Nordnorwegen im Winter: Eine Reise ins Land der langen Polarnacht

Stockdunkel? Von wegen...

Weit oben: Von der kleinen Hafenstadt Honningsvag startet der Ausflug ans Nordkap. 2 Fotos: Schwarz

Mitten im Winter nach Nordnorwegen reisen? In die Polarnacht? Dahin, wo es um diese Jahreszeit rund um die Uhr stockdunkel ist? Polarnacht stimmt – die Sonne geht am Nordkap am 18. November unter, um sich am 22. Januar wieder über dem Horizont sehen zu lassen. Aber stockdunkel? Von wegen...

Die Nordnorge, eines der 13 Hurtigrutenschiffe, die regelmäßig die Strecke Bergen-Kirkenes-Bergen befahren, gleitet auf dem Weg von Tromsö nach Honningsvag – der Nordkap-Insel – an der felsigen Nordküste entlang. Es ist schon gegen 10 Uhr, als es plötzlich hell wird. Und jetzt überrascht die Vielfalt der Farben im nur auf den ersten Blick tristen Grau. Stockdunkel ist das nicht.

Auf dem Weg nach Kirkenes, dem Endpunkt der Küstenfahrt mit den Hurtigruten, legt die Nordnorge in Honningsvag an. Von der kleinen Hafenstadt aus führt der Landgang per Bus ans Nordkap, gut 500 Kilometer nördlich des Polarkreises gelegen.

Im Sommer drängen sich hier die Touristen, jetzt im Winter haben die wenigen Besucher das sturmumtoste, aus dem Eismeer aufragende Schieferplateau mit der markanten Weltkugel für sich. Und plötzlich fühlt man sich dem immerhin noch gut 2000 Kilometer entfernten Nordpol erschreckend nahe. Ein Gefühl, das sich aber schnell verliert, wenn man kurz danach bei einer frisch gebackenen Waffel in der gut geheizten Nordkaphalle sitzt.

Wer im Winter in den hohen Norden reist, hat gute Chancen, ein besonderes Himmelsphänomen zu sehen: das Nord- oder Polarlicht. Es entsteht, wenn elektrisch geladene Partikel von der Sonne mit Gasen in der Erdatmosphäre zusammentreffen. Eine wissenschaftliche Erklärung, die das rote, gelb-grüne oder auch violette Farbenspiel am Himmel, das sich in der Polarnacht besonders gut beobachten lässt, aber nur unzureichend beschreibt.

Die tiefe Verbundenheit der Samen zur Natur

Von den Reizen des Nordens im Winter, den endlosen Schneefeldern, den unterschiedlichen Lichtstimmungen, kann John Hendrik Mienna, genannt Joma, unendlich viel berichten. Joma ist Same und damit ein Nachfahre der Ureinwohner des Nordens. Und er ist einer ihrer rituellen Sänger. Jomas Gesang ist der Joik. Man joikt nicht über etwas, sondern man joikt etwas, sagt Joma. Der Joik drücke die tiefe Verbundenheit der Samen mit der Natur aus.

Joma kann der Reisende kennenlernen, wenn er in Kirkenes den Safari-Park Gabba besucht. Mit 90 Schlittenhunden erwartet das Gabba-Team die Gäste, die die Liegezeit ihres Schiffes in der nördlichsten Stadt der Reise nutzen, um mehr von Land und Leuten zu erfahren. Schlittenhunde- oder Schneeschuhtouren unter fachkundiger Anleitung werden angeboten. Rentiere leben in einem Gehege rund um ein großes Tippi. Und wer die Rückreise per Flugzeug antritt, hat die Chance, sein winterliches Nordlandabenteuer mit einer Nacht im Schneehotel zu beenden.

Norwegens Norden im Winter, das ist ein Reiseerlebnis der besonderen Art. Eines, das viel von der Gelassenheit und Ruhe vermittelt, die dieses Land und seine Menschen auszeichnen. Und eines, das beweist, dass die Polarnacht alles andere ist als stockdunkel.

Von Eva D. Schwarz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.