Im Ahrtal ist jetzt Trüffelsaison – Touristen können mit Trüffelhund Max auf die Suche gehen

Struppige Spürnase mit Charme

Jetzt muss Herrchen schnell sein: Wenn Jean-Marie Dumaine seinen Hund Max nicht davon abhält, frisst dieser die kostbaren Trüffel gern selbst auf. Fotos:  Thomas Flügge

Die Investition seines Lebens tätigte Jean-Marie Dumaine 1999: Für eine Spende holte er Max aus dem Tierheim. Der französische Koch ahnte nicht, dass der lebhafte Hund mehr zu bieten hat als treue Augen und viel Charme. Sein Mischling trumpfte bald mit einem phänomenalen Riecher auf.

In Sinzig im Ahrtal, wo der Normanne das Lokal „VieuxSinzig“ betreibt, hatte Dumaine Berichte gelesen, wonach Deutschland einst ein Trüffelexportland war. Unter den Nationalsozialisten wurde die Suche der Edelpilze geächtet. Das Wissen darüber geriet in Vergessenheit. Da die Wachstumsbedingungen im Ahrtal für Trüffel ideal sind, ging Dumaine eines Tages mit Max auf die Suche. Es gibt kalkreiche Lößböden sowie Bäume, mit denen die Königin der Pilze eine Symbiose bildet. Prompt spürte der Hund Burgundertrüffel auf. Seither bietet Dumaine von Oktober bis Januar Trüffeltouren an.

Die hügelige Landschaft leuchtet in der Sonne und es riecht nach welken Blättern. Im Wald über den Weinbergen kennt der Koch jeden Baum. „Max, travaille!“ ermuntert er den Hund. Aber Max ist noch nicht in Stimmung und muss erst Betriebstemperatur erreichen. Dumaine macht uns auf eine grasfreie Fläche vor Haselsträuchern aufmerksam: „Wo Trüffel wachsen, zerstören sie die Graswurzeln. Der Boden sieht verbrannt aus.“

Jetzt packt Max der Eifer, er wuselt über das Terrain, angezogen von einem betörenden Duft. Plötzlich fängt er an zu buddeln. Dumaine gräbt mit einem Messer weiter und hebt eine Trüffel aus dem feuchten Boden: „Ein Prachtexemplar, gut 30 Gramm schwer.“ Ehrfürchtig reichen wir die schwarzbraune Knolle herum und saugen das Aroma ein: nussig, erdig, ein bisschen wie ein Steinpilz riecht die wertvolle Knolle.

Dann geht es Schlag auf Schlag. Max scharrt, Dumaine gräbt. Innerhalb einer halben Stunde spürt der Hund 300 Gramm Burgundertrüffel auf. „Insgesamt hat er wohl schon 40 Kilo entdeckt“, schätzt der Franzose. Was einem Marktwert von 24 000 Euro entspräche.

Die Tierheimspende hat sich für ihn zigfach rentiert. Doch sie zahlt sich nur in Trüffeln für den Eigenverbrauch aus, denn auf die Speisekarte dürfen die Pilze nicht. In Deutschland stehen sie unter Naturschutz. Doch für die Touren mit den Touristen hat der 58jährige hat eine Genehmigung: Er ist Präsident eines Vereins, der sich der Erhaltung des Wissens um die Trüffel widmet.

Wir machen Feierabend und freuen uns darauf, in Dumaines Restaurant ein paar dünn gehobelte Scheiben unserer Trüffel auf Röstbrot zu verkosten. Eine Frage haben wir noch: Warum zieht er den Hund so schnell beiseite, wenn er etwas gefunden hat? „Weil Max die Trüffel sonst selbst fressen würde.“ Der Hund weiß, was gut ist. Kürzlich verschlang er eine Knolle von 70 Gramm. Macht 40 Euro für einen Imbiss. Da soll niemand sagen, Hunde hätten keinen Geschmack.

Von Heike Weichler

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