Unterwegs auf der elsässischen Route Romane, der Straße der Romanik von Wissembourg nach Ottmarsheim

Steinerne Zeugen, lebendige Mythen

G900 Jahre Geschichte und 21 steinerne Portraits blicken den Besucher in Rosheims Basilika an: Das Gebäude aus gelbem und rosa Sandstein wurde ab circa 1150 errichtet.

Die ganze Menschheit starrt auf uns herab: Ein Kranz von 21 steinernen Gesichtern bildet den Abschluss des Pfeilers in der Peter-und-Paul-Kirche in Rosheim. Die ist durch und durch romanisch – das hat Seltenheitswert, selbst an der romanischen Straße zwischen Wissembourg und Ottmarsheim. So wie diese Köpfe für menschliche Facetten stehen, erzählen die Kirchen und Burgen von der vielfältigen Geschichte und Sagenwelt des Elsass.

Seine dreischiffige Basilika aus dem 12. Jahrhundert verdankt das kleine Rosheim den ungehorsamen Söhnen des Grafen. Sie spielten im Wald – und wurden prompt gefressen. „Versöhn dich mit Gott“, riet ein Eremit dem verzweifelten Vater: „Bau eine Kirche!“ Ein Vogel gab das göttliche Zeichen für den Standort. Er sitzt – versteinert – heute auf dem Giebel. Auch die Kinder samt wilder Tiere finden sich dort. Selbst der Graf hockt auf dem Dach – als Bettler: Der Kirchenbau hatte ihn ruiniert.

Ein Würfel mit zwei Sechsen

Fremdenführerin Susan wuchs in der Welt der Mythen auf. Seit sie auf Fleckenstein einen knöchernen Würfel fand, wurde die Burgruine ihr Abenteuerspielplatz. „Statt der Vier zeigt er zweimal die Sechs. Geschummelt wurde schon immer!“ Unzählige Male ist sie als Kind die Stufen hochgestolpert. Die sind so schief, weil der Feind in schwerer Rüstung möglichst schnell straucheln sollte. Nach der Anlage von Zugbrücken und Aufstockung der Wohnräume („Eine gewagte Wolkenkratzer-Konstruktion!“) galt die in den Felsen gebaute Burg vollends als uneinnehmbar. Das hat sich geändert: Heute stürmen 100 000 Touristen pro Jahr die Burg Fleckenstein.

Im nahen Wissembourg ist „Hans Trapp, der Schwarze Ritter“ die wichtigste Sagengestalt. Als Begleiter des Nikolaus lehrt er alljährlich die Kinder das Fürchten. Nicht ganz zu Unrecht, denn Trapp, alias Hans von Throta, setzte als knallharter Politiker im 15. Jahrhundert die ganze Stadt unter Wasser. Auch in Wissembourg gibt es ein „Peter und Paul“. Es ist nach dem Straßburger Münster die zweitgrößte gotische Kirche im Elsass. Romanisch ist nur noch der Turm. Er konkurriert mit dem viergeschossigen Dach des originellen Salzhauses.

Geschichte und Legenden

Wer Ottmarsheim besucht, spart sich die Reise nach Aachen, denn die dortige Abteikirche ist eine kleine Kopie der achteckigen Pfalzkapelle Karls des Großen. Schon in vorchristlicher Zeit war hier ein Kultplatz, und „immer noch kommen viele zum Pendeln hierher“, sagt Führer Jean-Francois. Wie mag diese schöne Kirche heißen? Richtig: Peter und Paul.

Geschichte und Legenden – mancher hält es eher mit neuen Ideen junger Köche. Hubert Maetz etwa serviert im „Rosenmeer“ Saibling mit Käsknöpfle, Zucchini-Püree und Totentrompeten-Pilzen. Und Sauerkraut gibt’s hier als Marmelade – mit Lachs, Mirabellengelee und Gänseleberpastete zum Sushi verfeinert. Eine gute Grundlage, sich wieder der Romanik zu widmen. Die präsentiert sich im September sogar im Doppelpack: Beim traditionellen Festival „Voix et Route Romane“ erklingt alte Musik in historischen Mauern.

Von Cornelia Raupach

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.