Smalltalk in Schmitten

Berlitz-Weekend-Camp: Wo Eltern und Kinder – trotz Englisch – richtig viel Spaß haben

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„In English, please!“: Beim Ballonmodellierwettbewerb hatten die Kids viel Spaß. Camp-Leiterin Lizzy Stewart motiviert sie, auch beim Spielen englisch zu sprechen.

Ein Vater, sechs Mütter und Jungen und Mädchen zwischen acht und zwölf Jahren sind zum Englischlernen beim Berlitz-Camp in die Familienferienstätte Schmitten-Dorfweil gekommen.

Und was ist, wenn ich was auf Deutsch fragen muss?“ grübelt mein Sohn Florian (11) am Abend vor der Abreise zum „Family-Weekend Camp“ im Hochtaunus. Drei volle Tage mit just jener Fremdsprache, die bei Vokabeltests eher Stressmomente denn Spaß beschert – das gibt dem Fünftklässler nun doch zu denken.

Eine Skepsis, die völlig unbegründet ist: Denn Berlitz-Camp-Leiterin Lizzy Stewart aus England kann nicht nur (in Notfällen wie etwa Heimweh-Kummer, Zickenterror oder aufgeschlagenen Knien) richtig gut Deutsch. Sie weiß auch um die heimlichen Ängste ihrer Schützlinge und kennt jede Menge Motivations-Tricks, so dass die Furcht vorm lockeren Small-Talk schnell verfliegt. Ein Vater, sechs Mütter und Jungen und Mädchen zwischen acht und zwölf Jahren sind in die Familienferienstätte Schmitten-Dorfweil gekommen. Etwa Frank aus Düsseldorf mit Florian (9), der sich für den Viertklässler „später in der 5. Klasse eine Baustelle weniger“ erhofft, ebenso wie Carola und Nils (10) aus Wiesbaden.

Spiele statt Vokabeln

Kleine wie Große knabbern – mit unterschiedlichem Ansatz – am gleichen Problem: Die Kinder schaffen es (noch) nicht, ihr mageres Schulvokabular im freien Gespräch einsetzen oder trauen sich schlicht nicht, in der fremden Sprache drauflos zu plappern. Die Eltern haben zu selten Gelegenheit, ihr Schulwissen anzuwenden, und geraten bei Diskussionsrunden zu vorgegebenen Themen schnell ins Stottern – obwohl zu Thesen wie etwa „Life on other planets“, „Smoking is a human right“ oder „Too much football on TV“ wirklich allerhand zu sagen wäre.

Doch Lizzy macht uns Mut: Selbst tief verschüttete Sprachkenntnisse lassen sich reaktivieren, und zwar am wirkungsvollsten, wenn es sich gar nicht nach Lernen anfühlt: Die vierstündigen „Lessons“ am Morgen etwa bestehen nämlich nicht aus Vokabel- und Grammatik-Büffeln, sondern höchst kurzweiligen Rollen-, Quiz- und Bewegungsspielen. Dazu kommen gemeinsame Ausflüge, sportliche Aktivitäten und allerlei Kreativ-Workshops.

Auch die Biographien der Kursleiter haben es in sich: Biochemiker Bappa Maitra, geboren in Bangladesch, sorgt mit Multimedia-Bildern über Bräuche aus seiner Heimat für große Kinderaugen und wissbegieriges Nachfragen. Später übt er mit den Kids auch gleich noch einen „Bollywood“-Tanz ein – inklusive Videomitschnitt für die Lieben daheim. Dagegen verstrickt die Installations-Künstlerin Alexis Knowlton aus Salt Lake City/USA die Jungen und Mädchen in Gespräche über den Großen Salzsee und das schillernde Las Vegas unweit davon.

Obwohl von einem dreitägigen Schnupper-Wochenende keine Wunder zu erwarten sind, kriegen Eltern wie Kinder doch einen guten Eindruck davon, wie so ein Sprachcamp funktioniert. Dass die Berlitz-Methode Früchte trägt, zeigt sich bei uns schon auf der Heimfahrt. „Was hältst du davon, Mama, wenn wir jetzt zuhause immer Englisch reden?“ schlägt Florian unvermittelt vor. Auf meinen fragenden Blick, ob mit dem Kind alles in Ordnung ist, schränkt er grinsend ein: „Naja, mal ´nen Tag in der Woche, oder so.“ Na, also, ein Anfang.

Von Gisela Busch

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