Das Valle Camonica lockt mit Natur und Landschaft, Lukullischem und Geschichtlichem

Auf den Spuren der Camuren

Hier also verewigten sie sich. Als die Gletscher der letzten Eiszeit langsam wichen, folgten die ersten modernen Menschen auf dem Eroberungszug gen Norden. Im Valle Camonica sind Spuren der Camuren, wie man diese Pioniere in dem lang gezogenen Tal nördlich des Iseo-Sees nennt, noch hunderttausendfach zu finden. Man muss nur wissen wo.

Adresse Nummer 1 ist der archäologische Park Naquane bei Capo di Ponte. Auf von Gletschern geglätteten Felsen haben die Camuren ihre Geschichte niedergeritzt, Tausende von Gravuren voller Zauber und Symbolik erzählen vom Pflügen und Schmieden, vom Jagen und Schlagen, vom Tanzen und vom Verehren des Hirsch-Gottes. Schade, dass alle Erklärungen zu den in Stein geschlagenen Zeichen in dem Weltkulturerbe nur in Italienisch und Englisch sind.

Das Museum für Leben und Kunst in der Frühgeschichte direkt neben einem Archäologie-Pfad in Capo di Ponte bietet dafür hervorragende Einblicke in das Leben und Denken der Menschen, die vor 14 000 Jahren kamen. Und ein Archäologiepark am Rande des Thermalbad-Kurortes Darfo-Boario Terme lässt sogar die Kinder mit Freude und Spannung in der Vergangenheit wandeln. Da kann man Feuer machen und Steine ritzen wie vor Jahrtausenden, sich in einem Floß an einem Pfahlbaudorf vorbeiziehen, in ein nachgebautes bronzezeitliches Wehrdorf blicken und sogar durch einen Berg gehen.

Auf Geschichtliches stößt man allerorten. Schließlich zogen hier seit Jahrtausenden Menschen durch, etliche siedelten und hinterließen Spuren. Die der Römer sind beispielsweise rund um Cividate Camuno gut zu sehen: Amphitheater und Minerva-Heiligtum nahe dem Fluss Oglio zeugen von kulturellem Leben. Wobei die Romanisierung sich in dieser Gegend erst um Christi Geburt vollzog.

Hängebrücken in den Bergen

Abwechslung gibt es für Urlauber im 80 Kilometer langen Valle Camonica, wo man auf sanften Tourismus setzt, genug. Natur und Landschaft sollen zur Erholung beitragen, sagt Carlo Zani, der Tourismus-Beauftragte des Verwaltungsverbandes Valle Camonica. Drei Naturparks nehmen die Hälfte der Fläche des alpinen Tales ein. Das Wanderwegenetz umfasst 1000 Kilometer und wird als gut markiert bezeichnet. Der Fahrradweg ist 80 Kilometer lang, 60 Kilometer davon liegen fern ohnehin ruhiger Straßen.

Wer gern durch die Berge kraxelt, findet kurz hinter dem Wintersportort Ponte di Legno Atemraubendes: Vom Paradiso-Pass (2585 Meter über NN) aus über den 100 Jahre alten Weltkriegs-Gratpfad „Klettersteig der Blumen“ erreicht man – gute Sicherung ist erforderlich – zwei erst jüngst gespannte Drahtseil-Hängebrücke, 55 und 75 Meter lang. Da läuft man quasi durch die Luft, der Abgrund ist schon einige Meter tief.

Das ist nicht für Jedermann. Dann lieber gemütlich das Camonica-Tal mit dem Fahrrad leicht bergab erradeln und unterwegs in einem der Agriturismo genannten landwirtschaftlich-gastronomischen Betriebe einkehren. Im „Il Castagnolo“ bei Paspardo machen die mit Rosinen und Wildspinat verfeinerten Ravioli eines dieser regional-italienischen Geschmackserlebnisse aus. Im „Le Frise“ bei Artogne verwöhnen drei Ziegenkäsesorten mit Paprika-, Birnen- und Zucchini-Ingwer-Chutney den Gaumen. Und am Ende der Tour heißt es Muskeln ausschütteln und sich staubfeine Tropfen über den Kopf regnen lassen. Das kann man in der Therme von Darfo-Boario Terme – das ist wieder Entspannung pur.

Von Stefan Forbert

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.