Rouen auf die Kathedrale, die als eine der schönsten Europas gilt. Claude Monet hat sie zwischen 1892 und 1894 dreißigmal gemalt, in immer anderem Licht, in wechselnden Stimmungen, ganz so, wie wir sie heute innerhalb weniger Stunden erleben.

Vor uns auf dem Tisch: Ein Kasten voller Farben und ein großes weißes Stück Papier, an der Seite eine Staffelei mit einem Bild, das Claude Monet gemalt hat. Wir sind unterwegs auf den Spuren der großen Maler, die der Welt diesen Blütenrausch in Bildern, diese sanfte Orgie in Farben geschenkt haben. Unterwegs vor allem an den Orten des Claude Monet, der 1872 mit dem Bild eines Sonnenaufgangs, das wenig später „Impression“ genannt wurde, den Begriff für diese Kunstform geprägt hat.

Im Garten von Giverny, Monets wohl schönstem Atelier, lassen wir uns gleich zu Beginn unserer kunst- und genussvollen Rundreise verzaubern, von der Vielfalt der Blumen, dem Duft der Blüten im Obstgarten, dem Anblick der berühmten japanischen Brücke und der noch berühmteren Seerosen im asiatisch angehauchten Bereich.

Hoch über dem Garten, in Monets Haus, in dem er 43 Jahre lang gewohnt hat, drängen wir uns mit unzähligen Besuchern über enge Stiegen und durchs Wohnzimmer bis in die Monet’sche Küche. Dort hören wir zum ersten Mal, dass er sogar eigene Rezepte hinterlassen hat, kulinarische Kompositionen, die wir schon bald hautnah am Herd und bei Tisch nachempfinden werden. Und ein paar Tage später, fühlen wir uns in Honfleur in die Zeit zurückversetzt, als sich hier die Kollegen Monet, Pissaro, Renoir und Cézanne zum Gedankenaustausch trafen, gemeinsam aßen, tranken und natürlich malten.

Nicht abmalen, sondern eigenen Impressionen folgen

Ausgerechnet wir sollen ihnen jetzt nacheifern, vis-à-vis der Kathedrale von Rouen. Was für ein vermessener Versuch. Aber Edith Molet Oghia, eine ebenso charmante wie temperamentvolle Malerin und Bildhauerin, die diesen Kurs leitet, lässt solche Zweifel nicht zu: „Bringen Sie die Farben aufs Papier, die Sie mögen. Malen Sie die Kathedrale, wie Sie sie sehen. Malen Sie nicht Monet ab, geben Sie einfach Ihre Eindrücke wieder, Ihre ganz persönlichen Impressionen.“

Monet hat sich auch oft und gern die Alabasterküste bei Fécamp und dem Steilufer von Etretat gewidmet. Und dem Meer, zum Beispiel an einem stürmischen Tag im Sommer 1873. Genau so erleben wir es 140 Jahre später.

Vom Sturm in die Beschaulichkeit, nach Honfleur, ein Hafen wie gemalt. Ein Ort, der glücklich macht, genau wie Giverny oder wie Caen mit seiner Altstadt und seiner mächtigen Abtei und wie Rouen mit seinen Fachwerkhäusern und der Kathedrale, die sich jetzt im warmen Nachmittagslicht sonnt. Gegenüber, in Monets altem Atelier, lobt Edith die Hobby-Künstler, die fleißig getupft und gepinselt haben. Einem nach dem anderen charmiert sie ihre Komplimente um Bärte und in stolze Gesichter: „C‘est magnifique – wunderbar, großartig – das nenne ich impressionistisch!“

Von Bernd Schiller

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