Donauberglandweg: Von der Schwäbischen Alb ins wildromantische Donautal

Soweit die Stiefel tragen

Sie ist mit Postkarten, Briefen und Fotos bespickt. „2500 Kilometer ohne Blase“ steht eingebrannt auf einem Astbrett. An der hellbraun gestrichenen Wand im winzigen Verkaufsraum von Josef Geiger in Frittlingen auf der Schwäbischen Alb prangen Danksagungen aus vielen Teilen der Welt. Der Schuhmacher hält einen blaugelb leuchtenden Stiefel in der Hand: „Ein maßgefertigter Wanderschuh besteht aus 138 Einzelteilen.“

Mit über 50 Jahre alten Maschinen fertigen er und sein Sohn Thomas Schuhe mit dicken, rutschfesten Sohlen. „Ein Großteil unserer Kundschaft sind reisende Wandergesellen, die viele Kilometer im Jahr tippeln.“ Da die kleine Firma nur 25 Schuhe pro Woche fertigen kann, muss der Kunde allerdings fünf Monate warten, bis er sein neues Paar endlich einlaufen kann. Also kommen bei der bevorstehenden Wanderung doch noch einmal die alten industriell gefertigten Stiefel zum Einsatz. Und wieder wird es Blasen geben.

Der Donauberglandweg führt von der Schwäbischen Alb ins Obere Donautal. Insgesamt sind durch viele Auf- und Abstiege 4500 Höhenmeter zu überwinden. Die vier Tagesetappen sind zwischen 15 und 20 Kilometer lang. Der erste Abschnitt der 65 Kilometer langen Route führt gleich zu den „zehn Tausendern“. Der höchste von ihnen ist mit 1015 Metern der Lemberg. Der Dreifaltigkeitsberg misst nur noch 985 Meter. Von dort geht es weiter zum Alten Berg. Ein Kreuzgang führt zur weithin leuchtenden Rundkapelle, 1908 als Josefskapelle gebaut.

Von Mühlheim an der Donau verläuft die Route quer durchs Donaubergland nach Fridingen. Vom Knopfmacherfelsen blickt man hinüber zum Schloss Bronnen, das auf der anderen Flussseite auf einem Kalksteinfelsen thront. Tief unten im Tal fließt ein Flüsschen namens Donau, bei dessen Anblick niemand glauben mag, dass es sich hierbei um den zweitlängsten europäischen Fluss handelt. Hier, etwa 60 Kilometer von seiner Quelle entfernt, eingebettet in blühende Wiesen und schroffe Kalksteinfelswände, wirkt der spätere Strom, wie ein verträumter kleiner Dorfbach.

Wer noch nicht müde ist, macht einen Abstecher zur Burg Wildenstein. In diesem Gebiet ist Naturschutzwart und Wanderführer Armin Hafner unterwegs. „Von kleinen Kindern bis zu Senioren führe ich Interessierte durch den Naturpark Obere Donau“, erzählt Hafner. Heute hat er einen seiner beiden Wanderfalken auf dem Arm und weiht eine Gruppe Jugendlicher in die Geheimnisse der Falknerei ein: „Meine Spezialthemen sind Uhus, Falken und Gämsen.“ Und Armin Hafner kennt sich aus in der Geschichte der zahlreichen Schlösser, Burgen und Ruinen am Wegesrand. Beim Blick auf seine Schuhe stellt sich die Frage, ob auch er schon 2500 Kilometer ohne Blasen durchs Donaubergland geschafft hat.

Von Dagmar Krappe

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