Neue touristische Konzepte setzen auf sanften Tourismus, von dem nicht nur die Urlauber etwas haben

Südafrika auf neuen Pfaden

Vielerorts musste auch in Südafrika die Natur dem menschlichen Ausdehnungsdrang weichen. Wie beispielsweise an der südafrikanischen Gartenroute östlich von Port Elizabeth, wo Schafzüchter einst die Wildnis zähmten und sie ihres ursprünglichen Charakters beraubten. Bis man sich vor Kurzem auf ihre natürlichen Grundlagen besann und mit dem Amakhala Tierreservat die ursprüngliche Ordnung wieder herzustellen versuchte. Nicht ohne Hintergedanken.

Auf dem 7000 Hektar großen Buschgelände wurden elf Resorts versteckt, die als Ausgangspunkt für Tierbeobachtung höchsten Ansprüchen genügen. Zum Beispiel die „Woodbury Lodge“, die von einer Felskante oberhalb des Bushmans River den Blick freigibt auf eine weite Ebene, in der sich eine Herde von zwanzig Elefanten im Gänsemarsch auf eine Wasserstelle zubewegt.

Fairer Umgang mit Mensch und Natur

Für George, den Inhaber der Lodge, ist es das Konzept des „Fair Trade“, dem er über die Amakhala Resorts hinaus eine weltweite Vorreiterrolle für gehobenen Tourismus zugesteht. Dabei gehe es um ein Gesamtkonzept, das faire Arbeitsverhältnisse ebenso beinhalte wie hohe ethische Standards im täglichen Umgang miteinander. Der Anfang sei getan, und hier könne nun jeder Gast davon ausgehen, dass er mit seinem für den Urlaub aufgewendeten Geld zugleich das Land voranbringe.

Auch anderswo wird über neuartige Konzepte nachgedacht. Zum Beispiel in Knysna, dem zauberhaft an einer weitläufigen Lagune gelegenen Städtchen an der Gartenroute. Das hier praktizierte neue Programm heißt „Living with Locals“. Gemeint ist das Wohnen unter dem gleichen Dach mit Einheimischen, um mit Familienanschluss einen besseren Eindruck vom Alltag der Menschen im neuen Südafrika nach der Epoche der Apartheid zu bekommen.

An der Eingangstreppe des „Bethany Homestay“ im Township Hornlee begrüßt Magda die Gäste. Schnell wird klar, wie gut sie sich auskennt in ihrer Stadt. Die Führung durch die einzelnen Bezirke des Knysna Townships übernimmt tags darauf Mawande, der mit seiner einfühlsamen Art jede einzelne Begegnung zum Erlebnis werden lässt. Einen Höhepunkt im Kaleidos-kop der Begegnungen stellt zweifellos Ella dar. Sie organisiert das „Safe House for Kids“, in dem sie dreißig Kinder von eins bis siebzehn betreut und – besonders die Mädchen – vor den Gefahren des Alltagslebens bewahrt.

Nah bei den Menschen im Township

So richtig feierlich wird es, als Magda zum Sonntagsgottesdienst in die benachbarte anglikanische Kirche einlädt. Der Raum füllt sich schon bald bis auf den letzten Platz mit Menschen in ihrer schönsten Sonntagskleidung. Natürlich hat die anglikanische Tradition ihre festen Regeln. Doch die Predigt ist gespickt mit Humor, sodass lautes Gelächter sie stellenweise unterbricht. Ein wunderbares Erlebnis, den Menschen des Townships ganz nahe zu sein.

Und diese haben offensichtlich nichts dagegen, durch „Living with Locals“ Besuch zu bekommen, der sich bei ihnen umschaut. Denn die meisten von ihnen werden getragen von der Überzeugung, dass sich die Verhältnisse zum Besseren gewandelt haben. Und den damit verbundenen Stolz möchten sie anderen gern zeigen.

Von Bernd Kregel

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