Ski-Ritt auf der Zuckerkruste

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Selten, ungewiss und absolut unvergesslich: Mit den Skiern einen firnbedeckten Hang hinunterzufahren gehört zu den erhebendsten Momenten eines leidenschaftlichen Skifahrers.

Firn! Es sind ganze vier Buchstaben, die selbst alten Skihasen glänzende Augen bereiten. Das Dahingleiten auf der Kruste eines darunter butterweichen Schneefeldes ist neben dem Ziehen von Spuren im jungfräulichen Tiefschnee das Erhebendste, was es auf zwei Brettern geben kann.

Und es ist ein seltenes Erlebnis – selbst im hoch gelegenen, mit 204 Pistenkilometern und vielen Tiefschneehängen ausgestatteten Gebiet von Serfaus-Fiss-Ladis. Denn vieles muss zusammenkommen, damit der Ritt auf der Zuckerkruste überhaupt möglich ist. „Es braucht Sonne und Kälte – und schöne Hänge“, sagt Skilehrer Gregor. „Und das haben wir hier oft – auch heute.“ Da ist es, das Firnglänzen in seinen dunkelbraunen Augen, als er hinaufblickt gen Masnerkopf, zu dem es nun mit dem nagelneuen Sechser-Sessellift auf 2820 Meter hinauf gehen wird.

Crème Brûlée im Schnee

Firn entsteht meist im Spätwinter, wenn die Sonne am Nachmittag auch in hohen Lagen den Schnee antaut, die Beständigkeit der Decke auflöst. Im Tal nennt man das Sulz, eine Pampe, die der Skifahrer so gar nicht liebt. Aber oben, weit oberhalb der 2000 Meter, da taut nur eine zentimeterdicke Schicht an, die dann durch den Nachtfrost wieder erstarrt. „Es ist wie die leckere Kruste auf der Crème Brûlée“, sagt Gregor und grinst. Ein treffender Vergleich. Zuvor hat Johann Kühlechner von Patscheider-Sport augenzwinkernd und wortkarg für das passende Material unter den Füßen gesorgt. „Nimm den, der Beste.“

Der Ski darf kurz, griffig und ein wenig breiter sein als normal. „Damit er gut aufschwimmt, ähnlich wie beim Tiefschneefahren.“ Dazu kann es nämlich auch beim Firnschnee-Ritt kommen, wenn die Kruste bricht, der Ski unter der Oberfläche versinkt.

Der sündhaft teure, weiße Kästle ist ein Traum, das zeigt sich nach wenigen Metern. „Wir gehen in diesen Hang“, sagt Gregor, der die Pisten um Serfaus wie seine Westentasche kennt. Die Sonne legt den 500 Meter langen, unberührten Hang in ein gleißendes Silber. Und dann geschieht es: Der Start ins ungewisse Fahrerlebnis. Was wird passieren? Und dann das: Wie auf einer harten Wolke zieht der Ski die Kurven, kratzt von der Schneeoberfläche Staubwölkchen ab und das in einem ordentlichen Tempo. Kurzum: Es ist ein Traum. Am Ende des Hangs bleibt ein atemloses Staunen, ein pures Glücksgefühl.

Unvergessliche Abfahrt

Das Skigebiet von Serfaus-Fiss-Ladis – es wurde aktuell zu den zehn Besten der Welt gewählt und ist das familienfreundlichste der Alpen – auf der Sonnenterrasse über dem Inntal bietet hervorragende Bedingungen für alle Skifahrer und gerade aufgrund der Schneesicherheit auch im Spätwinter. Hier ist die Wahrscheinlichkeit hoch, in den Genuss einer unvergesslichen Firnschnee-Abfahrt zu kommen. Eines ist sicher: Wer den Ritt auf der Schneekruste einmal absolviert hat, der kann davon nicht mehr lassen.

Und dann passiert´s doch: Die Kruste bricht – unverhofft – der Ski gräbt sich in den weichen Schnee und der Fahrer fräst sich kopfüber in den selbigen. „So passiert´s“, sagt Gregor mit leuchtenden Augen. Firn!

Von Thomas Kopietz

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