In der schottische Metropole Aberdeen gibt es viel zu entdecken – Delfine zum Beispiel

Silberne Stadt am Meer

Gemächlich und langsam ziehen die Schiffe am „Silver Darling“ vorbei in Richtung Hafen. Andere passieren den Turm mit dem edlen Fischrestaurant in entgegenkommender Richtung und gelangen kurz darauf in die offene Nordsee. Geht der Blick hinaus aufs Meer, entdeckt man Delfine. „Hier ist ihr Lieblingsort“, sagt Ian Hay von der East Grampian Coastal Partnership, einer freiwilligen Küstenschutzorganisation. „Sie freuen sich auf die Lachse und Meeresforellen.“ Hay liebt die „zutraulichen und intelligenten Meeressäuger“, wie er sie bewundernd nennt und ist überzeugt, dass es nirgendwo leichter ist, Delfine zu beobachten als in Aberdeen.

Die drittgrößte Stadt Schottlands stand bisher kaum auf der Agenda von Touristen. Zu sehr war die bisher damit beschäftigt, das Kapital auf hoher See zu bergen. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war es das Öl der Walfangflotten, dann machten in den 1960er-Jahren die Off-Shore Ölplattformen in der Nordsee die Stadt wohlhabend. „Gut 30 bis 40 Jahre wird der Öl-Boom noch dauern“, ist sich Alister Mc Dermott, der Scottish Tourist Guide. Er schreitet in seinem schneidigen Kilt, dem Schottenrock, stolz durch die Stockwerke des Maritime Museums, das dem Besucher ein Bild vom Leben auf den Bohrinseln vermittelt.

Langsam bereite man sich im Nordosten schon auf die Zeit nach dem Öl vor, räumt Alister ein und spaziert die Strandpromenade entlang in Richtung des legendären „Beach Ballroom“, wo Beatles einst ihre großen Konzerte gaben. Zu bieten habe Aberdeen genug. Besonders wenn die Sonne die Häuser aus Granit silbrig schimmern lässt. Daher stamme ihr Name – Silver City. Dann erhält die Lebensader der Stadt – die Union Street – mondänen Glanz, dann wirkt das nahezu 100 Meter lange aus Granit erbaute Marischal College geradezu royal und der Merchant Cross, der mittelalterliche Handelsplatz mit seinen Marktständen versprüht fast mediterranes Flair.

Pubs in den Kirchen

Zu bewundern sind auch die vielen Kirchen der Stadt. Tritt man hinein, empfängt der Barmann, nicht der Geistliche, den verwirrten Besucher. Statt Ruhe und Andacht füllen Musik und Stimmengewirr das einst presbyterianische Kirchenschiff. Für deutsche Besucher höchst ungewohnt, für Schotten eine pragmatische Lösung: ein Pub in der Kirche. „So verfallen sie nicht“, meint Alister. Bei landesweit weniger als 20 Prozent regelmäßiger Gottesdienstbesucher mutieren viele Kirchen in Großbritannien zu Pubs.

Auch der Charakter der Cottages von Footdee hat sich gewandelt: Viele Künstler haben in der Fischersiedlung ihr Zuhause gefunden. Wie Shelagh Swanson, die vor ihrem Giebelhaus sitzt und die Kollektion für ihre neue Ausstellung plant. „Eine tolle Mischung aus jung und alt lebt hier,“ schwärmt sie über das besondere Klima in der Siedlung während im Hintergrund das Rauschen der Nordsee zu hören ist – die Music of the Sea, wie ein kleines Schild in gälischer Sprache an Shelaghs Haus verkündet.

Von Markus Howest

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