EU kritisiert Ausverkauf von Italiens Stränden

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Strandgäste übervölkern den Strand Torre del Lago in Versilia, Italien, an einem heißen Sommertag.

Zum Start der Badesaison in Italien brodelt es. Die Kosten für die Urlauber steigen, und zwischen Italien und der EU ist ein Streit über die Konzessionen der Verkäufer entbrannt.

Der Urlaub in Italien kann gan schön teuer werden. Zwei Personen werden für einen Strandtag in diesem Sommer durchschnittlich 37 Euro pro Tag ausgeben, errechnete der Verbraucherverband Codacons. In Kroatien koste im Vergleich ein Tag am Strand für zwei Personen nur 20, in Griechenland 23, in Spanien 25 Euro. Codacons zufolge gehören damit die Strände Italiens zu den teuersten am Mittelmeer, nur ein Strandurlaub an der französischen Mittelmeerküste sei teurer.

Strandgeschäfte in Italien

Grund für die Verteuerung: Die konservative Regierung Italiens will Strandverkäufern Konzessionen für 90 Jahre ausstellen, statt wie bisher für 25.

Die einen nennen es den “Ausverkauf der Strände“, die anderen versprechen sich davon positive Auswirkungen auf den Tourismus. Wer künftig eisgekühlte Getränke oder Liegen und Sonnenschirme am Strand anbieten will, der könnte nach dem Willen von Silvio Berlusconi Genehmigungen für nahezu ein ganzes Jahrhundert bekommen.

Der Protest kam prompt: Die EU-Kommission empörte sich aus Wettbewerbsgründen. Umweltschützer und Verbraucherverbände malten düstere Zukunftsbilder von teuren und verbauten Stränden.

Streit um die Konzessionen ist keine Lappalie

Schon mehrfach hatten sich die Kommissare in Brüssel über die bisherige Regelung beschwert, dass bestehende Konzessionen in Italien nach Ablauf einfach automatisch verlängert wurden. Dass sie nun gleich für 90 Jahre ausgestellt werden sollen, spricht ihrer Meinung nach komplett gegen einen fairen Wettbewerb. Gemäß geltenden EU-Richtlinien sollte die Zahl der Konzessionen beschränkt und ihre Dauer “angemessen“ sein.

 “Wir wollen sicherstellen, dass es einen fairen Wettbewerb gibt, und dass jeder die Möglichkeit hat, seine Dienste anzubieten“, erklärte dazu eine Sprecherin von EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier. Die von Rom geplante Regelung würde den Gesetzen des EU-Marktes widersprechen.

Der Streit um die Konzessionen ist keine Lappalie. Denn anders als die weiten Strände an der deutschen Ost- und Nordsee, sind Italiens Küsten fast überall dicht bebaut: Kioske und Bars reihen sich an Liegestühle und Sonnenschirme, Duschen und Umkleidekabinen. Praktisch überall können Urlauber kalte Getränke, Obst oder Eis kaufen.

Die skurrilsten Gesetze im Ausland

Die skurrilsten Gesetze im Ausland
Andere Länder, andere Sitten: In manchen Urlaubsländern gibt es wirklich kuriose Gesetze. Ganz vorn mit dabei sind einige Vorschriften im beliebten Reiseland Italien. Im venezianischen Städtchen Eraclea ist es beispielsweise untersagt, am Strand Löcher in den Sand zu buddeln oder Burgen zu bauen.   © dpa
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ITALIEN: Im kampanischen Eboli wird das Küssen im Auto mit 500 Euro Strafe „honoriert“. © dpa
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ITALIEN: Im recht sittenstrengen Palermo auf Sizilien dürfen sich Frauen durchaus nackt am Stand zeigen. Dem „starken Geschlecht“ bleibt dies jedoch verwehrt. © dpa
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ITALIEN: Das Füttern von Tauben ist auf dem Markusplatz in der Lagunenstadt Venedig verboten. Es drohen bis zu 450 Euro Strafe. © dpa
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ITALIEN: In der Öffentlichkeit sein Pausenbrot zu verzehren, ist in Rom untersagt. © dpa
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FRANKREICH: Selbst in Paris, in der Stadt der Liebe, ist das Küssen im Pariser Bahnhof Gare du Nord und im Zug seit dem Jahr 1910 verboten. © dpa
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FRANKREICH: Liebe Bauern, liebe Tierliebhaber. Sollten Sie ein Schwein in unserem Nachbarland erwerben, nennen Sie es nicht Napoleon. Dies wird im Land des kleinen Korsen als Beleidigung aufgefasst. © dpa
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ENGLAND: Die Insel ist bekannt für ihre „Pub-Kultur“. Doch in Pubs ist es verboten, dass Männer Frauen um Sex bitten. Dies ist ein „nationales Ärgernis“. Strafe: bis zu 180 Euro oder drei Monate Gefängnis. © dpa
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ENGLAND: Es ist verboten, auf der Urlaubskarte die Briefmarke mit dem Portrait der Königin verkehrt herum aufzukleben. © www. travel24.com
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GRENADA (Kleine Antillen): Auf der Insel Grenada sollte man stets „zivil“ gekleidet sein. Wer mit Badehose oder Bikini in ein Shoppingcenter geht, dem droht ein Bußgeld von bis zu 200 Euro. © dpa
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ISRAEL: Bären ist es untersagt Strände zu betreten und im Meer zu baden. © dpa
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Japan: Das Land garantiert seinem Volk per Gesetz Sonnenschein. © dpa
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ISRAEL: Das Anschauen von Sexfilmen in Hotels ist strafbar. Wer erwischt wird, kann bis zu drei Jahre im Gefängnis landen. © dpa
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RUSSLAND: Ist das Auto zu schmutzig, kann es bis zu 200 Euro Bußgeld hageln. Dabei bleibt allerdings ungeklärt, was „schmutzig“ bedeutet. Darf der Autofahrer mit schmutzigen Nummernschild fahren oder müssen die Auto-Insassen durch die Scheiben noch erkennbar sein. Wie fast immer im „wilden Russland“ ist auch dies Auslegungsache der Beamten. © dpa
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USA: Indiana (Gary) geht mit allen Mitteln gegen Knoblauchesser vor. Nach ausgiebigem Knoblauchverzehr ist es vier Stunden lang untersagt, ins Kino oder Theater zu gehen oder auch nur die Straßenbahn zu benutzen. © dpa
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USA: Radfahrer in Connecticut dürfen von der Polizei gestoppt werden, wenn sie schneller als 100 km/h mit ihrem Drahtesel unterwegs sind. © dpa
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USA: Das Fahren ohne Scheibenwischer ist in Texas verboten. Eine Windschutzscheibe ist nicht nötig, Scheibenwischer müssen aber sein. © dpa
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USA: Ein kleiner Strandabschnitt in Clearwater (Florida) mit 12 Verboten. Vom Wassersport wie Surfen oder Boot fahren bis hin zum Alkoholtrinken oder Betteln ist hier alles mögliche verboten. © www. travel24.com
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USA: Alabama verbietet das Fahren eines Fahrzeugs mit Augenklappe. © dpa
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USA: In Illinois empfiehlt es sich, wenigstens einen Dollar Bargeld bei sich zu führen. Ansonsten können Sie leicht wegen Landstreicherei verhaftet werden. © dpa
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USA: Im Sonnenstaat Florida (Sarasota) darf man kein Ständchen auf öffentlichen Plätzen singen, wenn man nur Badekleidung an hat. © dpa

Das erlassene Dekret ist noch nicht rechtskräftig. Bevor bestehende und künftige Konzessionen für 90 Jahre ausgestellt werden können, muss die Verordnung binnen der kommenden zwei Monate vom Parlament als Gesetz verabschiedet werden. Ob es so weit kommt, ist unklar, die Proteste sind zahlreich.

“Die neunzigjährigen Konzessionen zielen ganz eindeutig auf neue Bebauungen ab, da die bereits bestehenden Strandbäder schon ausreichend Sicherheiten haben“, kritisierte die Naturschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF). Die Regierung verfolge ganz offensichtlich das Modell des Vergnügungsparks mit Schwimmbad, Disco und Sportcenter. Kein Wunder, dass auch die italienischen Grünen Sturm laufen gegen die Genehmigungen. Gegen den “Ausverkauf der Strände“ rief die Partei Legambiente nun für den kommenden 18. Juni zu einer landesweiten Demonstration auf.

Der italienische Wirtschaftsminister hingegen verteidigt die Idee. Man erhoffe sich von der neuen Regelung positive Auswirkungen auf den Tourismus des Landes, hieß es aus dem Ministerium. Dabei erwarten die Strandurlauber, ob nun Einheimische oder Touristen, eher schlechte Nachrichten. Die Kosten für Serviceleistungen wie Liegen, Sonnenschirme und Verpflegung werden auch in diesem Jahr wieder steigen, laut italienischen Medienberichten um ganze sechs Prozent. 

Eine gute Nachricht gibt es in diesem Jahr dann doch: Italien stellt nach wie vor rund zehn Prozent der Vorzeigestrände weltweit. Die Umweltstiftung Fee (Foundation for Environmental Education) vergab ihre “Bandiera blu“ in diesem Jahr an 233 Badestrände im Land.

Emilia Smechowski, dpa

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