Sommer 2010: Wohin geht die Reise?

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Viele Urlauber fragen sich, wohin die Reise im Sommer 2010 geht.

„Ab in den Urlaub“ heißt es auch in diesem Sommer wieder. Doch können wir trotz Unruhen, Wirtschaftsproblemen und Naturkatastroph noch verreisen? Wir haben Experten gefragt.

Die Meldungen der letzten Wochen klangen besorgniserregend: Blutige Ausschreitungen in Griechenland und Thailand, Flugausfälle wegen Vulkanasche, Ölteppich im Golf von Mexiko und obendrein ein schwächelnder Euro lassen eigentlich keine große Vorfreude auf den Urlaub aufkommen. Doch die Deutschen sind nicht umsonst Reiseweltmeister, denn sie werden auch in diesem Sommer eifrig die Koffer packen. Vier Prozent mehr Umsatz meldet die Branche. Voll im Trend sind Ziele im eigenen Land sowie All-inclusive-Anlagen – Heimatnähe und Kostensicherheit.

Wir haben uns umgehört, wohin in diesem Sommer die Reise geht. Dazu haben wir Experten aus der Reisebranche gefragt, uns aber auch sagen lassen, was die Fachleute zu den Themen Wetter, Finanzen und Politik zu sagen haben.

Veranstalter

Eine gewisse Verunsicherung und einen erhöhten Informationsbedarf der Kunden stellen alle großen Reiseveranstalter fest. TUI, Rewe-Touristik und Thomas Cook berichten übereinstimmend von verstärkten Nachfragen – je intensiver in den Medien berichtet werde, desto mehr. Aber: „Die Deutschen wollen reisen“, sagt Anja Braun von der TUI, „generell gehen deutsche Urlauber heute wesentlich gelassener mit Krisen jedweder Art um.“ Das wirkt sich auch auf die Planungen aus.

Trend: 2019 reisen wir in die Arktis

Reisetrends 2019
Eine Studie zeigt: Abenteuerlust ist weiblich. Nach ihren Reisezielen für das Jahr 2019 gefragt, antworteten 7,2 Prozent der deutschen Frauen, sie wollten Ziele außerhalb der Erde besuchen. Das wollen nur 5,9 Prozent der Männer. Das Bild zeigt den Nordpol des Planeten Mars. © dpa
Reisetrends 2019
Noch deutlicher ist der Unterschied zwischen den 1001 befragten Männern und Frauen bei außergewöhnlichen Zielen auf der Erde. Insgesamt will jeder sechste Deutsche in die Arktis oder auf unentdeckte Inseln reisen. 18 Prozent der Frauen, aber nur 11 Prozent der Männer wollen das. © dpa
Reisetrends 2019
Nordeuropa zieht ebenfalls jeden sechsten Befragten an. Hier: Helsinki in Finnland. © dpa
Reisetrends 2019
Nach Westeuropa, hier sehen wir Lissabon in Portugal, wünschen sich 15,7 Prozent zu reisen. Hier gibt es keine nennenswerten Meinungsverschiedenheiten zwischen den Geschlechtern. © dpa
Reisetrends 2019
Kaum wird es etwas exotischer, überwiegen wieder die Frauen: Nach Afrika will fast jede fünfte Frau (19,5 Prozent), aber nur 15,8 Prozent der Männer haben Lust auf Safari und roten Sand. Hier ein Bild aus dem Norden Äthiopiens. © dpa
Reisetrends 2019
Das Kräfteverhältnis kehrt sich um, wenn es um Osteuropa geht. 22,1 Prozent der Männer, aber nur 15,3 Prozent der Frauen sind interessiert an unseren östlichen Nachbarländern. Hier ist die Landschaft rund um das tschechische Prag zu sehen. Besonderes Highlight sind hier die Burgen. © dpa
Reisetrends 2019
Nord- und Südamerika ziehen jede dritte Befragte, aber nur jeden vierten Befragten an. 27,7 Prozent wollen insgesamt den amerikanischen Kontinent bereisen. Hier eine Landschaft in New Mexico, USA. © dpa
Reisetrends 2019
Asien ist schwer im Kommen: 37,4 Prozent der Befragten wollen 2019 Fernreisen nach Asien und Australien machen. Hier dürften allerdings einmal mehr die Damen die treibende Kraft in Sachen Urlaubsplanung sein: 41,8 Prozent wollen nach Fernost, aber nur 32,8 Prozent der Männer. Hier das "Hawaii Asiens", die chinesische Insel Hainan. © dpa
Reisetrends 2019
Wer kennt sie nicht, die romantischen Gondolliere in Venedig? 40,8 Prozent der Reisenden wollen auch 2019 noch nach Venedig und auf dem Markusplatz Tauben füttern. © dpa
Reisetrends 2019
Platz 1 der Studie belegt aber Deutschland selbst. Auch 2019, so die Experten des Reiseportals Expedia, will immer noch jeder zweite Deutsche im eigenen Land Urlaub machen. Da sind sich Frauen und Männer einig. © dpa

Fernreisen nach Nordamerika, Südostasien, Australien und auf die Inseln im Indischen Ozean sind in diesem Sommer sehr gefragt, ein generelles Umschwenken auf mit dem Auto erreichbare Ziele kann keiner der drei Veranstalter feststellen.

Von der momentanen Zurückhaltung bei Griechenlandbuchungen profitieren Spanien, Tunesien und die Türkei. Das schlechte Wetter hat den Veranstaltern noch einen kräftigen Schub gebracht. „Die letzten vier Wochen waren ganz stark“, sagt Nina Kreke von Thomas Cook. Überhaupt werde immer später gebucht, was aber weniger vom Preis oder der aktuellen Lage abhänge, so Nina Kreke, sondern „viele Leute können aus beruflichen Gründen nicht anders.“

Reisebüro

Es erlebt in diesen Zeiten eine Renaissance, das Reisebüro. „Wir kümmern uns“, sagt Heike Birwe vom First Reisebüro am Münchner Goetheplatz. Derzeit geht es vor allem um die Frage, ob man zum ursprünglichen Ziel reisen könne oder ob man umbuchen müsse. Wer pauschal gebucht habe, sei da fein raus, sagt Heike Birwe, „die Veranstalter haben sich in der Krise bewährt.“

Die meisten ihrer Kunden seien recht gelassen und halten an ihren Reiseplänen fest. Nur einer habe wegen der Aschewolke umgebucht: Statt auf die Seychellen zu fliegen, fährt er jetzt mit dem Auto nach Südtirol.

Reiseverband

Auch 2010 werden die Deutschen verreisen, davon ist man beim Deutschen Reiseverband (DRV), der die Interessen mittelständischer und großer Unternehmen der Reisebranche vertritt, überzeugt. „Bei den Negativmeldungen muss man genau hinschauen“, sagt Pressesprecherin Sibylle Zeuch.

Meist seien es „lokal begrenzte Probleme, die auf lange Sicht vermutlich keine Auswirkungen haben“.

Vor allem Stammkunden ließen sich am wenigsten irritieren und tragen dazu bei, dass die Deutschen Jahr für Jahr Reiseweltmeister sind.

Politik

Bei Krisen sind Informationen gefragt. Die Internetseite www.auswaertiges-amt.de wird besonders oft angeklickt, denn hier stehen Reise- und Sicherheitshinweise. „Wenn es in beliebten Reiseländer – wie aktuell in Thailand – zu krisenhaften Entwicklungen kommt, verzeichnen wir auf den entsprechenden Seiten besonders hohe Zugriffszahlen“, heißt es dazu aus dem Auswärtigen Amt.

Kein Wunder, denn die Hinweise des Auswärtigen Amtes sind Basis für Veranstalter und Urlauber, wenn es um Stornierungen geht.

Finanzen

Wie es mit der Stabilität des Euros weitergeht, kann natürlich niemand mit Sicherheit sagen. „Im Moment sind viele Emotionen im Spiel“, heißt es bei der Stadtsparkasse München. So lange die Schuldenkrise nicht behoben ist, bleibe der Kurs des Euros unter Druck. Kursschwankungen machen sich jedoch in der Urlaubskasse kaum bemerkbar.

Sparen kann man, so die Experten, wenn man im Ausland nicht täglich am Automat Geld abhebt (weniger Gebühren), wenn man bei einem Urlaub in nördlichen Ländern die Urlaubswährung bereits in Deutschland eintauscht (niedrigere Gebühren) und wenn man in exotischen Ländern vor Ort tauscht (besserer Kurs).

Wetter

„Pfingsten bringt die Trendwende“, sagt Karsten Brandt von www.donnerwetter.de. Das kalte und regnerische Wetter ziehe über Österreich Richtung Mittelmeer, der Juni werde – rechtzeitig zur Fußball-WM – dann sehr schön. „Wie 2006“, sagt Brandt, „da kam das schlechte Wetter nach dem Endspiel.“ Ähnliches prognostiziert er für den Sommer 2010: „Ab Mitte Juli wird’s dann schon wieder eher schlechter.“ Wer sicher gehen will, dem empfiehlt der Wetterexperte einen Urlaub im Süden: „Das Mittelmeer ist eine absolut sichere Bank.“ Er selbst hat im Juli Urlaub in der Türkei gebucht.

Volker Pfau

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